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Wien | 18.6.2005 | 22:00 
Geschichten aus dem wirklichen Leben.

Rotifer, Andreas

 
 
Journal '05: 18.6. Samstag.
  Der lässigste Turm von der ganzen Welt...
 
 
 
  ... steht seit gestern abend in Wien, und zwar am Wallensteinplatz, im 20.

Ich hab einen Teil des Turms zum erstenmal vor Wochen, im April gesehen, als es die ersten wirklich warmen Tage im Jahr hatte. Und zwar hat mich da H., ein Typ, der eigentlich Archtiketur studiert, sich aber lieber mit Kunst-Projekten selber vom Fertigwerden abhält, zu einer Foto-Session in den Prater bestellt - Johnny Depp konnte nicht, also hab ich's gemacht.

Dort, in der Nähe der ehemaligen Libro-Halle, gleich links von der ehemaligen Fun Factory haben H. und seine Kunst-Spießgesellen in einer leerstehenden Riesen-Halle am riesigen Messegelände an so Projekten herumgeschraubt.

 
 
  H. hat da die Rolltreppe und ein kleines Ticket-Häuschen in dieser Halle genutzt um Bilder für eine Sache zu schießen, die er in Barcelona ausstellen wird.
Und ich bin ein grandioser Rolltreppen-Fahrer.

Egal.
Denn daneben werkelten einige Menschen an einem kleinen Ungetüm aus Holz und Metall, das wie ein kleines Indie-Penthouse auf Stelzen wirkte.
H. erzählte dann, dass er und noch ein dutzend andere Narren an einem Turm schrauben, der im Sommer dann am Wallensteinplatz aufgebaut werden würde.

Ich hab mir das Trum kurz angeschaut und bin dann wieder raus in die Pratersonne, während H. und Co weitergeschnitzt haben.

 
 
  Das ganze hatte ich schon wieder vergessen, ehe dann Freitag die Party-Fon-Warnung einer Freundin die Einweihungs-Party dieses Turms als abendliches Highlight erwähnte.
Auja, der Turm!

Und: vom ersten Anblick des fertigen Turms am Wallensteinplatz, von der ersten Sekunde an bin ich beeindruckt.
Das ist der lässigste Turm von der ganzen Welt geworden.

Zum einen ist die Konstruktion sieben oder acht Etagen hoch - das Stückerl, das ich gesehen habe, war die vorletzte - und ein kleines Meisterwerk.

 
 
  Zum einen hat es hohen Gebrauchswert - man kann da stundenlang herumsteigen und immer was Neues finden, und zum anderen ist es auch ein höchst eleganter Aufzeiger und In-Kontext-Steller, also Kunst der besten Art.

Dafür, dass das Ganze nicht umfällt, sorgen Drehkreuze, die immer nur 90 Leute gleichzeitig rauflassen. Aber statisch wirkt das Ding eh 1a; haben ja die Archtikten-Jungs und -Mädls gebaut.

Und dafür, dass man nicht mehr runter will, sorgen eine kleine Bar, eine Chill-out-Platform mit einem kleinen Tümpel, eine Konsolen-Reihe, eine DJ-Kanzel, ein Wuzzler, eine Rumsitz-Etage, ein Jacuzzi (voll), ein Wohnwagen, zwei Schlafkojen, ein Entspannungsraum (nur mit ohne Schuhe!), zwei Klos, drei Waschgelegenheiten und noch 50 andere Gimmicks.

 
 
  Wie fein durchdacht alles ist, sieht man anhand des kleinen Pools, der in der zweiten Etage am hinteren Rand untergebracht ist.
Ehe man den erreicht, kommt man an einer Wand voller Kästchen vorbei, die mir gleich ziemliche deja-vus mit dem Gänsehäufel und er dortigen Kästchen-Kultur untergejubelt haben. In die kann jeder sein Gwand tun und dann abtauchen; und zwar wirklich.

Normalerweise kommunizieren solche Spaßettln der Kunst- und Studi-Fraktion ja kaum bis gar nicht mit den Bedürfnissen der Menschen.
Der Turm ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie das geht. Der leise gestresste Familienvater, der seine drei kleinen Töchter, die vor lauter Freude und Glückseligkeit über diesen unglaublichen Spielplatz, gleichzeitig in alle Ecken stoben, war ebenso beeindruckt wie die Bobos, die am Eröfnungstag ihre Party feierten.

 
 
  Und allen gemeinsam war dieser satte glückselige Grinser, der dieser in seiner Alltäglichkeit so ungewöhnliche Bau in ihre Gesichter gezaubert hatte.

Da hat jemand einen kleinen Zauberschlüssel für Glück gefunden und was damit gemacht. Den lässigsten Turm von der ganzen Welt eben.

H. war, als ich gekommen bin, schon völlig hinüber.
Er hatte den ganzen Tag noch gefeilt, geschraubt und nachgemalt und gegen Mitternacht einen Zustand der euphorischen Trunkenheit erreicht, der einen nur dann umfasst, wenn man durch die Resonanz, die man erfährt und erspürt, weiß, daß man ein wirklich gutes Ding gemacht hat.

 der lässigste turm von der ganzen welt steht dort noch bis ende juni.
und es gibt auch veranstaltungen dort. das wird euch noch wer erzählen auf dieser seite, bin ich sicher.
 
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