fm4.ORF.at ORF.at login
StreamPodcastsMail an FM4
zurück zur TitelseiteSOUNDPARK - Your Place for Homegrown MusicSTATION - alles rund um den RadiosendernotesCHAT
Wien | 12.7.2005 | 14:00 
Geschichten aus dem wirklichen Leben.

Rotifer, Andreas

 
 
Journal '05: 12. 7. Dienstag.
  Der erste Tag in der neuen Klasse.
 
 
 
  Für Formalisten startet das Jahr am 1.1.
Für mich startet es mit Saison-Beginn, mit Fußball-Saison-Beginn.
Und das ist heute.
Und das ist sowieso immer spannend, birgt kribbelnde Voraufregung wie die Erwartung einer neuen Kollektion, der erste Tag in einer erneuerten Klasse, der Beginn eines Seminars oder die Vorfreude vor einem Konzert.

In die ersten Töne legen wir viel an Vorinterpretation hinein, der erste Eindruck bleibt hängen.
Wer die Saison lasch beginnt, wird diese Defizite schwer aufholen können. Und dieser Beginn ist eben jetzt, heute abend. Noch dazu mit dem wegweisenden ersten Blick auf einen neuen Mitschüler, ein rich kid, dem bereits eine Fama aus gemischten Gefühlen vorangeht.

In meiner Fußball-Kindheit war der Saisonstart ziemlich identisch mit dem Schulbeginn, damals hatten wir eine 16er-Liga, die sich nicht derart mit vielzuvielen Terminen abstrudeln musste wie es die viel zu ambitioniert positionierte österreichische Bundesliga heute tut.

Um durch dieses Marathon-Programm zu kommen (mehr Spiele als etwa die Deutschen, die ihrerseits schon meinen zuviele zu spielen) muss die BL als eine der ersten Ligen in Europa beginnen, schon im Juli.

Idiotische Sache, die aber nicht hinterfragt werden darf - die Zehnerliga ist zementiert (und die Debatte über Sinn und Unsinn ist zu komplex, würde jeglichen Rahmen sprengen).

Nun ist glücklicherweise keine Hitze-Phase, sondern eh gutes Fußball-Wetter. Und die Vorzeichen für die neue Saison sind so gut, dass es mehr Sinn macht, sich über Inhaltliches zu unterhalten.

 
 
  Es könnte nämlich die hochklassigste Saison seit langem werden.
Das hat einige Gründe: erstens das 30-Millionen-Engagement von Red Bull beim letzte Saison abgewirtschafteten Traditions-Klub Austria Salzburg; zweitens eine Art Realismus-Schub bei der Austria Wien, der der Liga den vielzitierten Operetten-Touch rauben könnte; drittens einige andere finanziell gutdotierte Engagements (beim GAK, bei der Admira); viertens ein sehr relaxter und am Boden gebliebener Titelverteidiger; fünftens eine rasant vernünftige Einkaufs- und Transfer-Politik, die sich zunehmend an internationaler Qualität orientiert; und sechstens auch eine spürbarere Rücksichtnahme auf sowas wie das heimische Talent, die heimische Ressource.

Alle sechs Punkte haben ihre Pferdefüße, manche sogar gewaltige - trotzdem ist die Ausgangs-Position für eine Niveau-Steigerung (wo Oben ist, haben wir beim Confed-Cup gesehen!) optimal.

Der erste Fingerzeig wird der heute erfolgende Erst-Auftritt des neuen Mateschitz-Teams sein.
Es wird sich da nämlich nicht nur zeigen inwieweit eine zwar klug aber doch blind zusammengekaufte Halbstar-Truppe aus eher älteren Kickern einfach so aus der Hüfte starten kann, sondern auch wie sich die Salzburger Fans verhalten.

Die sind über die New Economy-Praktiken (Mateschitzens Red Bull sieht den Clubs als Marketing-Tool. Punkt. Sowas wie Vereins-Tradition oder -Farben tangiert die Herren Null) entsetzt. Dass man einen Club nicht gegen seine Fans führen kann, hat z.B. der eselsture Canuck-Grufti am Verteilerkreis erst nach drei Jahren Dauerwatschen-Feuerwerk (vielleicht) kapiert.
Solange hier im Haus selber Krieg herrscht, solange im Umfeld die Luft brennt, wird es nix werden mit schnellen Erfolgen.

 
 
  Aus den gleichen Gründen - brennendes Umfeld, Wickel galore - wird es auch mit den hochgeschraubten Erwartungen der Admira nichts. Zudem sind die dort zusammengekauften Spieler großteils (vorsichtig gesagt) jetzt nicht die größten Steher, wenns um Ganze geht.

Die vorhin angesprochene in den letzten Jahren als Lachnummer an der eigenen Borniertheit gescheiterte Austria hingegen wird, solange es nur einigermaßen ruhig bleibt, den Herbstmeistertitel einfahren.
Sie ist zu gut besetzt.

Zwar sind Afolabi (in der Vorsaison der beste Kicker in Österreich) und der zuletzt in glänzender Form agierende Vastic weg, dafür hat man aber den großartigen Tokic und den neuen Wunderwuzzi Nasti Ceh geholt.
Die Austria ist mittlerweile auf jeder Position auch international fast superklassig besetzt - für die doch zahlreichen jungen Österreicher die geholt wurden eine Garantie, dass sie nicht spielen werden.

Rapid hat sich ein ganz klein wenig, aber klug verstärkt und wird - bis zum Winter, weiter lässt sich nichts vorhersehen, es kann dann ja nachgerüstet werden - vorne mitspielen. Da hängt viel von der Qualifikation für die Champions League ab, dem großen Traum aller.

Der GAK ist, befürchte ich, ein bissl tot. Nach Pogatetz ist jetzt auch Tokic weg, Aufhauser mit dem Kopf schon/noch in England, es gab keine Verstärkung, nur Schwächungen, und das geht schon seit Jahren so, das frustet.

Pasching, Sturm und Wacker Tirol sind im Umbau. Die Paschinger haben sich vor allem im Mittelfeld unendlich verjüngt, stehen also vor einer grandiosen oder einer gefährlichen Saison, man kann's nicht so recht sagen, hängt von der Fähigkeit Zellhofers ab aus lausigen Charakteren an sich vorhandenes Potential herauszuholen.

Sturm hat einige Oldies dazugeholt zu seinem Hasenstall, hat im UI-Cup einen guten Eindruck gemacht, braucht aber Glück um dieses wetere Übergangsjahr gut zu überstehen.

 
 
  Wacker hat ganz gut eingekauft, müsste dazu aber sein System umstellen und wird vor allem aber jetzt erst den schleichenden Abgang seiner Tormaschine Mairkojoe bemerken.

Hinten werden sich der SVM und Ried matchen.
Ried wurde mit Schiemer und Lasnik von der Austria die rechte und die linke Seite weggekauft (nur damit sie auf einem Nebenplatz spazierengehen), Ersatz kam keiner nach. Und Mattersburg hat gar nichts gemacht, nur Vodka Ratayczyk nachgeschenkt.

In der zweiten Liga gibt es einen ambitionierten LASK (mit Vastic), ein okay eingespieltes Austria Lustenau und ein gutes Kapfenberg mit einer neuen Abwehr. Mein Favorit ist trotzdem der (eben nicht mit der Favoritenbürde beladene) FC Kärnten, wiewohl der ebensowenig Sprünge gemacht hat wie sonstwer in dieser Liga.

Dort soll ja die Basis für das kritische Fußball-Alter geschaffen werden, das zwischen 18 und 23, wo die heimischen Talente, die Buben, die bis dahin europaweit ganz schön spitze mithalten, dann reihenweise wallnern, kahramanen und salmuttern, also ihr Talent durch deppischen Lebenswandel, Suff, Halbwelt oder Drogen vergeuden.

So gesehen ist auch die Bundesliga auf einem brauchbaren Weg. Niemand kann mehr drüber jammern, dass mittelmäßige ausländische Spieler den jungen Talenten den Weg verstellen - es sind mittlerweile hochklassige Legionäre, die das tun. Bei der Austria z.B. sind es 7 Kandidaten für die EM 08, die derart behindert werden (es sei denn Stöger schafft ein Integrations- und Rotations-Wunder).

Aber immerhin werden in den zehn Startaufstellungen der Bundesliga-Teams heute und morgen fast 50 (von 110 möglichen) ernsthaft selektionierbare Kicker ihren Probelauf für die EM 08 beginnen. Für den Mann, der nach Krankl den ganzen Mist wegputzen wird müssen, ist das gar keine so schlechte Ausgangs-Position.

 
back
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick