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Wien | 8.5.2003 | 16:00 
Geschichten aus dem wirklichen Leben.

Rotifer, Andreas

 
 
Journal '03. achtermai.
  Der Amadeus, Laudatoren, Attwenger, eine Rede und die Beschaffenheit der Musikindustrie in Österreich.
 
 
 
Der Amadeus
  Und es begab sich, dass am Abend des Mittwochs zum vierten Male der österreichische Musikpreis, der Amadeus, verliehen wurde.

Und es wurden Prof. Udo Jürgens für sein Lebenswerk geehrt (auch indem er die Laudatio, die seine Tochter vortrug, selber verfassen durfte);
und Ludwig Hirsch und Steffi Werger für Durchhaltevermögen;
und Joe Zawinul, der Erdberg-Ami für seine Jazz-Musik und er nutzte es um seinen Laudator, den großen Maceo Parker, den Miterfinder des James Brown-Sounds, zu ehren;

 
 
  und Al Bano, das pumuckelige, nur des italienischen mächtige Maskottchen dieses Preises (siehe diese kleine Historie) durfte auch einen Amadeus in seine Ärmchen schließen.

Ebenso wie Manuel Ortega, der dann später in der Disco bei Eminem mitsang und ausflippte.

In den anderen der zahlreichen Schlager-Kategorien gewannen mir unbekannte Sternchen.

Aber das Grönemeyer-Album fanden alle gut. Und Robbie Williams wurde zugespielt, wie er Zuschauerinnen auf die Brüste küsste. Auch nett.


Und es begab sich, dass es wie immer der einzigartige Almauftrieb einer Szene war, die keine ist, sondern durch den kleinsten gemeinsamen Nenner, nämlich den Musik-Tonträger vereint wird.

 
 
Der FM4-Alternative-Award
  Und man konnte es - neutral - als durchaus witziges Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen wahrnehmen. Wann sind die wohl allerfreundlichsten Menschen der Welt, die Sportis oder die Texta-Jungs, schon im gleichen Raum wie irgendwelche Schlagerfuzzis anzutreffen und nicken allesamt im Takt zu 2Pacs "California"?

Aber man kann es, strenger betrachtet, natürlich auch als Fanal sehen, oder als "die Paralympics des Pop", wie es Stermann & Grissemann in einer brillianten Laudatio so wenig ironisch formulierten.

Und man kann es - in Abwesenheit des großen Abrechnungs-Redners Hubert von Goisern - auch dazu nützen etwas zu sagen, was einem wichtig ist.

Attwenger, der Binder und der Falkner, haben das getan.

 
 

 
audio
 
title: Attwenger Rede (Amadeus Award 2003)
length: 2:15
MP3 (1.619MB) | WMA
   
 
 
Die Musikindustrie
  Selbstverständlich ist die Musik-Branche reaktionär.
Das ist ihre Natur.
Es geht um die Aufbewahrung und den Verkauf von Tönen.

Nachdem das, was den meisten Menschen gefällt, also die Musik mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner das meiste Geld bringt und die Anforderungen der Musikindustrie logischerweise in diese Richtung gehen, kann es gar nicht anders sein.

Einzelne Nischen und Biotope, die in sich funktionieren (aber ebenso den klassichen Marktgesetzen gehorchen, egal wie "underground" oder "independent" sie nach außen oder innen sind) können da nichts ändern, sie können die eingefahrenen konservativen Bahnen maximal ein bisschen ausfransen.

Trotzdem ist es gut hin und wieder über diese Dinge nachzudenken. Insofern hatte der restliche gestrige Abend auch ein inhaltliches Motto.

Was in der TV-Aufzeichnung (heute 22 Uhr, ORF 1) davon zu sehen sein wird, wird man sehen.

 
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