fm4.ORF.at ORF.at login
StreamPodcastsMail an FM4
zurück zur TitelseiteSOUNDPARK - Your Place for Homegrown MusicSTATION - alles rund um den RadiosendernotesCHAT
Wien | 30.1.2005 | 14:00 
Geschichten aus dem wirklichen Leben.

Rotifer, Andreas

 
 
Journal '05: 30.1.,Sonntag.
  Warum das mit dem Protest deutlich sein muss.
 
 
 
  Der Protestsong-Contest (Aufruf hier; Vorjahr hier) warf gestern abend erfreulich bedrohlich seinen Halbfinal-Schatten voraus.

Er fand in einer irgendwie passenden, historischen Halle statt, Anfang 70er-Resopal, ein Relikt aus einer Zeit als die Gewerkschaft tatsächlich noch ein starker Arm war, der mit dem Stillstehen aller Räder drohen konnte.

Und er zeigte uns, dass sich nur das Deutliche und das in seiner Plakativität Genaue durchsetzen kann, wenn es um Protest im klassischen Sinn geht.

Und dass Protest ohne Wut (die ja nicht in jedem Fall rausgeplärrt werden muss, man kann ja Wut auch fast still rüberbringen) wenig Sinn macht.

 
 
  Das Wiener Kongresshaus am Margaretengürtel hab ich, glaub ich seit einem Drahdiwaberl-Konzert irgendwann in den frühen 80ern nicht mehr betreten.

Zu dieser Zeit war dieser ÖGB-Saal, der schnell und zurecht furchtbare Parteitags-Assoziationen bis hin zu Ceausescu weckt, einer der wenigen Hallen, die man bespielen konnte, wenn man eine ungschniegelte und riskante Kapelle war.
Herr Ostermayer glaubt sich an ein frühes Stranglers-Konzert ebendort zu erinnern, ich glaube er hat recht.

Dann, Mitte der 80er, begann sich die Hallen-Situation in Wien ja langsam dorthin zu entwickeln, wo sie heute steht, also zu einem halbwegs vielfältigem Angebot.
Damals war es aber jedem kreuzwurscht in welcher miefigen Umgebung die argen Konzerte stattfanden: man war ja froh, dass überhaupt irgendetwas.

< Chor der Nachkriegs-Generation: Mir hom jo nix ghobt domois!!!! >

 
 
  Auf diese Maxi-Variante einer Haus der Begegnung-Bühne passten alle Teilnehmer gleich schlecht hin (viele Fäuste aufs Aug') - egal ob es sich jetzt um den Deutschpop-Versuch, die Agit-Prop-Trottelei oder den Augustin-Chor handelte.

Insofern war es ein herrlich gerechter Abend. Auch weil von den 25 Finalisten weit über die Hälfte mit Anwesenheit glänzte - auch wenn manche nur auf der Bühne saßen, während ihr Song lief, weil sich eine Performance nicht ausgegangen war.

Die Details, die Siegerlisten, die Fotos und das alles gibt es im übrigen allesamt hier.

 
 
  Das Niveau im Vergleich zum Vorjahr: ich finde, ein Spürchen besser.

Diesmal hatten alle Finalisten verstanden, was ein Protest-Song ist - 04 gab es da noch Definitions-Troubles.
Und die Originalität mancher Aufführung stand auch über dem Semifinale des letzten Jahres, das in der Haupt-Bibliothek am Gürtel abgehalten wurde.

Der Star-Faktor (Vorjahr: Binder-Krieglstein, Monochrom) war heuer (Christoph & Lollo, Lassiter, Blockwerk...) ähnlich gelagert, die Wahl der 10 Finalisten ein bisschen klarer.

Vielleicht auch, weil in allen Köpfen, auch denen von der von Fritz Ostermayer souverän dirigierten Jury, nach der Vorjahrs-Veranstaltung ein deutlicheres Bild von dem, was man so wollte, schwebte.

 
 
  So kann man sich fürs Finale, das am 12.2. im Rabenhof stattfindet (Jury mit Dusl, Knecht, Sweet Susie, Lang-Hansi, Skrepek undso) schon auf was gefasst machen.

Mir sind nur zwei Dinge aufgefallen: dass es die nette, für das plakative Umfeld aber zu wenig grelle König von Österreich-Nummer von Surfdog7 nicht geschafft hat - wiewohl das Grelle um des Grellsein-Willens gestrickte Ding von Christian & Michael (Vorjahrs-Finalsten) dann auch abgelehnt wurde.

 
 
  Und dass sich um zwei Reggae/Ragga-Teilnehmer ein interessanter Disput entsponn.
Da wurde dem Damen-trio "Bitchin' Delilahs" Naivität bei ihrem Asyl-Stück "Neue Generation" vorgeworfen; als Beleg galt, dass sie in ihrem Innenminister-Bashing auch CvEinem hineingenommen hatten.

Nun mag Einem ein wenig angreifbarer Mann sein, als Innenminister hat er allerdings die Serie der österreichischen Asylrechts-Debakel gestartet, da fährt die Eisenbahn drüber.
Hier hat eine verklärende Sichtweise die Person über die historischen Taten gestellt.

 
 
  Zum anderen wurde ein schöner Omofuma-Song problemlos ins Finale gevotet, wiewohl hier ein Hinterfragen auf Naivität wesentlich angebrachter gewesen wäre.

Denn der von der Polizei auf entsetzliche Art vom Leben zu Tode beförderte Omofuma war alles mögliche, aber zu Lebzeiten sicher kein Held oder gar ein Vorbild, als das er in diesem Stück dargestellt wurde.

Auch hier hat die verklärende Sichtweise die Person über die historischen Tatsachen gestellt.
Die Symbolik eines Geschehens mit einer Glorifizierung eines Menschen zu verwechseln, hätte tatsächlich ein spezielleres Nachdenken erfordert.

Aber das wären die leisen Töne.
Und die sind bei einer Aktion, in der es um Läutstärke und eben Protest geht, unangebracht.

 
back
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick