Grüße aus Liliput.
Was die Phasen der Trauer mit dem Elends-Kick in Vaduz zu tun haben. Warum die Taliban der Cordoba-Mafia schuld an der ganzen Sauerei sind und ein paar Anmerkungen zu György Garics.
Neues aus Liliput
Ich will hier und heute nicht zum wiederholten Male alle mit redundantem Gejammer vollsabbeln: bis auf ein paar mit Blindheit geschlagene (die allesamt seltsamerweise in einem Trainingslager in Tschagguns residieren) haben alle, die es sich noch zumuteten, den absoluten Nullpunkt des heimischen Fußballs gesehen und ihn auch als solchen vermerkt; angesichts der Entsetzlichkeit der Tatsachen sogar mit erstaunlicher Gelassenheit.
Sowohl Zuschauer und Fans als auch Medien und Experten blieben ziemlich ruhig, selbst die Allerdümmsten unter den Ölinsfeuer-Gießern wollen keine Köpfe rollen sehen, es herrscht bloß absolute und komplette Ratlosigkeit, die in eine ungesunde Wurschtigkeit überzugehen droht.
Wir (die Öffentlichkeit, die Fans und die Medien) sind nämlich schon am Beginn von Phase 3, während die Betroffenen (das Team, der ÖFB, das nächste Umfeld bis hin zur Bundesliga) selber, immer noch in den Anfängen von Phase 1 stecken.
Wir sind dabei uns emotional abzukoppeln, während sie immer noch die Realitäten negieren. Die armen Narren.
die österreichische nationalmannschaft
Experten haben es erkannt: ich spreche von den Phasen des Prozesses der Trauer, die alle Menschen betrifft, die einen schweren Verlust erleiden.
Unser Verlust ist der der Nationalmannschaft, der Verlust der Fähigkeit fußballspielen zu können, etwas, was ja auch bei den wenigen verbliebenen heimischen Großklubs zuletzt feststellbar war, derzeit alle balltretenden Mannschaften, die von österreichischem Boden aus agieren, umfasst wie die Python das kleine Nagetier, selbst wenn man (wie in Salzburg) sicherheitshalber gar keine Österreicher mehr auflaufen läßt.
Und die Phasen sind:
Phase 1: Nicht-Wahrhaben-Wollen
Phase 2: Aufbrechende Emotionen
Phase 3: Suchen, Finden, Sich-Trennen
Phase 4: Neuer Selbst- und Weltbezug.
Die erstaunliche Reife des öffentlichen Umfelds, dieses Phase-3-Erforschen, ist vor allem deshalb so bemerkenswert, weil die Verursacher desselben so vehement auf ihrem Verharren in Phase 1 bestehen und alles, was sie wenigstens in Phase 2 (die Emotionalisierung) führen könnte, mit aller Vehemenz abblocken. Denn jeder, der auch nur einen halben Tag beim schlechtesten Mangementkurs auch mit nur einem halben Ohr hingehört hat, sollte (wenn er schon z'deppert ist, sie im richtigen Leben gleich richtig zu handlen) diese Mechanismen kennen.
der öfb
Die Ruinen von Cordoba
Nun gilt es natürlich immer anzuführen, dass die Ursachen für das Übel, das den heimischen Fußball derzeit niederdrückt, in der schon etwas ferneren Vergangenheit begründet liegen.
Als blindes Huhn hat der selbsternannte Fußball-Philosoph Paul Breitner, ein Mann, der sich selten auf konkrete Aussagen festlegt, aber dann mit 99%iger Sicherheit daneben liegt, ein einziges Mal ein Korn gepickt. Er meinte einmal sinngemäß, dass der österreichische Fußball durch Cordoba ruiniert wurde. Breitner begründete dies mit dem seitdem grassierenden Hang zur Selbstüberschätzung und liegt damit schon wieder falsch.
Das Problem Cordoba ist ein anderes: seitdem, seit 1978 also, hat sich im heimischen Umfeld der Glaube an Wundergenerationen festgesetzt, an die zufällige Anhäufung einzelner Spieler, die trotz der eigentlichen Chancenlosigkeit als Fußball-Kleinmacht etwas reißen können. Sonst könne man nichts machen, also müsse man auch nichts tun, außer auf diese Spieler zu warten.
Mit dieser religiösen, fast fundamentalistisch zu nennenden Einstellung, mit dieser Selbst-Stigmatisierung als Lamm einer höheren Macht, enthebt man sich des Zwangs etwas lernen zu wollen oder aufbauen zu müssen - weils ja eh wurscht ist.
die helden von cordoba
Es ist also alles gottgegeben.
Und weil das so ist, ist es auch nicht nötig einen Beitrag zu leisten. Sollte es, per Zufall, wieder einmal Ressourcen geben (was immer wieder geschah, die EC-Erfolge von Rapid, Salzburg, Sturm, die WM-Qualifikationen von 90 und 98 ...) wird das Erwirtschaftete vergeudet und verprasst, anstatt zu reinvestieren und neu zu säen - es ist ja eh wurscht, gibt der Herr ein Haserl, gibt er auch ein Graserl.
Diese völlig vertrottelte Grund-Ideologie ist schuld an allem, weil sie eine Weltsicht gefördert hat, die sich zuletzt in zahlreichen Wortmeldungen von Oldies aus der Cordoba-Generation und ihren Nachfahren auf geradezu erschreckende Art und Weise manifestiert hat.
Interessanterweise hat die Cordoba-Mafia ja einen anderen Sündenbock ausgemacht: den neuen, seit dem Bosman-Urteil mündigen Spieler.
Das ist insofern praktisch, als man damit seinen Ärger über die seitdem explodierten Spielergehälter kompensieren und so der aktuellen Generationen von Schwerverdienern eine moralische reinsemmeln kann. Dass das Bosman-Urteil ein logisches Resultat der (unaufhaltbaren) Globaliserung war, ist in der fundamentalistischen Weltsicht der Cordoba-Mafia nicht vorgesehen.
breitner-paule
Die Herrschaft der Taliban
Gleich den Taliban richten diese Vordenker, die den heimischen Fußball beherrschen und mit ihren Suren auch die Nachrückenden sozialisiert und verseucht haben, ihren Blick in die Vergangenheit, die herrlich und glorreich war, wohingegen die Gegenwart nur Sünde bereithalte.
In den Tagen der letzten Teamtrainingslager etwa kam immer wieder eine Diskussion um die Laptops der Teamkicker auf, deren bloße Existenz die Cordoba-Taliban schon allein deshalb fertigmacht, weil es das "zu ihrer Zeit" nicht gegeben habe, dass sich die Spieler mittels elektronischer Gerätschaften an die Welt anbinden und vielleicht sogar für was Außerfußballerisches interessieren könnte. Traurigerweise schlug sich auch der Teamchef auf die Seite dieser Dummdreistigkeiten.
Zu "ihrer" Zeit nämlich schlug man die Fad-Stunden in Trainingslagern und bei Auswärtsspielen mit Ausbüxen, Disco-Hopsen, Hasenjagen, Ogris-Kampftrinken oder, wenn man gut bewacht war, mit Karten-Dippeln tot. Wer nebenbei ein bissl was für sich selber tat, wurde verlacht.
Ihre eigene sprachliche Primitivität hingegen, die Tatsache, dass die Cordoba-Generation großteils nicht imstande ist einen geraden Satz zu sprechen, von einem der dahinter ein wenig Weisheit aufblitzen läßt, gar nicht zu denken, dies alles auf ihr damaliges, großteils dumpfes Verhalten zurückzuführen, käme ihr nicht in den Sinn.
die taliban
Der Mann den sich Tschuri nennen...
Ich würde hier gern anhand von György Garics ein paar Dinge durchspielen, nicht nur weil er beim Liechtenstein-Spiel als rühmliche Ausnahme durchging.
Garics ist gebürtiger Ungar und kam erst mit 14 nach Österreich, wo er trotz anfänglicher Unkenntnis der Sprache mit 18 maturierte. Garics' Aussagen nach dem Liliput-Spiel waren die einzigen von Spielerseite, die nach Realismus rochen, er legte kein mimosenhaftes Getue an den Tag und fiel durch das schnelle und gute Formulieren ganzer Sätze, die nicht nur vages Sportler-Interview-Deutsch beinhalteten, sondern auch Sinn ergaben, auf.
Garics war auch schon als Kapitän der U21-Nationalmannschaft verbal aufgefallen, allerdngs nur Insidern - der Nachwuchs-Bereich ist für die Mainstream-Medien ja bekanntlich uninteressant.
Garics war im aktuellen Teamtrainingslager einer der wenigen, der nicht in die flapsigen mockery-Spielchen über die neuen Methoden des frisch eingeflogenen englischen Fitness-Profis Roger Spry einstimmte, die in den Teilen der von der Cordoba-Mafia dominierten Presse auf reaktionärem Bildzeitungs-Niveau verscheißert wurden, als hätte es den Klinsmann-Effekt (und dessen anfänglich belächelte, schlussendlich ungeheuer erfolgreiche, an US-Fitnesspläne angelehnten Maßnahmen) nie gegeben.
Während manche durch inkompetente heimische Trainings völlig verdummten Spieler murrten, schummelten oder sich lustigmachten, meinte Garics: "Ah, das kenn ich. Sowas Ähnliches machen wir auch."
ogris und pacult
Mit "Wir" meint er den SSC Napoli, den traditionsreichen italienischen B-Ligisten, der Garics nach langer Beobachtung gekauft hat und nun langsam aufbaut.
Denn die körperliche Fitness der Spieler wird weltweit als Basis des Sports akzeptiert. Der AC Milan schickte seinem nicht hundertprozentig fitten georgischen Verteidiger Kakha Kaladze einen Physio mit zum Länderspiel.
Nur in Österreich traut man sich noch Witze drüber zu machen, wenn Scharner und Pogatetz Extra-Schichten und bessere Vorbereitung und Ausbildung verlangen.
Der Glaube an den Cordoba-Taliban machts möglich.
Unterdessen zerrte sich der älteste der Teamspieler, Martin Hiden von Rapid, ins Sprys neuem Training ein paar Muskel, weil er die für österreichische Verhältnisse völlig neuen Methoden (die sonst alle Welt, auch ein italienischer B-Ligist verwendet) nicht verkraftet.
Das ist bitter, weil es erstens zeigt wie hintennach man selbst bei Rapid agiert, und weil es zweitens den einzigen Rapidler betraf, der heuer in Normalform spielt, während andere (Valachovic, Hlinka, vor allem Payer) seit Monaten unterirdisch agieren.
Sein Coach, der bei seiner letzten Station in Dresden endgültig zum Sonderling mutierte Peter Pacult fiel dieser Tage mit der Wortmeldung auf, dass er den Wechsel Garics von Rapid zu Napoli nicht verstehen würde. Bei Rapid wäre er Stammspieler gewesen, in Neapel hingegen würde er nur als Joker eingesetzt werden.
hicksi
Flucht
Sollte diese Frage nicht rein rhetorischer Natur sein oder sich aufs Transfer-Mitschneiden beziehen, darf ich an den Spruch des Champions-League-Siegers Vladimir Jugovic erinnern, der diesen Transfer vermittelt hatte: "In ein paar Monaten wird er schon ein wesentlich besserer Spieler sein."
Das hat Garics belegt: nicht nur durch seinen couragierten Auftritt in Vaduz, wo er in eine tote Mannschaft kam, und trotzdem lebendig blieb, sondern auch durch seine nachträgliche Analyse und vor allem durch seine Bestätigung der Richtigkeit international üblichen Trainings.
Dass er sich von Analphabeten als Laptop-Bösling und dummer Wechsler besabbern lassen muss, bestätigt nur die Richtigkeit seiner Flucht.
Flucht aus dem Einflussbereich der Cordoba-Taliban ist wohl auch die einzige Chance aus dem Teufelskreis dieser fundamentalistischen Irrsinns auszubrechen. Flucht raus aus dem Saustall Österreich, aus Vereinen, die von Betrügern und ehemaligen Zuchthäuslern, von profilierungssüchtigen Ahnungslosen und den Taliban der Cordoba-Generation "geführt" werden. Flucht raus aus einem ÖFB, der die primitivsten Mindestanforderungen, die ein EM-Ausrichter an sich selber zu legen hat, erst dann denkt, wenn die ersten Spieler, die Professionalismus einfordern bereits drauf geschissen haben. Flucht aus einer Liga, die im euorpäischen Nirgendwo agiert.
Diese Flucht ins Ausland ist kein Garant für Besserung, aber der erste Schritt dazu.
sticksi
Soviel zu dem was dahintersteckt.
Morgen dann das Offensichtlichere: weil mittlerweile auch schon der Kurier Taktik-Tafeln ins Blatt rückt und dazu erschreckend wahre Sätze wie "In Österreich wird immer schon ungern über Taktik gesprochen" nachschießt, noch ein Versuch einer Aufarbeitung der Blamage von Vaduz, Hickersbergers Anteil daran und noch ein paar Watschn für Pacult und Ogris.