Vier mögliche Lehren aus der Katastrophe von Klagenfurt.
1 - Keine Personal-Debatten!
Weil sie sinnlos sind.
Weil alle Namen, die wir rauskramen, auch schon Teil der miserablen Leistungen waren, weil es nur reine Flucht ist, in Abwesende Hoffnungen zu setzen. Die machen es auch nur marginal besser.
Es hat keinen Sinn, da auf dem Papier Leute hin- und herzuschieben. Neben kaputten "Führungsspielern" wird jeder versagen.
Ein Beispiel: der von mir gern geforderte XL Sariyar hätte (abgesehen davon, dass er eh in keiner überragenden Form ist) genauso wenig gebracht, wenn er neben Säumel oder Aufhauser gespielt hätte. Mehr dazu siehe bei Punkt 4.
Leider wird sich die öffentliche Debatte nach der Klagenfurter Katastrophe in genau diesem Personal-Punkt erschöpfen - weil das der einzige Punkt ist, bei dem jeder Volltrottel mitreden kann, und weil die allermeisten Medien halt genau diesen Volltrotteln nach dem Maul schreiben. Und sicher findet sich irgendein Obervolltrottel, der jetzt wieder irgendwelche Oldie-Versager reinschreiben will.
Anderes Beispiel: die Stürmer.
Die können exakt genau gar nichts machen und nicht das geringste dafür. Die können sich vorne scheckig laufen, wenn der Aufbau nicht klappt.
So schlecht sind sie dann eh nicht: leider war Harnik sogar zu gut. Sein tolles Tor war ja nur dafür da, die nicht wirklich gute Leistung im letzten Spiel allzusehr zuzudecken.
Also: wurscht, wer da noch in der Hinterhand bereit wäre (und Pogatetz, Stranzl, Ivanschitz und Junuzovic waren auch schon bei Katastrophen wie dieser beteiligt), damit allein ist genau gar nichts gewonnen.
2 - Wer noch kann soll im Winter RAUS aus der Bundesliga!
Weil es jetzt auch die Schönwetter-Verfälscher zugegeben haben: diese Schweinsbraten-Liga ist zu langsam für internationale Ansprüche, zu schwach und zu rückständig, was Trainings-Praxis betrifft und geradezu analphabetisch, was Strategie oder Taktik angeht. Es kracht immer noch an allen Ecken und Enden.
Also, Buben: raus da! So schnell wie möglich!
Selbst wenn ihr bei Napoli auf der Bank sitzt, profitiert ihr - Garics war zwar mies wie alle, aber hin und wieder kamen von ihm Antritte internationalen Zuschnitts; Harnik ist ein flotter Kerl, das sieht jeder. Jeder, der aus dem Ausland zurückkommt, kann mehr als ihr Steckenbleiber!
Und auch in puncto Technik müsst ihr das, was euch die dickbäuchigen Jugend-Coaches und die modernisierungsresistente Cordoba-Taliban nicht beigebracht hat, eben nachholen. Und das geht nur dort draußen.
Weg mit dir Juno! Weg mit dir Veli! Weg mit dir Prödl! Weg mit dir Hackmair! Weg mit dir Leitgeb! Weg mit dir Salmutter! Weg mit dir Fuchs! Weg mit dir Gercaliu! Weg mit dir Atan! Weg mit euch, schnell!
3 - Die Hierarchien im Team müssen komplett aufgebrochen werden
Es ist nicht mehr komisch, wenn die, die ein Team mitschleppen muss, weil sie nicht mehr mitkönnen international, nach außen als "Führungsspieler" verkauft werden.
Wie soll sich ein Prödl, der alles in sich trägt, fühlen, wenn er auf solche Kommandos hören soll? Und wie soll er einer Mannschaft etwas mitgeben, wenn er das nach 15 Minuten eh selber übernehmen muss, aber nach außen weiter den braven Adlatus mimen muss?
Wieviel Sinn macht ein Kapitän, der noch vor zwei Jahren tatsächlich ein Chef auf dem Platz war, durch den dramatischen Stillstand seiner Entwicklung zuletzt aber nur noch wie ein Mitläufer herumtrabt?
Wieviel Sinn macht es überhaupt, Spielern, die kaputt sind, seit Jahren in der Krise stecken oder sich sogar zurückentwickeln, nur aufgrund ihrer Vergangenheit einen Dauer-Persilschein auszustellen, wenn sie dann mit Totalausfall nach Totalausfall die zentralen Positionen verstopfen?
Warum ist der wahre Wortführer des Teams nicht schon längst auch Kapitän?
Diese und andere Unausgewogenheiten im sensiblen Bereich der Hierarchie lähmen diese Mannschaft, die leider eh schon allzu sehr aus Leisetretern, Maulfaulen und Langsamdenkern besteht.
Funtionierende Hierarchien können sich in Windeseile bilden. Seb Prödl ist recht spät in die U19 und später die U20 aufgerückt, war selbst kurz vor der Kanada-WM noch nicht unbedingt erste Wahl, schon gar nicht Kapitän.
Seine führende Rolle hat sich durch Leistung auf und abseits des Platzes ergeben - die Gruppe hat genau so jemanden gebraucht und ihm deshalb recht schnell einen wichtigen Platz gegeben.
Im Team läuft das anders, man hat dort ständig das Gefühl, dass irgendwelche lächerlichen vorsintflutlichen Initiations-Rituale durchgeführt werden, die dazu dienen, Neue oder Aufmüpfige zu stoppen und die Herrschaft der Alten zu festigen. So ein System behindert automatisch jeden, der besser sein könnte.
Wenn diese Alten aber so schwach sind, dass sie fast alle behindern müssen, weil so viele merkbar besser sind, läuft etwas verheerend falsch in der Team-Hierarchie.
4 - Nur eine neue Spielanlage kann das Krebsübel in der Zentrale beseitigen
Diese Anlage bedingt, dass nur Spieler einberufen werden können, die bestimmte technische Ansprüche erfüllen.
Diese Anlage bedingt, dass nur Spieler einberufen werden können, die ein gewisses Tempo gehen können.
Diese Anlage bedingt, dass nur Spieler einberufen werden können, die gedanklich flexibel sind.
Das sind nicht gar so viele; aber es wird sich ausgehen.
Die bisherigen Versuche mit zwei Bremsern und Aufbau-Verhinderern im zentralen Mittelfeld haben nicht funktioniert. Dort wird das Spiel der österreichischen National-Mannschaft abgetötet.
Wenn dann noch die Kreativen auf den Außenbahnen Waserln mit wenig körperlichem Durchsetzungsvermögen sind, dann bricht neben dem Loch in der defensiven Zentrale auch eines in der offensiven Zentrale auf. Wurscht, ob man mit einer oder mit zwei Spitzen spielt.
Die Versuchsanordnung Gludovatz hatte für die defensive Zentrale nur einen Mann. Vor ihm agierten drei, manchmal vier Mittelfeldspieler, die in erster Linie offensive Aufgaben hatte, aber genauso an die Balleroberung, an den Aufbau denken mussten (so wie das heute bei Deutschland Hitzlsperger demonstriert hat). Das klappt dann gut, wenn diese drei (wenn man nur mit einer Spitze agiert, was dem Außenseiter Österreich bei der WM vielleicht eh gut stehen würde, dann vier) Spieler die oben erwähnten Anforderungen erfüllen. Die Japaner etwa haben genauso gespielt.
Dann geht sich das aus.
Und zwar (siehe Punkt 1) mit demselben Personal - wir haben ja kein anderes.
Solange die defensive Zentrale nur ihrem ureigenen Job nachgeht (nicht einmal das tut sie derzeit, aber gehen wir einmal davon aus) und danach abschalten, und solange die Offensiven das genau andersrum angehen, wird nichts funktionieren, bleiben alle immer Hinterherhechler.
Nur ein ganzheitlich denkender Spieler ist ein antizipatorischer Spieler; und nur ein solcher hat die Chance auf Erfolg.