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Wien | 25.1.2008 | 15:00 
Geschichten aus dem wirklichen Leben.

Rotifer, Andreas

 
 
Africa-Cup-Log. Tag 5.
  Trügerisches und Tragisches.
 
 
 
Trügerisch
  war es, die ersten jeweils sehr gelungenen Auftritte von Afrika-Cup-Veranstalter Ghana und dark horse Marokko hochzurechnen.
Denn just die leisen Schwächen, die in diesen guten Matches auftauchten, brachten beide Teams schwer ins Stolpern.

Je mehr Ghana gegen seinen Gegner, den Außenseiter Namibia anrannte, desto unwahrscheinlicher wurde der Torerfolg, desto näher war das Team von Colin Benjamin dran an einem möglichen und sensationellen Ausgleich. Und dass der Abschluss das große Manko des defensiv und strategisch exzellent aufgestellten ghanesischen Teams ist, das war ja bereits zu sehen.

Trügerischerweise dachte man, dachte ich eben, dass sich das nicht weiter auswirken würde, wohl weil sich das Heimteam in einen Rausch spielen könnte. Und das war auch im zweiten Spiel vor dem großartigen Publikum in Accra nicht der Fall.

 
 
Tragisch
  war es, um hier ein großes Wort überzustrapazieren, dass sich das marokkanische Team aus gleich mehreren Gründen selber unnötig nervös machte.

Zum einen stellte Coach Michel sein System von einem 4-2-2-2 auf ein 4-3-3 um, zum anderen nahm er seinen launischen Stürmer-Star Chamakh heraus -> beides ohne erkennbare Gründe.

Zudem war der Ausfall des dreifachen Torschützen Alloudi ein großer Hemmschuh.
Alloudi hatte mit seiner Leichtigkeit und Flexibilität das marokkanische Spiel getragen - diese Last blieb am diesmal überforderten Sektioui hängen, dem sah man nach seinem Austausch den traurigen Frust quasi aus den Augen springen sah - danke Afrika-Cup-Weltregie für die gelungenen Bilder.

Da auch Youssouf Hadji einen schwächeren Tag erwischte, da die Außenverteidiger, El-Karkouri defensiv und Basser vor allem offensiv (er brachte glaub ich keine einzige Flanke an den Mann, obwohl er die meisten Ballkontakte hatte) ausfielen, und Fouhami kein guter Tormann ist, war Marokko immer einen Schritt hinterdrein.
Und aufgrund des an diesem Tag wesentlich bissigeren Gegners war das letztlich zuwenig.
 
 
 
Tragisch
  ist es, dass Guinea von seinem gestrigen Sieg und dem dadurch sehr wahrscheinlichen Aufstieg genau gar nichts haben wird, weil das Team durch den Aussetzer seines Kapitäns Feindouno (der mit einem völlig unnötigen Revanche-Foul die erste rote Karte des Turniers forderte) kaputtgehen wird.

Was sie ohne Feindouno wert sind, sah man in den 25 Minuten nach seinem Ausschluss: die Mannschaft reagierte fast apathisch auf ein gnadenloses Powerplay, und überlebte nur wegen der mangelnden Kreativität der gegnerischen Angreifer knapp, war stehend k.o.

Tragisch ist das auch deshalb, weil sich Guinea nach dem ersten, irgendwie peinlichem Auftritt, unglaublich zusammengerissen und gesteigert hatte.

Die Hauptschuld dafür liegt bei Fode Mansare von Toulouse, der Mann mit den kurzbunten Rastas, der im ersten Spiel noch gefehlt hatte. Die Löcher, die er über die linke Angriffseite seiner Mannschaft riss, fügten Marokko von Beginn an große Schmerzen zu und öffneten seinen Kollegen immer wieder Chancen zuzuschlagen.
 
 
 
Um auch ein bisschen von Tragik und Trügerei wegzukommen:
  das gestrige Spiel zwischen Marokko und Guinea war das meinem Gefühl nach intensivste und wildeste des bisherigen Turniers; eines dieser Matches bei denen man nicht so recht aufs Klo gehen mag, weil man was verpassen könnte; ein Spiel bei dem man laut mitschreit; und ein Spiel bei dem man durch wüstes Geschehen wie etwa drei Tore innerhalb von vier Minuten belohnt wird.

Durchaus schade, dass wohl eines der beiden Team nicht ins Viertelfinale kommt.
Denn Ghana trau ich es trotz des gestrigen Verhaus nicht wirklich zu auszuscheiden: Ihnen reicht ein Remis im letzten Spiel und dafür sind sie allemal clever genug. Etwas, was für die zwischen Lust und Frust schwankendenden Marokkaner nicht so sehr gilt.

Heute steht mit Nigeria gegen Mali im Übrigen ein weiteres Endspiel an, das eine ähnliche Intensität wie das Guinea-Marokko-Match haben könnte.

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