Bei der WM und zuletzt auch hier hab ich etwas gemacht, was bei kompletten Laien eine gewisse Verwunderung auslöst: taktische Aufstellungen aufzeichnen. Menschen, die sonst gerne Flip-Charts bemühen, um durch Visualisierung zu verdeutlichen, können diese Ansätze nicht auf einen ihnen fremden Bereich abstrahieren - Menschen, die sich mit Fußball ein bisschen beschäftigen, hingegen wissen, dass keine Spielerbesprechung ohne sowas auskommen kann.
Sie wissen nur meist nicht, welcher Art eine solche zeichnerische Ansage ist. Auch gab es nach dem Cote d'Ivoire-Spiel, als ich die vier verschiedenen Spielphasen und die entsprechenden taktischen Umstellungen aufgekritzelt hatte, eine Beschwerde darüber, dass ich nur das eine Team (das österreichische) mit Bewegungs-Pfeilen versehen hätte - es würde der Realität nicht entsprechen.
Keine solche Zeichnung entspricht der Realität.
Aber jede solche Skizze bildet ein Scheibchen der Wirklichkeit ab. Und wer imstande ist, viele dieser Wirklichkeiten übereinanderzulegen, der wird damit ein größeres Bild aufmachen - so als würde man verschiedenfarbige Folien übereinanderlegen um ein buntes Bild zu erzielen.
In der aktuellen Sportwoche ist nun, wie ich erst gestern gemerkt habe, ein interessantes Fundstück aufgetaucht: und zwar die Taktik-Tafel, auf der Coach Hickersberger die Aufstellung für die Spielerbesprechung gemalt hatte.
Mit gänzlich ohne Pfeilen; und auch mit einer falschen taktischen und personellen Erwartung, was aber jedem passieren kann.
Wirklich interessant ist die untere Skizze, die die Raumaufteilung bei Eckbällen bezeichnet, aber das ist schon was für Fortgeschrittene.
Was dieses Fundstück (und derlei sieht man ja nicht das erste Mal - jeder Coach malt seine Aufstellung so oder so ähnlich auf die Tafel, um den Spielern anhand dieser optischen Hilfe ihre Aufgaben klar zu machen) aber schön belegt, ist die Tatsache, dass die pure Ausrichtung, die Aufstellung im Raum sowie das jeweilige System der Mannschaft also erstens kein Mirakel und zweitens recht schnell zu skizzieren ist. Und dass diese Basis-Kritzeleien auch dem Fußball-Laien ganz schnell verständlich sein müssten.
Das, worauf es wirklich ankommt, das geht über diesen Pflicht-Bereich natürlich hinaus. Ich darf einen Poster zitieren, der wiederum einen langjährigen Legionär in Österreich, den Polen Roman Szewczyk, zitiert, der jetzt als Trainer im Salzburgischen tätig ist. Der erzählt gern von der perfekten Vorbereitung durch seinen Ex-Trainer Söndergaard, was Fakten und ein prinzipielles System betrifft, erzählt dann aber auch, dass der gute Däne ihm rein taktisch nie viel mitgeben konnte. Denn wie überall im Leben kommt es auch hier drauf an, dass jeder Einzelne eine Aufgabe mitbekommt.
Dass der schlechteste Trainer, unter dem Szewczyk je gearbeitet hat, Hans Krankl war, versteht sich. Ob der die Pflicht-Aufgabe an der Flip-Chart bestanden hat, ist nicht gesichert.