Eigentlich ist es ja fast schon fahrlässig, wenn man betrachtet wie viele Aufrufe dieser Art (Achtung! Letzte Tankstelle vor der Autobahn! Achtung! Letzte Ausfahrt!) die Musikindustrie schon vorbeiziehen ließ.
Die einzige Reaktion bislang waren minimale Kurs-Korrekturen, die den Status der Augenauswischerei aber nicht ernsthaft überschritten.
Deshalb wird es jetzt sehr schnell gehen. Das allerletzte Alarm-Zeichen, der allerallerletzte Boarding-Aufruf für eine vormals wichtige Industrie, für die verbliebenen Major Companies, die sich jetzt - durch geistige Fettleibigkeit schwerst behindert - mühevoll über die Laufbänder wuchten, um da noch zurechtzukommen, gleichzeitig aber von inneren Stimmen gebremst werden und immer wieder sinnlos an Fett-Automaten hält und so alles zu verpassen droht, diesen allerletzte Aufruf, der ist dieser Tage erfolgt.
Radiohead spielen ihr neues Album komplett an der Industrie vorbei. Und das simple Geschäftsmodell mit dem sie da den bewegungslosen Riesen ausbremsen, das wird sich ausbreiten wie eine Pandemie.
Da ist es dann auch egal, ob man wie Radiohead auf einen Fixpreis verzichtet, und es wie bei einem klassischen Soli-Abend (gib, was du dir leisten kannst!) machen oder ob man fixe Levels einzieht, die so günstig sind, dass sie die piratösen illegalen Downloads unterlaufen.
Boarding für den Flug in Richtung Zukunft!
Etwa zeitgleich hat Madonna, besser das Madonna-Geschäftsimperium, angekündigt, den langjährigen Vertrag mit der Plattenfirma Warner aufzulösen und ihre Rechte (drei Alben, Live-Auftritte und Vermarktung des Namens bis 2017) an eine Agentur namens Live Nation verkauft, für 120 Millionen Dollar.
Das ist ein logischer Schritt, denn er bedeutet Rundum-Versorgung anstatt ewiger Kabbelei mit der Company, inwiefern sie etwas für Tourneen zuschießen, Image-Kampagnen finanzieren etc.
Vor kurzem hatte ein anderer immer schon wirtschaftlich eigenständig agierender Star, Herr Prince, ja bewiesen, dass eine Plattenfirma eigentlich überflüssig ist: Er hatte sein letztes Album selber vermarket, via Downloads. Und dass, obwohl er die CD über eine britische Sonntags-Zeitung gratis unter die Leute bringen ließ.
Offenbar rechnet sich das alles - weil die zwischengeschaltete Industrie mehr kostet als sie bringt.
Simples Beispiel aus dem Micky Maus-Markt Österreich: Eine recht bekannte Band hat ihr letztes Album selber, auch via Downloads verkauft. Da der Eigenvertrieb natürlich nicht so umfassend sein kann, haben sie entsprechend weniger an Musik verkauft. Bloß: Sie haben ein vielfaches an ihrer eigenen Musik verdient. Geld, das bislang vom Zwischenhändler (Company, Vertrieb, Einzelhandel) aufgefressen wurde.
Wer nicht baldigst eincheckt...
Im internationalen Bereich der Bands und Acts, die für FM4 relevant sind, also dem Mittelgewicht, ist es mittlerweile längst so, dass man einerseits vom Live-Spielen und andererseits vom Merchandising lebt. Die Plattenverkäufe wurden zum geringsten Faktor, weshalb man da auch gerne auf einen Niederpreis-Niveau agieren kann. Die Charlatans z.B. bieten ihr neues Album gratis an, und zwar mit der offiziellen Begründung, dass die Band andersweitig genug Geld verdienen würde.
Das wiederum wird andere Bands unter Druck setzen und es wird sich auch im immer hochpreisigeren Konzert-Markt auswirken.
Die Plattenfirmen klassischen Zuschnitts werden nach Jahren des Lavierens, der Alibi-Aktionen, der absichtlichen und unabsichtlichen Missverständnisse, jetzt zu drastischen Aktionen geschwunden, wenn sie nicht ab bereits 2008/09 verschwunden sein wollen wie die Dinosaurier nach dem Einschlag des Kometen.
Denn der Komet ist jetzt nicht nur in Sicht - er verdunkelt bereits die Sonne.
Was der Musik-Industrie, den alteingesessenen Häusern wie EMI, Sony-BMG oder Universal, die sich selber immer noch in der Rolle von Tycoonen und Mogulen gefallen, noch bleibt, sind die weltweiten Music Academies, die weitgehend talentfreie Marionetten produzierenden Talent-Shows bzw. die Aufzucht solcher Girl/Boy-Bands. Das wird sich jedoch nur in Synergien mit der Fernseh-Industrie machen lassen - mit einer Musik-Industrie hat das künftig nix mehr zu tun.
... stirbt aus.
Denn sowohl die großen Namen (die sich künftig selber vermarkten werden) als auch die diversen Indie-Szenen (die es eh gewohnt sind) als auch die auf den Schnellschuss programmierten Bauern-Disco-Macher (die auch lieber flott was auf den Markt werfen), die können komplett auf die Dinos verzichten.
Jahrzehnte des Zaudern (denn im Wesentlichen weiß man all das bereits seit den späten 80ern) und die letzten Jahre des aktiven Nichtstuns angesichts einer klar erkenntlichen Bedrohung münden jetzt in eine letzte Chance. Wenn die Industrie, die letzten verbliebenen Multis, jetzt nicht noch eine Idee auf den Markt werfen, ein Gefäß, ein Produkt, eine Entwicklung oder auch nur eine Konstrukt, dass das Denken der User noch ändert, dann war's das.