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Wien | 22.9.2005 | 14:00 
Geschichten aus dem wirklichen Leben.

Rotifer, Andreas

 
 
Journal '05: 22. 9. Donnerstag.
  Read'n'Roll. Die Fußball-Lesereise ins oberösterreichische.
 
 
 
  Es gibt Menschen, die sind gut organisiert.
Die Abwehr vom AC Milan etwa, der CV, das Volxtheater oder Pamela Russmann.
Wenn Pamela etwas auf die Beine stellt, dann klappt das.
Im Fall der Lesereise ging das etwas so, wie ein guter Coach seine Mannschaft orgnaisiert: zuerst führte sie Einzelgespräche mit den Kandidaten, lotete Befindlichkeiten und Termine aus, ehe sie dann Gruppen, Themen und Spielorte zuwies.

Manches ergab sich quasi von selber - einzelne Untergruppen spielten ja schon im Vorjahr zusammen, anderes erforderte mehr Mühe.
Soweit ich weiß, hat keiner der Spieler, dem Pamela seine Rückennummer, seine Mannschaft und seinen Spielort zuwies dagegen aufgemuckt.
Das hat einen guten Grund: man kann sich auf das, was Pamela zusammenstellt, verlassen.

 
 
  Es hat noch einen zweiten guten Grund.
Wir, die Spieler, sind NICHT so gut organisiert. Wir haben tolle Talente und Eigenbegabungen, wir können tricksen, bluffen und überaschende Torerfolge erzielen.
Wir sind auch gut drin uns auf dem Platz instinktiv zu verständigen, weil wir aus den Jahren der langen Zusammenarbeit unsere Laufwege kennen.
Wir können Spiele umbiegen und triumphal beenden. Sobald wir dann aber das Spielfeld verlassen, versinken wir in eine gewisse Lebensuntüchtigkeit. Und: nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

So war es für die Gruppe 3 des Read'n'Roll-Theaters, also für Thomas Edlinger, Christoph Grissemann, Dirk Stermann und mich recht früh klar, daß unser Thema "Fußball" wäre.
Dazu haben wir in den Einzelgesprächen mit Pamela, und auch bei ein paar zufälligen Begegnungen, wo mehr als zwei zusammenstanden, auch bestätigt.
Dabei blieb es aber auch.

 
 
  Irgendwann vor ein paar Tage treffe ich abends zufällig Edlinger und als wir auf die Lesereise zu sprechen kommen, stellen wir beide fest, daß wir nicht wirklich wissen, was wir da eigentlich lesen sollen.
Irgendwann sagt Edlinger dann, daß es doch ein wenig leichtfertig oder bequem war, bei einem so schlüssigen Thema wie Fußball einfach jaja! zu sagen, sich aber nichts weiter dabei zu denken. Und er hat recht. Denn: wirklich aufdrängen tut sich literarisch oder auch sonstwie nicht soviel.

Wir ratschen also durch. Theweleit? Gut, ja, aber trocken. Und vorlesen? Für den neuen Irnberger gilt ähnliches.
Mir fällt dann noch der alte Spanier und das "Alle unsere frühen Schlachten"-Buch ein, aus dem ich irgendwann schon einmal was vorgelesen habe, aber, naja.
Und im neuen Amanshauser gibt es eine ganz witzige Passage wo Prohaska Stronach erschießt. Oder die Prohaska-Bio. Kann die was, fragt Edlinger. Ja, sie ist nett, aber zum Vorlesen... Ja, vielleicht die vom Krankl, sagt Edlinger. Ich schweige dazu. dann reden wir über was anderes.

 
 
  Ein paar Tage später ruft Grissemann an.
Duu, was sollen wir denn lesen, säuselt er mit seiner beunruhigenden Schauspielerstimme, ich weiß es wirklich nicht. Edlinger hätte ihm von Amanshauser erzählt, Theweleit, er sei sich nicht sicher, man will ja nicht bei der Effenberg-Biografie enden, die er griffbereit hätte.

Ich merke, daß ich Grissemann eine Persepktive geben muß, die verhindert, daß er heute nacht schlecht träumt, von einer Schlägerei mit Effe und Frau Strunz gar, und meine, daß im allerschlimmsten Fall ein Kurzbesuch beim Buchregal des Goalgetter-Shops gleich neben dem Funkhaus Abhilfe leisten würde. Da gibts Büchers zum Thema, und nicht die schlechtesten und fadesten.

Wie immer ist Grissemann weder von sich noch von der Welt überzeugt, als wir unser hilfloses Gespräch beenden. Ich fürchte er hat tatsächlich bös geträumt.

 
 
  Vom Deutschen hab ich seit Wochen nichts gehört.
Gut, sein MSV spielt derzeit echt scheiße, hat wieder verloren und wurde gestern sogar vom Tabellenletzten Mainz überholt.
Das wird sich, da Stermann für die interne Stimmuns-Chemie der Truppe wichtig ist, fatal auf die Gemütslage auswirken.

Ch. hat mich unlängst, als er meinte, man müßte sich mehr um das Thema Fußball & Sex kümmern, auf eine Spur gebracht. Und weil in der neuen Ausgabe von
Rund das Thema "Groupies" recht geschickt aufgearbeitet wird, und auch dort der Hinweis auf "Alles", den schwachsinnigen Privatporno-Roman von Bodo und Bianca Illgner, nicht fehlt, werd ich mich morgen wohl auf die Suche danach machen.

 
 
  Wahrscheinlich sind wir von den klaren Strukturen der Vorsaison verwöhnt: da lasen Stermann & Grissemann aus ihren Tagebüchern und Pamela und ich aus unseren Anna & Roland-Geschichten, es gab klare taktische Zuordnungen, jeder wußte, wen er bei einer Standard-Situation zu decken hatte.

Heuer gibt es ein freies Thema, das wir zwar alle vier beherrschen, aber keine klare Taktik. Werden wir ein 1-1-1-1-System spielen, jeder seine 20 Minuten, mit einer Piss&Trink-Halbzeit-Pause wie es das Damenteam am Montag vorexerzierte?
Oder kommt die abcd-abcd-Strategie einer Durchmischung von kürzeren Sequenzen zum Tragen, um den Gegn..., die Zuschauer zu verwirren?

 
 
  Man kann es zum heutigen Zeitpunkt, wo die Spieler noch mit sich ringen, was sie denn zum besten geben werden, noch nicht sagen.

Wahrscheinlich wird die Spielerbesprechung vor dem ersten Match entscheidend sein. Wenn wir uns in diesem Viererkreis schnell und effizient auf eine einfache Taktik einigen können, dann wird es ein Start-Ziel-Sieg.
Wenn wir die Vorbesprechung verbocken, weil einem von uns Stars grad eine Laus über die Leber gelaufen ist, dann werden wir uns einen schnellen Rückstand einfangen und den dann mit hartem Fight und einem verbissenen Siegeswillen aufholen und einen Last-MNinute-Sieg erringen.

Noch besser wäre es natürlich wenn ein gut organisierter Mensch (und die Wahl unter meinen Beispielen in der ersten Zeile fiele mir nicht schwer) uns da ein exquisites Coaching-Konzept zur Verfügung stellen würde.
Leider versteht Pamela nicht soviel von Fußball.

 
 
Read'n'Roll, Gruppe 3
  Martin Blumenau, Thomas Edlinger, Christoph Grissemann, Dirk Stermann.

Samstag, 24. 9.:
WEYER, Bertholdsaal (Kuepfern 16, 3335 Weyer)

Sonntag, 25. 9.:
LINZ, Sky Bar (Ars Electronica Center, Hauptstraße 2-4)

Der Eintritt ist frei.
Beginn jeweils 20 Uhr.
In Weyer ist übrigens unser Freund Flo Horwath unsere Nach-Gruppe.

Ein "Best of" aller Lesungen wird am 1. und am 8.10.2005 im FM4 Spielzimmer ausgestrahlt.

 (i. Uzs.) Christoph Grissemann, Thomas Edlinger, Dirk Stermann und Martin Blumenau
 
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