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Wien | 24.11.2003 | 16:00 
Geschichten aus dem wirklichen Leben.

Rotifer, Andreas

 
 
Journal '03. vierundzwanzigsternovember.
 
 
 
 
Ohne Rauch wird's nie gehn.
 

Eigentlich wollte ich über genau das vor exakt einer Woche schreiben; weil es mir im Ausland, auf der Transit-Route und dann auch im Gespräch mit anderen, die aus anderem Ausland kamen, extrem aufgefallen ist.

Es hat sich dann nicht so ergeben, vielleicht auch weil ich nach diesem Bashing hier nicht gleich noch ein zweites nachschieben wollte.

 
 
  Und dann seh ich gestern das aktuelle Profil-Cover und muss sehr viel lachen...

Mir ist es nach meiner Rückkehr vorigen Samstag vielleicht etwas stärker als normal aufgefallen, weil ich verkühlt war, und in diesen Phasen der empfindlicheren Nase einfach auch den stets gegenwärtigen Rauch stärker wahrnehme.

Ich denke aber, dass es mit dem Unterschied abroad zu tun hat. Draußen in der Welt wird einfach weit weniger oder zumindest dezenter gepofelt als in Österreich oder in Wien.

 
 
  Mir sind nach ein paar Tagen Südafrika, wo ich glaub ich niemanden rauchen gesehen habe (zumindest nicht bewusst), diese armen Menschen erstmals an den Katzentischen am Frankfurter Flughafen aufgefallen, wo sie sich wie Aussätzige um ein paar Aschenbecher drängen müssen, um dort rauchen zu dürfen.

Sie sehen nicht nur deswegen erbärmlich aus, sondern auch, weil Raucher ja immer erbärmlich aussehen: gehetzt, fahl, unlustig und stinkig.

Mein eklatantestes Umstellungs-Problem nach 5 Tagen in der Welt war nicht die novembrige, neblige Kälte, die in Wien herrschte, sondern der alles überlagernde Zigarettenluft-Grind.

Denn während in Capetown wie in Clubs in aller Welt das Gwand, das du anhast, auch noch nachher duftet wie frisch von Mamas Weichspüler durchgeschwemmt, reichen 2 Minuten Schikaneder, um dich in eine einzige Rauch-Gestankswolke zu verwandeln.

 
 
  Raucher sind ja das letzte.
Elende Dreckspatzen, die auch kein Problem haben mit dem Gesicht vorneüber in einem Aschenbecher einzuschlafen.

Raucher stinken wie die Pest und haben dadurch ja auch keine Geruchs-Auffassung mehr.

Raucher und Raucherinnen leben zb in dem aberwitzigen Irrglauben, dass ihre Küsse Delikatessen sind (wie die Küsse normaler Menschen), dabei sind diese direkten Bisse in einen vollen Aschenbecher ja nur mit wirklich viel Liebe zu ertragen.

Raucher haben nicht nur keinerlei Selbstachtung und kein Gefühl für ihren eigenen Auftritt, sie haben auch ein Umgebungsbild, das maximal dem einer Stubenfliege entsprechen kann: sie blasen den Rauch immer in die Gesichter ihrer Mitbewohner und -arbeiter, sie aschen wild durch den Raum und laufen den Rest der Zeit hysterisch "Tschick!"oder "Feuer!" einfordernd herum, haben also das Gesichtsfeld und die soziale Kompetenz einer Amöbe.

Deswegen gibt es dagegen auch keine verbal effektive Maßnahme. Wenn zb wieder irgendeiner Raucher-Drecksau das FM4-Studio vor mir mit einer Spur von Asche, Stummel, Gestank und sonstigem Dreck durchzogen hat, wiewohl dort natürlich Rauchverbot herrscht, werfe ich einfach alles weg, Aschenbecher inklusive und stelle den Mistkübel dann auf den Platz des Verursachers.
Im Wiederholungsfall leere ich den Mist auf den Platz drauf. Wer mir ganz deppert kommt, bei dem ist der volle Aschenbecher auch schon in der offenen Tasche gelandet.

 
 
  Nicht, dass ich mit Rauchern ein wirklich großes Problem hätte: ich habe fünf Jahre meines Lebens mit einer Frau zusammengelebt, die täglich 4 - 5 Packerl verschlingen konnte und war nicht wirklich betroffen oder sonstwas. Insofern bin ich die lebende Bestätigung für die (ein bissl dümmlich aufgebauschte Nicht-)Erkenntnis des Profil-Covers, dass nämlich Passiv-Rauchen den Erwachsenen Menschen nicht so schädigt.
Dafür erhöht es die Gefahr des plötzlichen Kindstods um den Faktor, ist also für die Kleinsten durchaus tödlich, was aber scheinbar als lächerlicher Klacks gesehen wird, und die Cover-Zeile "So wird die Gefahr übertrieben" sicher rechtfertigt.
Schließlich kann das Profil, wenn man das Durchschnittsalter seiner Leser nimmt, noch über 50 Jahre lang auf Kinder gänzlich verzichten.

Es gilt ja überhaupt zu differenzieren: Rauchern macht es keinen Spaß, allein zu rauchen (vor allem, wenn man sich als Nichtraucher mit Zeichen des Ekels abwendet). Einzelne Raucher sind also zu handeln. Mühsam werden sie - wie alle Menschen - erst in der Masse.

Der Raucher braucht Mittäter. Die finden sich in erster Linie am Arbeitsplatz (wo man "Stress" oder andere debile Ausreden vorschützen kann) und in der Freizeit, vor allem in der verstunkenen Szene, wo Künstler-Imitatoren das Getschicke zur "letzten Freiheit" oder ähnlich kretinöse Ansagen hochstiliseren.

 
 
  Da ich es dort auch nicht anders kenne, sehe ich das alles nur selten, nehme es nur dann zur Kenntnis, wenn ich grad wieder ein bissl geruchsempfindlich durch Verkühlung bin.
Oder es fällt mir auf, dass ich in einer Wenig-Raucher-Umgebung war, weil ich meinen Pullover nicht sofort wegwerfen muss.
Das passiert wie gesagt selten, und ich achte auch nicht drauf, weil ich ja erstens raucher-liberal und zweitens ja Wiener, also auch Kaffeehaus-affin bin.

Zudem ist das Gegenkonzept, so wie es sich zb in den US-Clubs (und teilweise auch schon im UK) präsentiert, auch nicht wirklich sympathisch. Denn die völlige Ausmerzung der Pofler führt zur anfangs beschriebenen Absonderung der armseligen Flughafen-Raucher. Und eine derartige Ausgrenzung behagt mir nicht.

Natürlich ist es gut, den Jämmerlingen klarzumachen, dass sie erstens asozial und zweitens totgeweiht sind, aber das kann man ja auch menschenfreundlich machen; indem man sie zb verarscht, wo es geht, und Witze auf ihre Kosten macht. Ihnen beim Feuergeben die Haare ansengen oder Tschicks schnorren und dann wegwerfen.

Raucher, die ihre Sucht nicht als Krankheit, sondern als gottgegeben betrachten, sind - wie alle Gläubigen und Puristen und vor allem Süchtler - ohne Humorverständnis, und werden sich schnell aufregen, was wiederum umso lustiger ist.

 
 
  Aber mein Vorschlag ist ein anderer.

Er basiert auf einem der blöden Filme, die ich auf der Langstrecke gesehen habe. Da rettet Rowan Atkinson als lustiger Secret Agent die Insel ihrer Majestät vor dem bösen Franzosen John Malkovich, der die Idee hatte das gesamte Königreich zu isolieren und als Gefängnis für alle Bösewichte weltweit einzurichten: England als abgeschottetes Anti-Paradies für den Abschaum, auf das der Rest der Welt es sich gut gehen lasse.
Keine neue Idee, ich weiß (Snake Plissken kennt den Schmäh schon), aber durchaus umsetzbar.

Österreich könnte, wenn sich das Rauch-Verbot weltweit durchsetzt, ja die globale Tschik-Oase werden.
Pofler und Stinker aus allen Ländern würden für ihren Traum-Urlaub in der Rauch-vernebelten Wienerstadt sicher alles tun.
Schließlich befindet sich das scheinbar von der Tabak-Regie regierte Land ja jetzt schon an der letzten Stelle im Restriktions-Ranking der 1. Welt.

Und die erbarmunsgwürdigen Nachwuchs-Stinker, die sich in ihren schrecklichen Teenie-Jahren coolnessmäßig über ihre Raucher-Handhaltung definieren müssen - und dabei zum Großteil echt scheiße aussehen -, würden eine wahrhaft internationale Ausbildung erfahren.

 
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