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Wien | 24.4.2003 | 16:00 
Geschichten aus dem wirklichen Leben.

Rotifer, Andreas

 
 
Journal '03. vierundzwanzigsterapril.
  Der karls.platz, Drogen, Verweigerung, Doktor Paranoiski, die u.n.o, ein Mops und Clarissa Stadler.
 
 
 
karls.platz
  Eigentlich sollte hier ja von der Premiere der neuen Talk-Sendung "karls.platz" im Rahmen der "Donnerstag Nacht" heute ab 23.10 auf ORF die Rede sein. Wobei: diese Premiere gibt es ja.
Sie fällt nur anders aus als erwartet.

Da läuft jetzt nämlich eine von Clarissa Stadler moderierte Diskussion über Verweigerung in der Kunst und im Alltag mit Richard Dorfmeister, der Künstlerin Mariana Brausewetter und dem Fotografen Mark Glassner. Anlass: der Irak-Krieg.

Nun ist der schon ein Weilchen vorbei (was das Thema nicht unaktueller macht!). Und eigentlich war die Sendung ja nur als Pilot für den Notfall gedacht.

Geplant war eine letzten Dienstag aufgezeichnete Debatte zum Thema "Rausch - das Verhältnis zwischen Kunst und Drogen" mit Michaela Fabian, der Sprecherin der "utopistischen nonprohibitionistischen organisation", dem Autor Ernst Molden und yours truly.


 
 
  Warum diese eigentlich geplante Sendung jetzt nicht gespielt wird und erst einmal auf einen späteren Platz (dem Vernehmen nach in etwa einem Monat) verschoben wurde, kann ich nicht beurteilen.

In den Oberösterreichischen Nachrichten steht heute: "Kurzfristig hat sich der ORF für die am 8. April aufgezeichnete Gesprächsrunde entschieden, nachdem der Talk zum Thema 'Rausch' als nicht geeignet für ein Debüt empfunden wurde."

Und die Kronen-Zeitung sagt: "Mit dem provokanten Thema 'Recht auf Rausch' wollte heute in der Nachbarschaft des Wiener Drogen-Treffs Karlsplatz Clarissa Stadler ihr 'karls.platz'-Magazin starten. Das missfiel auf dem Küniglberg. Stattdessen wird jetzt über 'Verweigerung' geredet".

Die "karls.platz"-Redaktion hat jedenfalls die für heute geplante kleine Premieren-Party im "project space" der Kunsthalle Wien am Karlsplatz abgesagt.

 
 
  Definitiv NICHT schuld an dieser Sache ist der Inhalt dieser wie gesagt bereits aufgezeichneten Diskussion. Die wurde von den zuständigen ORF-Juristen angesehen und für rechtlich unbedenklich erklärt.

Weil sie ja auch durchaus freundlich und amikal geführt wurde, weil die Erklärung von ein paar unterschiedlichen Standpunkten ja nicht automatisch die aufgeregte pfauenradschlagende Pseudo-Diskussion sein muss, die leider allzuoft als Schauspiel über etwas als Debatte geplantes gestülpt wird. (Dass es auch anders geht, haben die vier Parteichefs ja bei ihrem letzten runden Tisch NACH den Wahlen gut vorgeführt).
 
 
 
  In jedem Fall war diese Diskussion ein sehr postives Erlebnis und darüber wollt ich heute ein paar Worte verlieren.

Ich wollt über Ernst Molden, einen aufmerksamen, guten Beobachter und über sein letztes Buch Doktor Paranoiski schreiben, das er mir an diesem Abend geschenkt hatte und das ich dann schnell in einem Zug ausgelesen habe, weil es mich wirklich beeindruckt hat, sprachlich sowieso und auch durch seine Grund-Idee.

Ich wollte über Michaela Fabian, die nicht nur Österreichs schönste Studentin, sondern vor allem die wortgewandte und von ihrer Vision beseelte Vorsitzende der oben angesprochenen u-n-o. ist, schreiben, die dem vielen semi-philophischen Gefasel von Molden und mir die richtigen Fakten entgegensetzte.

Ich wollte anmerken, dass der Mops zwar dauernd schläft und dabei auch leise schnarcht, aber allein durch seine Präsenz eine seltsam menschelnde Wirkung erzielt, indem er die Abgehobenheit der Technik- und menschenübersäten TV-Aufzeichnung wieder erdet.

Und ich wollte über die wunderbare Clarissa Stadler schreiben, die ich noch aus alten "Musicbox"-Zeiten kenne, wo sie sich bereits als kluge Kunst&Mode-Chronistin hervorgetan hatte, und darüber, dass ich froh bin, sie aus dieser Zeit zu kennen, weil ich dadurch nicht dem Irrtum anheim falle, sie auf ihre Rolle in ihrer letzte Ehe zu reduzieren, wie das viele - mangels Wissen - tun; und über eine gemeinsame Leidenschaft.

 
 
  Das wollte ich.
Vielleicht mach ich das ja alles noch, wenn die Sache aktuell wird.

Wobei die Aktualität der Sache jetzt eigentlich ein günstigeres Startfenster geboten hätte.

Knapp nach dem Symposion der u.n.o.-Leute; und knapp vor einer Diagonal-Sendung über Cannabis auf Ö1 (26.4. 17.05).

Mehr über "karls.platz" und Clarissa Stadler auch in aktueller Falter, der sie am Cover hat.

 
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