Eine kleine Kulturgeschichte des "Amadeus". Und der Kick-Off zum FM4 Alternative Award.
Der "Amadeus"
Der "Amadeus" ist der erste ernstzunehmende Versuch eines allgemein akzeptieren Musikpreises für Österreich.
Im Mai wird er zum vierten Mal stattfinden.
Zum dritten Mal wird es da den "FM4 Alternative Award" geben.
Ab morgen Mittwoch hat jeder, der mag, die Möglichkeit den mitzubestimmen. Da startet nämlich das Web-Voting.
Und hier und jetzt die Kick-Off-Veranstaltung.
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Der erste "Amadeus" war eine völlig durchgeknallte Party in einer besseren Werkshalle mit Tischchen für die Künstler und Preisträger und Stehplätzen für die, die gekommen waren, um Unfug zu treiben.
Schon damals (2000) war die eigentlich absurde Mischung aus schrillem Kommerz, biederem Mainstream und wirklicher Qualität , äh, sagen wir, interessant.
Ich erinnere mich noch an das einerseits verdatterte, andererseits hochbelustigte Gesicht von Peter Kruder, der einen Produktions-Award gewonnen hatte und sich dann bei der Schlacht ums warme Buffet Seite an Seite mit dem damaligen Shooting Star DJ Ötzi oder Amadeus-Running Gag Al Bano wiederfand.
(Kruder hat übrigens gestern Nacht zu seinem Geburtstag im Dub Club gar allerfeinst aufgelegt, aber das wäre eine andere Geschichte).
Andere Sieger damals: Ostbahn, Udo Jürgens, Falco (posthum) oder Lou Bega.
Ich hab an diesem Abend nicht den säuerlichen Geruch, der sonst oft Veranstaltungen, in denen sich die Musikbranche wiederspiegelt, in die Nase bekommen, sondern den Stil-Mix in seiner grotesken Vielfalt durchaus genossen.
Selbst wenn man sich an diesem Abend etwa fünfmal von Hüttengaudi-Stücken a la "A klana Indiana" (kann sich noch jemand an diesen Dreck erinnern?) belästigt wurde, fehlte doch der grausige Bierernst, der z.B. beim "Echo" in Deutschland seit jeher mitschwang.
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Nach dem Versuchs-Ballon riskierte die "ifpi", der heimische Musik-Dachverband, und rüstete den "Amadeus" auf. Die Show übersiedelte auf den Küniglberg und artete in eine riesige After-Contest-Party aus, die seither strenge Security-Maßnahmen nach sich gezogen hat.
Damals, 2001, gab es bereits den ersten FM4 Alternative Award.
Die "ifpi" war an FM4 herangetreten, weil sie es für richtig fand, auch das "andere" Spektrum abzudecken, und seither funktioniert diese Zusammenarbeit mehr als problemlos (was in dieser Branche auch keine Selbstverständlichkeit ist).
Der Preis ging an die Eifrigsten, die "Waxolutionists", die in diesem Jahr etwa 450 Auftritte hatten. Die Waxos hatten in der FM4-Wahl Heinz, Mika, Garish und Christoph & Lollo ausgestochen. Den Preis bekamen sie von Ster&Grissemann überreicht. Und das war gut anzusehen.
Dorfmeister/Huber bekamen einen Preis für "Tosca", Günther Brödl einen posthumen und Hubert aus Goisern hielt eine bemerkenswerte und zensurierte Dankes/Schimpfes-Rede.
2001
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Im Vorjahr voteten die FM4-Hörers für "Bauchklang", die sich gegen Echophonic, Side Effect, Wedekind und Zeronic durchgesetzt hatten. Die Laudatoren waren Projekt X, und alle die da auf der Bühne waren, sahen verwegen aus.
Die Mundwerker aus St.Pölten bekamen außerdem noch einen Preis (als beste Gruppe Pop/Rock national, wie das so schön heißt) und hielten eine, eigentlich zwei rührende Reden, von denen dann im TV-Zusammenschnitt ebensoviel überblieb, wie von Teilen der Hubert von Goisern-Tirade, der - einem Déjà-vu gleich - wieder gewann.
Ansonsten gab es einen Preis für Ambros (zu Lebzeiten), für Fendrich, Ötzi und die anderen üblichen Verdächtigen.
Außerdem outete sich DJ Ötzi bei Clemens Haipl als "Projekt X"-Fan. Heinz und Schönheitfehler waren auch noch nominiert.
Wie immer kamen sich die von FM4 nominierten und im Rahmen der Veranstaltung kurz auch optisch/akustisch gestreiften Bands ein wenig wie Aliens vor, aber zumindest einmal im Jahr tut so ein Branchen-Überblick durchaus Not.
Denn so etwas wie komplette Unabhängigkeit von der Musikindustrie ist selbst im Zeitalter der weltweitwebbigen Vernetzung eine Illusion.
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Und heuer kommt das alles wieder: Nominierungen und ein FM4-Preis und andere Lustigkeiten.
Die Veranstaltung findet am 7.5. statt, im TV ist sie tags drauf zu sehen. Die Nominierten für die insgesamt 15 Kategorien werden dieser Tage veröffentlicht - auch wie gehabt die 20 Nominees für den FM4-Preis. Die Wahlen enden in der letzten März-Woche.
In den anderen Amadeus-Kategorien werten übrigens Österreichs Musikjournalisten.
Beim FM4-Alternative-Award lassen wir Euch die Wahl unter 20 von unserer Musik-Redaktion vorausgewählten Acts.
Dafür gibt es klare Kriterien: sie müssen im Vorjahr was veröfentlicht haben.
Deshalb sind z.B. die Bauchklangs diesmal nicht nominiert.
Außerdem haben wir schweren Herzens beschlossen, Acts mit eindeutiger FM4-Konnotation nicht zuzulassen.
Das betrifft:
"Grom", die Band von FM4-Berlin-Korrespondent Flo Horwath.
"Twinnie", das Projekt von LaBoum-Redakteur Sebastian Schlachter.
"Die falschen Freunde", die Band von Fred Schreiber.
Und auch DJ DSL, dem Gründungs-Mitglied von FM4-"Tribe Vibes".
Vor allem die hochgelobte DSL-Debüt-LP hätte natürlich alle Chancen gehabt, aber wie schaut das aus, wenn wir uns dann auf der Bühne selber einen Preis überreichen. Diesem Vorwurf einer unsittlichen Beeinflussung können und wollen wir uns erst gar nicht aussetzen.
Natürlich sind auch die anderen 20 Nominierten Freunde der FM4-Familie. Das ist bei einem Programm, das sich aus den Szenen heraus entwickelt auch nicht zu vermeiden.
Wer die zwanzig Nominierten sind, das wird morgen Mittwoch hier auf dieser schönen Homepage bei
borisjordan veröffentlicht.
Nicht dabei sind das "Peace Orch." oder Christopher Just, die im Vorjahr "nur" Remix/Best Of-Dinge herausgebracht haben.
Knapp vorbeigevotet wurden von der Redaktion: I-Wolf, Karuan, Mauracher, Monomania, Petsch Moser, Pogo, Quehenberger, Radian, Rückgrat, Susanne Brokesch, Valina und Wedekind.
10 der 20 Nominierten waren übrigens im Vorjahr
Prime Cuts, also Album der Woche bei FM4. Und die anderen sind auch ganz schön gut. Einige kommen auch direkt aus dem Soundpark.
2002 war ja, wenn man sich die Liste so ansieht, ein verteufelt gutes Jahr für heimische Releases.
Wir suchen ab morgen also den FM4 Alternative Act. Die Vorschlagsliste ist super. Wählts was gscheites!