Der Samstagsnachmittagseinkaufsbummel according to me.
Maria hilf!
Irgendwie bring ich es ja zusammen, am Samstag meinen Arsch zumindest so rechtzeitig aus dem Haus zu bewegen, dass ich noch irgendwas mitbekomme.
Und das ist keine Selbstverständlichkeit. Denn der Samstag ist der einzige Tag ohne Fix-Termine oder Sendungen.
Also sowas wie mein freier Tag, eigentlich.
Und da ist die Gefahr des Versumperns immer hoch.
Aber seitdem ich wieder back in tha hood gezogen bin, hat sich Samstag so langsam ein Ritual eingependelt.
Es ist konsumistisch und natürlich saublöd;
aber es wirkt.
Es geht so:
Ich komm von der Schmalzhofgasse durch diese Passage, dieses Durchhaus bis rauf zur Mariahilferstraße (ich glaub sie heißt Schulhof-Passage, man schaut ja nicht g'scheit, wenn man oft durchgeht).
Und wenn ich mich dann dort nach rechts in Richtung Otto-Bauer-Gasse wende, dann bin ich im Paradies; bzw. in höchster Gefahr.
Je nachdem.
101
Zuerst, direkt am Eck der Passage lauert eine Filiale der "Aida".
Ich denke, ich hab am achtenjänner bereits (von einigen Kritikern natürlich heftig beeinsprucht) die "Aida" zur Krone der heimischen Kaffeesieder-Kunst hochstilisiert.
Nicht weil sie bequem ist (die kleinen Tische sind natürlich Absicht, um das Publikum schnell loszuwerden), weil sie die besten Gäste hat (obwohl alte Damen mit lustigen Hüten schon was hergeben) oder sonstwie tolle Atmosphäre (viel zu hell, viel zu luftig) bietet.
Aber der Kaffee ist toll. Und die Torten (vor allem die Topfen, Trüffel und Obst-Sachen, also eigentlich eh alles) sind delikat.
Schleck!
99
Direkt daneben lauert der "Amadeus".
Ich weiß, er hat abspecken müssen, schlechte Zeiten, total unvorhersehbare, fatale Management-Fehler ...
(verzeihungichmußtekurzlachen)...
ja...
aber gleich draußen lockt der gut sortierte Zeitungs-Ständer und drinnen bekomm ich auf engstem Raum praktisch alle Zeitschriften, deren Covers ich zumindest gesehen haben will, zu Gesicht.
Auch die "Springerin".
Und ohne irgendwas (he, beim neuen "Mojo" ist eine sinnlose CD dabei!) geh ich nie raus.
Schleck!
95
Nur den Schlagballwirf des Klassendicksten davon entfernt die Filiale des besten Brötchen-Machers der Welt.
"Trzesniewski".
Ein Wort, ein Genuß.
Natürlich ist das "dicke Vorhänge"&"City-Snobs"-Ambiente der Zentrale in der Dorotheergasse durch nichts zu ersetzen, aber auch die Mariahilferstraßen-Filiale läßt dezent ins Traumland abtauchen.
Ja, ich hätt gern einmal schwedischer Hering, einmal Zwiebelmitei, einmal Speckmitei.
Schleck!
93
Das nächste Übel lauert gleich daneben.
Und es tarnt sich raffiniert.
Das klassiche Schreibwaren-geschäft "Miller" suche ich eigentlich nur einmal im Jahr auf, wenn ich neue Blätter für den guten Wochenplaner brauche.
Neuerdings lockt er mich aber jedesmal rein.
Millers, diese Bösewichte, haben direkt neben der Kassa einen großen Korb, in dem sie die neuesten Kreationen von "Zotter" verkaufen.
Zotter macht keinen Bürobedarf, sondern Schokoladen. Handgeschöpfte Tafeln. Mit delikaten Mischungen in der dezent zwischen Bitter- und Milch-Schoko pendelnden Couverture. Steirische Machwerke, bodenständig und bockig zugleich.
Die Marzipan, Nuß- oder Brand-Mischungen sind zum Niederknien, allesamt. Und auch die gewagten Kürbis-Sachen einen Versuch wert.
Jetzt, wo ich das hier schreibe, nage ich gerade gierig an Zotters Uhudler-Schoko.
Schleck!
Wenn ich dann beim Miller rauswanke, blicke ich mich vorsichtig um und laufe so schnell ich kann, weit weg, nur um nicht noch einer weiteren Versuchung zu begegnen.
Ich habe auf diesem kurzen Weg über 28 Euro abgelegt.
Dafür hab ich aber auch vom Himmel kosten dürfen.
Schleck!