Das Herzstück des Radio-Journalismus kommt nicht aus der Maschine, sondern der Kaffee-Bar. Und: Warum die Weihnachtspause deshalb so schrecklich war.
Ein Becher Kaffee...
Die Weihnachts/Neujahrs-Feiertage haben viel Schönes, aber auch seltsame Seiten. Man erkennt z.B. wieviele Freunde aus den sogenannten Bundesländern sind, weil sich die dann aus familiären Gründen bei Mama fadisieren, anstatt unsereinen Wiener beim rudimentär vorhandenen Partyleben zu unterstützen.
Aber das ist eine andere Geschichte.
Es hat also auch seine Vorteile, wenn diese Tage vorbei sind.
Einer davon wartet auch im Funkhaus.
Denn das Herz der infrastrukturellen Versorgung hatte ebenfalls Ferien-Pause. Und das war kaum auszuhalten.
Ich gebe zu: Ich habe gelitten. Denn natürlich gibt es das Zeug auch draußen in der Welt, aber die schöne Routine, der feine Automatismus war ebenfalls auf Zwangs-Ferien.
Es war also gestern, Dienstag, gegen 12 Uhr: hektisches, zu spätes Eintreffen zur ersten post-feiertäglichen Sitzung. Aber vorher noch der kurze Abstecher im Erdgeschoß, denn jetzt gab es ihn jetzt wieder: Kaffee.
Kaffee aus der wunderbaren Cimbali-Maschine in der wunderbaren Kaffee-Bar der Funkhaus-Kantine.
...bringt mich...
Niemand bei FM4 trinkt Filter-Kaffee aus grindigen Filter-Kaffee-Maschinen. Okay, John Megill soll sich damit durch die Vormittags-Sendungen bringen. Aber der braucht eben zu große Mengen. Und Julia Barnes hat einen lustig pfeifenden Kocher, den sie allerdings natürlich nur für "tea" verwendet.
Alle anderen sind verwöhnt, unendlich verwöhnt vom Kaffee aus der Kaffee-Bar in der Funkhaus-Kantine.
Wenn die zusperrt (so gegen 20 Uhr offiziell, gegen 21 Uhr, wenn die Radio-Wien-Leute dann endlich gehen, wirklich) trinkt die Belegschaft murrend den mittel-grausigen Automaten-Kaffee, in der Gewissheit, am nächsten Tag ab 8 Uhr früh den in etwa drittbesten Kaffee der Welt runtergelassen zu kriegen.
Kaffee.
Eine Freundin von mir hat einmal "Glück" als "eine heiße Tasse Kaffee am morgen" definiert. Und wer sie jemals am Frühstückstisch erlebt hat, die Hände um ihre große französische Tasse geschlungen, Duft und Aroma einsaugend und kleine Schlucke schlürfend, der hat das dann auch geglaubt. Glauben müssen.
...nach vorn.
Ich erspar mir jetzt die Exkurse zum Thema "Kaffeehaus"-Kaffee overrult Starbucks-Brühe, denn das ist eh klar. Außerdem gehört "Starbucks" ja Dr. Evil.
Ich hole nur schnell die "Aida" vor den Vorhang, die den wohl besten Kaffee der Stadt braut.
Aber weil es sich dorthin schlecht drei/viermal am Arbeitstag abhauen lässt, und weil es den zumindest zweitbesten Kaffee der Stadt nur eine kurze vierstöckige Liftfahrt von der FM4-Redaktion entfernt gibt, enden die kurzen Sucht-Ausflüge dann - zurecht - dort.
Den besten Kaffee an der italienischen Maschine in der Kaffee-Bar im Funkhaus macht übrigens die Frau Ida. Nicht nur, weil sie ihn schon am längsten macht, und somit die beste Technik draufhat.
Die Frau Ida, so meint Expertin Monika E., mache deshalb den besten Kaffee, weil sie ihn mit Liebe macht.
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Außer, dass die Frau Ida ihren Weihnachtsferien-Urlaub ein wenig ausgedehnt hat und noch immer nicht zurück ist.
Ich hoffe auf morgen.