Wenn die Geier und Auguren richtig liegen (und vor allem die Geier haben einen guten Instinkt für sowas), dann ist Trainer Hickersberger nach der Niederlage morgen Abend gegen das Team der Cote d'Ivoire am Donnerstag weg.
Die Niederlage fährt der Teamchef fast bewusst ein, als wär er ein Lemming, der die Küste ansteuert: denn er will, bis auf den obligaten Tormann-Wechsel und Schiemer statt des verletzten Prödl mit der exakt selben Mannschaft wie gegen die Schweiz einlaufen. Mit Martin Null-Prozent Hiden, dem Garanten für zu langsame Abwehr-Arbeit, mit dem ausgewiesenen Nicht-Linksverteidiger Christian Fuchs als Linksverteidiger, mit dem taktisch als Außenspieler zu undisziplinierten Weissenberger als Außenspieler und weiterhin mit Rene Aufhauser, dem Mann, der wie in der schönen Standard-Analyse ersichtig, genau gar keine Anbindung zum Spiel hat, also eine pure Vorgabe ist.
Eine Mannschaft also, die in dieser Zusammensetzung nur durch eine Verkettung absurd-glücklicher Umstände oder durch plötzliche Debilität des Gegners reussieren kann.
Diese Sturheit grenzt an einen Kamikaze-Einsatz nach japanischem Vorbild, hat was vom sich-ins-Schwert-werfen der alten Römer.
Weil in Zeiten, wo die Geier und Auguren kreisen, auch immer mehr interne Wahrheiten ans Tageslicht kommen, ahnt man mittlerweile auch, wo Hickersberger & Team ihre zentralen Fehler begangen haben.
Und das ist so dumm und so bitter, dass es weh tut.
Immer wieder
war zuletzt davon die Rede, dass man die Spieler fürs Nationalteam ja von den Vereinen übernimmt und dass die alle eh top drauf wären, weil ja die Liga so boomt und die Clubs eh alle super trainieren. Dieser offizielle Wortlaut wurde von ÖFB und Liga eingeführt, um die unangenehme Wahrheit (dass nämlich das Aus- und Fortbildungs-Niveau in der Bundesliga international gesehen mehr als bescheiden ist) vom Publikum fernzuhalten, um das Tagesgeschäft nicht zu stören. Denn wenn die schwachen Kicker gegeneinander spielen, dann fällt ihre Untamigkeit ja nicht mehr so auf, dann kann man weiter ein schwaches Produkt überproportional aufblasen.
Auffällig wird das immer erst dann, wenn sich die Spieler dann international stellen müssen, und dann gegen Anderlecht, AEK oder gegen Jablonec erbärmlich ausschauen und gegen andere Nationalteams natürlich auch abstinken wie nur was.
Das, was ein an sich machtloser Teamtrainer machen kann sind genau drei Dinge:
1. Zusätzliche Konditions-Pläne. Mittlerweile weiß man, dass die unglaublich anstrengenden Zusatz-Trainingspläne von Konditionstrainer Roger Spry die Teamspieler zusätzlich fünf Minuten täglich belasten.
2. Ein Mental-Angebot. Das gibt es zwar, und mit Günter Amesberger leitet das auch kein schlechter, aber der Chef und sein Assi, Herr Herzog unterlaufen das leider auf das Allerdümmste. Und zwar durch ihr Nicht-Verstehen der neuen Generation. Die Bruchlinie zwischen den ehemaligen (und immer noch-) Kartentipplern und den Laptop/Playstation-Jungs ist zu krass. Hicker/Persidis/Herzog und Co machen denselben Fehler wie viele Ausbildner in vielen Bereichen: sie erklären eine Generation, die aufgrund der neuen Technologien ihre Freizeit anders verbringt als sie selber, allein deshalb zu Trotteln. Und blocken sich damit selber den Zugang weg.
3. Euphorie. Ein wirklich guter Coach hat was von Robin Williams in "Dead Poets Society" und von Robin Williams in "Good Will Hunting". Er versteht es, die Jungs für eine Sache zu begeistern. Und zwar mit merkbarer Substanz. Ein Poser-Begeisterer wie Hans "Slipper" Krankl hat die nicht, das durchblickt jeder 17-jährige nach dem zweiten Tag. Ein Begeisterer muss das ausstrahlen und vorleben.
Musterbeispiel: Gludowatz vor und während der U20-WM. Auch gut: Ernst Weber. Den Onkels merkt man an, dass jeder Satz den sie sagen, jede ihrer Handlungen einem größeren Ziel untergeordnet sind - besser werden, es besser machen, sich verbessernm, was weiterbringen, für etwas glühen.
Bei Hicke glüht leider gar nichts.
Und wenn er, ebenso langeweileverströmend wie sein braver Assistent Herzog, sich dran drüber beschwert, dass bei Spielerbesprechungen keiner das Maul aufkriegt, dann sollte er sich diese Kritik hinter die eigenen Ohren schreiben: wer nicht begeistert, wer nicht anführt, bekommt nichts zurück.
Bei Good Will Hicke bringt sich Matt Damon um, beim von Hicke geleiteten Club der toten Dichter interessiert sich niemand für den Captain, My Captain. Und wenn dann noch Beiwagerl Andi Herzig, der ehemalige Super-Streber, über die braven Buben meckert, da lachen die nur in sich hinein. Für diese schnarchigen Lehrer zerreißt sich keiner.
Und auch die gern geforderten älteren Spieler, die Repetenten und Sitzenbleiber, die Kühbauers und Baurs, Vastic und Porky Drechsel, die bringen unter einer solchen Leitung nur das, was grade notwendig ist um die Klasse zu bestehen, also den kraft- und hirnlosen Standfußball, der sie für den internationalen Einsatz bereits seit Jahren zu schwach macht.
Good Will Hicke hat deshalb versagt, weil sich in seiner Klasse alle mit einem Vierer-Zeugnis begnügen. Einem wirklichen Klasse-Lehrer kann so was nicht passieren.
Das große Problem
an der Sache ist, dass es jetzt zu spät für eine wirkliche Kurs-Korrektur ist. Die hätte viel früher erfolgen müssen, entweder nach einem Hodgson-Modell wie vor Jahren in der Schweiz oder nach dem Hiddink-Schmäh von Südkorea oder einer anderen Radikal-Lösung.
Österreichische Trainer sind, in ihrer derzeitigen Verfassung, nicht geeignet, irgendjemanden zu befördern. Die Tatsache, dass es so gut wie keine österreichischen Chef-Coaches im Ausland gibt, spricht Bände - man kommt da mit den Fingern der Hand der Micky Maus mehr als problemlos aus.
Also werden entweder nur die üblichen Verdächtigen der Cordoba-Taliban und ihrer Nachfahren (der Marke Constantini), die den heimischen Fußball erst derart herabgewirtschaftet haben, angefragt werden, allen voran der mittlerweile bereits in zweiter Instanz wegen "Ungereimtheiten bei Spielertransfers" (so der Vorwurf von Red Bull Mateschitz verurteilte Kurt Jara.
Jara ist, das kam beim letzten Prozess zu Tage, im übrigen schuld an der Stagnation bei Ronnie Gercaliu, dem er - in seiner Funktion als Salzburg-Trainer einen "Berater" seiner Wahl aufdrängte, um bei einem Transfer kräftig mitzuschneiden und ihn, als das nicht so recht klappen wollte, dann auf die Tribüne setzte. Mit so jemandem würde die wenigstens in dieser Hinsicht seriöse Ära Hickersberger noch ins - auch abseits der Spielerischen ganz Düstere - verbracht werden.
Da auch reine
Poser-Pfeifen wie Lothar Matthäus drohen (weil sich die ÖFB-Spitze ja leider auch gerne an bloße Blender verliert), muss es zu einer internen Lösung kommen, am besten mit einem Trainer-Kollektiv aus dem ÖFB, am besten mit Paul Gludowatz an der Spitze und Sportchef Willi Ruttensteiner, dem besten Analytiker des Verbands.
Vielleicht kann man der Seuche ehemalige große Spieler, die wenig bis gar nicht fähige Lehrer sind, einsetzen, weil sie von sich selber, eine gleichgeschalteten Haberer-Presse und hinter ihn stehenden Management-Interessen (samt Beratern und Konsulenten) gefordert werden, endlich einmal Einhalt gebieten.
Auch im Skisport sind eben nicht ein Werner Grissmann oder ein Armin Assinger, ja nicht einmal ein vergleichsweise wirklich Gscheiter wie Stefan Eberharter Coach, sondern die, die es intensiv lernen und dann auch können, auch ohne früher eine halbe Abfahrt gewonnen zu haben.
Mit Erfolgen, die sich gewaschen haben.