Dass die Gruppe D die womöglich vergnüglichste sein würde, konnte man schon bei der Auslosung des Afrika-Cups erahnen (die übrigens, falls sie jemand gesehen hat und sich noch erinnern kann, die lustigste und am wenigsten steife und peinliche derartige Zeremonie war, die man jemals gesehen hatte - was da gekudert wurde, ein Traum).
Dass es am WM-Ausrichter von 2010, Südafrika, liegen würde, hier für die Glanzpunkte zu sorgen, das wagten nur Optimisten zu hoffen. Die bereits im 1. Spiel überdeutlich zu erkennende Krise des Bafana Bafana hat sich im gestrigen zweiten Spiel fortgesetzt,
Dass der gar nicht so geheime lustvolle Favorit vieler Menschen die ich kenne, Angola, den Spaß-Part in dieser Gruppe spielen würde, das war auch nicht wirklich so vorherzusehen. Denn ihr Debüt-Auftritt auf der großen Bühne (bei der WM 06) war zwar gewitzt, aber ein wenig laientheaterhaft. Das hat sich mit dem gestrigen Tag gewandelt. Seit ein paar Stunden ist Angola eine veritable Kraft des afrikanischen Fußball.
Dass die eigentlichen Favoriten und gediegenen Teams dieser Gruppe, der feinst besetzte Senegal und Immer-Co-Favorit Tunesien in diesem ersten Absatz keine Rolle spielen, das hätte niemand gedacht - und das erzählt wohl am meisten.
Der Spaß zuerst: Angola.
Die Stabilisierung eines unerfahrenen Teams, das vor Kreativität platzt, dauerte nur zwei Jahre. Bei der WM trat das Team noch als Zirkus-Nummer auf, lieferte interessante Einzelleistungen, erzählte einige gute Witze und sorgte für Spannung am Trapez - mehr war das aber nicht.
Zwei Jahre später spielen viele Angolaner in ausländischen Ligen und sie sind imstande diese Erfahrungen in ein kollektives Team-Bewusstsein einzuarbeiten. Niemand ist bei einer der großen Mannschaften (der junge Manucho, über den noch zu sprechen sein wird, wurde gerade erst von Man U gekauft), aber bei Leeds, Sion, Al-Ahly, Boavista in der zweiten portugiesischen Liga oder auch in Kuweit kann man genauso lernen, was nötig ist um erfolgreich im Bewerb zu bestehen.
Dazu kommt, dass die angolanische Liga scheinbar vom ökonomischen Boom, der das Land umfasst, ordentlich angeschoben wurde; sie dürfte nach der südafrikanischen Liga die bereits wichtigste Kraft im Süden sein.
Das, mit der Erfahrung bei der WM, einer Kontinuität im Coaching-Bereich (der Professor Oliveira) und sicher auch noch zwei, drei anderen Gründen gekoppelt, ergibt den Aufschwung dieses Teams, das bislang nicht ernsthaft auf der Landkarte des afrikanischen Fußballs vertreten war.
So, und jetzt noch ein Wort zu Manucho, dem neuen Superboy. Natürlich hat er es neben einem umfassend talentierten Partner wie Flavio leicht. Natürlich war er in den beiden Spielen gute 150 Minuten nicht zu sehen. Aber die schiere Wucht mit der er seine zwei Kopfball-Chancen (die keineswegs hundertprozentige waren, sondern im Gegenteil schwer zu erzielen) versenkte, das nötigt Respekt. Auch die Selbstverständlichkeit mit der er sein Abstauber-Tor zur Vorentscheidung gegen Senegal erzielte.
Wenn ich Manucho sehe, sehe ich Rashid Yekini oder Emile Heskey zu ihren besten Zeiten und ich spüre, dass der Junge noch viel weiter kommen kann.
die manucho-bande
Jetzt das Trauerspiel: Südafrika.
Warum es da seit Jahren nicht klappen will, hab ich anlässlich des ersten Spiels bereits angerissen.
Warum hier, rein sportlich, nichts weitergeht, war in der zweiten Partie aber bereits offensichtlich. Kapitän Mokoena spielt einen völlig überflüssigen Libero vor der Abwehr, einen ganz altvattrischer Prägung, der zum Aufbau genau null beiträgt -> Südafrika ist im Mittelfeld automatisch unterlegen, da können die verbliebenen Akteure (wie gestern der gute Steven Pienaar) noch so kurbeln.
Diese 5er-Abwehr behielt Coach Carlos Alberto Perreira auch bei, als es galt einen Rückstand aufzuholen. Es sah recht lächerlich aus, wie sich 5 Defensiv-Leute um nur 2 Angreifer kümmerten, während sich seine 5 Offensiven mit bis zu 8 Gegnern abmühen mussten.
Taktische Vorgaben schön und gut, gerade bei einer international unerfahrenen Mannschaft wie dem jungen Team aus Südafrika, aber eselhafte Halsstarrigkeit bis in den Untergang - das ist auch keine sinnhafte Lehrstunde.
der überforderte mokoena
Der Profiteur: Tunesien.
Denen kam dieses unflexible Spiel von Perreira zutiefst entgegen, vor allem, weil ihre gestern grandiose Offensive (neben Dos Santos vor allem Einfädler Ben Sadaa und der bullige Chikhaoui) mit der einfältigen Defensive Katz und Maus spielte.
Europa- und Afrikameister Roger Lemerre hatte sein Team komplett umgestellt, von einem 4-3-3 auf ein 4-4-2 (um mehr Kreativität zustandezukriegen), mit neuen Außenverteidigern (was mir im Fall von Mikari, der den im ersten Spiel hervorragenden El-Bekri ersetzte, nicht klar war) und sein Mittelfeld stabilisiert.
Machte Sinn.
Allerdings beging sein Team zum bereits zweitenmal den Fehler, nach einer schnellen Führung auf Vorsicht zurückzuschalten, und das Spiel abzugeben. Hätte die südafrikanische Verteidigung ihnen dann nicht zwei weitere Tore geschenkt, wer weiß.
Erst in der 2. Hälfte war das tunesische Spiel so stabil, dass man von Überlegenheit und Kontrolle sprechen konnte. Da sah das Team dann gut aus, vor allem auch, weil im Kader große Ausgeglichenheit und somit hoher Druck von der Bank kommt.
Die negative Überraschung: Senegal.
Zum Senegal fiel mir nach dem ersten Spiel folgender Anfangssatz ein: "Senegal sah zwar am besten aus, aber dort steht man sich zu stark selber im Weg." Das stimmt auch nach dem zweiten Spiel.
Denn es sah immer noch gut aus, was Papa Diop, Faye, Freddy Mendy, Diomensy Kamara oder Captain Diouf da machen, aber...
... die Chancenverwertung ist ein Hund: wenn die Super-Chance von Niang zum 2:0 sitzt, dann wäre das Spiel anders gelaufen.
... die Eigensinnigkeit steht einem Erfolg im Weg. Bestes Beispiel: die Schlussphase als Senegal mit gleich 5 (fünf)Angreifern genau gar keine Chance herausspielte.
So steht das senegalesische Team, eigentlich ein veritabler Kandidat fürs Semifinal, in deep shit. Nach dem überflüssig hektischen (im Afrika leider so üblichen) Rücktritt von Coach Kasperczak allemal.
verwirrte senegalesen
Und wieder: ein Fazit.
Immer noch: hohe Disziplin trotz ganz normaler Härte. Bis auf Feindouno kein Aussetzer. Für ein Turnier dieser Spielklasse (ich sags nochmal) eine wirkliche Sensation und vorbildlich.
Teilweise sehr gute Schiedsrichterleistungen, etwa vom Marokkaner bei Nigeria - Mali.
Der Favoritenkreis hat sich verbreitert. Und zwar so stark, dass letztlich (fast) jede Mannschaft, die es über die Gruppenphase hinaus ins Viertelfinale schafft, gewinnen kann - bis auf die Feindouno-losen Guineser.
Am leichtesten haben es Ägypten und Kamerun, die noch je ein Spiel testen dürfen.
Alle anderen müssen in der 3. und letzten Runde Vollgas geben: in der Gruppe D sowieso alle vier; in der Gruppe C schaut es für Nigeria ganz schön bitter aus - wenn sich die Cote d'Ivoire und Mali irgendwie auf ein Remis arrangieren ist man futsch; und in der Gruppe A gibt es zwischen Host Ghana und Marokko ein jetzt schon in dieser Brisanz unerwartetes Endspiel.
Alle, die das überstehen sind bestens gerüstet.
tschüß, henri
Und wieder ein Team, diesmal eins der 2. Runde.
Diesmal ist's ein Kader.
Im Tor: Kameni und Ejide.
In der Abwehr: wieder Geremi, dazu Fathy, diesmal viele gute Innenverteidiger wie Erbate, Shittu, Rui Marques und Wael Gomaa.
Im Mittelfeld: Alex Song, Hosny, Yaya Toure sowie offensiv Mansare und Ben Sadaa.
Im Angriff: Manucho, eh klar, wieder Eto'o und Chikhaoui.