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Wien | 21.5.2008 | 15:00 
Geschichten aus dem wirklichen Leben.

Rotifer, Andreas

 
 
EM-Journal '08. Hundertneununddreißigster Eintrag.
 
 
 
 
Stranzls G'spür.
  Ich schätze ihn ja seit jeher, den Martin Stranzl, den burgenländischen Metal-Fan, der früh einem vorhersehbaren Fußballer-Schicksal von provinziellen Ausreden, mangelndem Willen und dem Sich-Dauer-Drücken vor neuen Herausforderungen und Entwicklungen entflohen ist.

Ich schätze ihn dann noch mehr, wenn er - so wie gerade jetzt wieder - das rechte Wort zur rechten Zeit findet.
In einem APA-Interview (Zitat) "kann sich Stranzl nicht verkneifen darüber nachzudenken wo das ÖFB-Team heute stünde, hätte es so einen Trainingseifer schon ein Jahr früher an den Tag gelegt."

Diese Ansage spielt auf die schöne Euphorie an, die sich durch den Eifer in den aktuellen Trainingslagern aufgebaut hat. Weil sich da plötzlich eine Konzentration einstellte, die davor nicht gegeben war. Und ein Mann wie Stranzl, der nicht nur schon länger dabei ist, einiges erlebt hat, internationale Erfahrung in verschiedenen Kulturen hat und vor allem nicht nur spielintelligent, sondern auch lebensschlau ist, spürt das natürlich sofort.

 
 
Und spricht es dann auch - ungeschützt - an.
  Dass nämlich (nochmal Zitat) "das Team eventuell in der Entwicklung einen Schritt weiter wäre, hätte das Team schon vor einem Jahr zu einer perfekten Einstellung gefunden."

Ich würde sagen, dass man das "eventuell" da streichen kann. Und ich würde sagen, dass die Schuld in dieser Frage zu gleichen Teilen die zuvor weniger eifrigen Spieler als auch die davor viel zu lasche Teamführung trifft, die vieles viel zu spät anging.
Dass man damit in Österreich, bzw. einer genügsamen Fußball-Öffentlichkeit durchkommt, hat damit zu tun, dass hier schon das Wenige und das Verspätete als Innovation abgefeiert wird, weil man's ja nicht besser oder anders kennt.
Wer noch vor zwei Jahren drauf hinwies, dass zuwenig passiert, dass es keine mittel/langfristige Planung gibt, dass bestimmte Bereiche vernachlässigt werden, der wurde noch als Nestbeschmutzer abgekanzelt.

Schön, dass Stranzl jetzt, durch den richtigen Satz zur richtigen Zeit, die vermeintlichen Nestbeschmutzer rehabilitiert und die Fehler der Vergangenheit, die durch das halbwegs Passable der Gegenwart übertüncht werden sollen, beleuchtet.

Interessanterweise sind genau diese Ausschnitte in der Version, die auf der ÖFB-Site veröffentlicht wird, nicht enthalten.

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