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Wien | 21.10.2003 | 16:00 
Geschichten aus dem wirklichen Leben.

Rotifer, Andreas

 
 
Journal '03. einundzwanzigsteroktober.
 
 
 
 
Die wahren Abenteuer sind im Kopf
 

Natürlich wäre ein Trip an den Gardasee sinnvoller, wenn es sonnig und warm wäre, die mediterranen Ufer-Anlagen voll mit dem lautem italienisch der spielenden Kinder und der gesteltzen Nobelesse der dort unter Palmen und triestisch anmutenden Palais urlaubenden upper-class.

Aber auch der touristische Abgesang Mitte Oktober hat seinen regnerischen Charme.
Und unser kleiner Ausflug in den botanischen Garten in Gardone Riviera zu einem der wichtigsten Meister österreichischer Popmusik hatte den sowieso auch in seiner nieseligen Variante.

Darüber mehr, wenn das dort aufgezeichnete Gespräch mit Herrn Heller dann ausgestrahlt wird, mehr also, wenn das 2-Jahre-Soundpark-Wochenende näherkommt, also in den nächsten Tagen, wenn Meisterfotograf C. seinen Film fertigentwickelt hat.

 
 
  Derweil ein paar Fragen, die sich ganz von selber stellen, wenn man eine Reise tat.

Warum gibt es in ganz Wien (von ganz Graz und Linz ganz abgesehen) keinen so heimeligen und guten DJ-Couch&Kuchen-Club wie ihn Innsbruck einmal die Woche (im Bierstindl) hat? Wenn es dort auch noch eine Lüftung geben würde und man nicht allein schon wegen des aufgestauten Rauchs weinen müßte, würde man es glatt wegen seiner Qualität tun.
Sowas feines hab ich seit der Einäscherung der Mareks-Garage nicht mehr gesehen...

Warum haben die jungen Innsbruckerinnen alle die elegante Schulter-Haltung von stolzen Schwimmerinnen? Und ab wann werden sie von der ruppigen Rüpeligkeit ihrer Mütter und Tanten überfallen?

Werden die ohnehin schon jetzt von Laster-Kolonnen überschwemmten Tiroler Autobahnen und Landstraßen bei weiterem Ausbleiben von EU- oder Bundesunterstützung wirklich in die Hände von Bürgerwehren fallen?

 
 
  Warum bricht FM4 tatsächlich drei Meter nach dem Brenner ab? Wieso kann man nicht einmal Ö1 in ganz Südtirol hören? War das immer schon so, oder ist das seit dem Radio-Wildwuchs drüben noch schlimmer?

Wieso gibt es im gesamten Raum Alto Adige/Trento keinen einzigen Sender, der länger als eine Stunde hörbar ist? Wo ist die berühmte und vorbildliche italienische Radiolandschaft in dieser Region?

Warum ist die während unserer Einfahrt erfolgte Regierungs-äh-Umbildung in den dortigen Nachrichten nicht einmal auf Platz 8 ein Thema?

Warum macht es mir soviel Freude trotz höchst rudimentärer Sprach-Kenntnisse im Tuttosport herumzuwühlen?

Wieso sind alle Italiener rund um den Gardasee problemlos deutscher Wortbrocken mächtig (okay, alle bis auf Hellers Haushälterin, aber die verstand es wenigstens) und die, die sich als Touristen nach Wien verirren so rein gar nicht?

 
 
  Warum ist der Cappuccino in jedem abgefuckten italienischem Autogrill automatisch so viel besser, runder, geschmeidiger und wohlschmeckender als hierzulande?

Wieso ist das Essen in jeder dahergelaufenen Trattoria derart viel besser, runder, geschmeidiger und wohlschmeckender als sonstwo? Warum befriedigt es schon in dezenten Mengen, was in Österreich selbst in der Doppel-Portion nicht andrückt?

Wieso ist selbst das dazu gereichte, literweise fließende Mineralwasser ein Gedicht?

Warum sind italienische Servier-Kräfte nie patzig, sondern immer dezent? Liegt es am "Permesso? Avanti!"-Spiel?

Warum sehen selbst auf den Bus wartende Schüler aus wie Models für einen TV-Mode-Spot?

 
 
  Selbst wenn sich auf all das keine Antwort findet, weiß ich eines sicher: Internet-Adressen sag ich ab sofort so durch wie die Italiener, nämlich wuwuwu statt wewewe.
 
 
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