Zur Kader-Bekanntgabe: Pakota und andere seltsame Herren.
Eines muss man dem Teamchef lassen - sein Humor ist, selbst nach internationalen Standards, bemerkenswert: sarkastisch und durchaus böse.
Wenn Josef Hickersberger einmal mit dem Fußball-Trainer-Sein aufhört, dann sollte er Gedichte schreiben; Fußball-Gedichte, am besten für den Standard.
Die Solo-Performance zur Bekanntgabe des endgültigen ÖFB-Teamkaders zur Euro hatte deshalb hohe Qualität. Man nahm dem Teamchef ab sich in jedem Fall seine Gedanken gemacht zu haben und diese auch nach außen hin vertreten zu können, manchmal mit geradezu poetischen Worten.
Für in einigen Fällen falsch darf ich sie trotzdem halten.
Die schon gestern detaillierter als tendenziell hirnrissig und vor allem ein wenig feig beschriebene Maßnahme gleich 5 Innenverteidiger mitzunehmen und deshalb nur mit drei echten Stürmern ins Turnier zu gehen (Harnik ist als Flügel wertvoller - und Hoffer könnte ja auch noch zu einem solchen umgebaut werden, wie wir gestern gesehen haben...) etwa: Das kann noch ein Bumerang werden.
Vor allem weil die ÖFB-Verantwortlichen, Hicke und seine Spartentrainer, die beiden Back-Up für die Top 3, die gestern zu sehen waren, nicht nach Qualitäts-Kriterien ausgesucht haben.
Martin Hiden sei "aufgrund seiner Routine dabei. Und ein Herr Pakota, der sich als Jürgen Patocka entpuppte, deshalb, weil er "35 Spiele verlässlich" bestritten habe.
Hallo? Routine als Argument? Verlässlichkeit als Argument? Wie bitte? Wer so denkt, hätte gleich mit Baur und Glasner losfahren können.
Und: wie sollen die im altbackenen Stil dahinklopfenden Holzfüße in eine engere Abwehr reinkommen, die technisch und taktisch auf internationalem Niveau spielt? Wie auch der junge Franz Schiemer?
Hickes Argument: Eigentlich wäre der verletzt und ohne Vorbereitung. Komisch, diese Ausrede kennen wir auch aus den Fällen Kavlak, Salmutter, Prager, Junuzovic... Gelten tut's aber immer nur, wenn's einen der Jungen betrifft, die in punkto Tempo und Mitdenken mithalten können, international.
Fast scheint mir, dass es einen 60-Jährigen nervös macht sich mit allzu vielen aus the young breed zu umgeben, dass er einfach auch ein paar aus der alten Schule braucht, um sich selber noch ansatzweise daheim zu fühlen.
Dass Martin Hiden deshalb als Maskottchen und Stimmungs-Sensor mitfährt, damit haben wir uns ja bereits abgefunden. Dass jetzt Patocka, den Hicke nicht einmal aussprechen kann, dabei ist, das ist ein starkes Stück.
Verschwörungs-Theorien
Wenn sich in diversen Foren diverse Fanatiker darin ergötzen Thesen aufzustellen, warum es eine so starke Affinität von Hickersberger zu Rapid-Spielern gibt, oder wenn dann - noch viel tiefer - Markus Katzer ausschließlich daran gemessen wird, in wen er sich halt einmal verliebt hat, dann kommt mir regelmäßig das Kotzen.
Nicht, weil ich den Ansatz dieser Gefahr nicht sehe, sondern weil mir das Prinzip dieser Unterstellungen extrem am Arsch geht. Klar kennt Hickersberger die Spieler, mit denen er schon gearbeitet hat, besser. Das bedeutet aber auch meistens eine strengere Bewertung.
Dass jüngst viele Rapidler in den Kader kamen, hat wenig mit Hickes Vergangenheit und viel mit Rapids Gegenwart zu tun - in einer solchen Diskussion sind Vereinsbrillen obsolet.
Das tatsächlich existierende Lobbying läuft anders. Und zwar über Seilschaften, die quer durch die Vereine im Hintergrund existieren, die Spieler-Managements etwa, alte Bekanntschaften und natürlich die Freunderl in den Printmedien, die einzelne Kicker hochschreiben, von denen sie sich im Gegenzug Insider-Infos oder Kolumnen erwarten.
So ist etwa der unglücklich ausgeschiedene Helge Payer immer wieder Thema einer ungebührlichen Heldenverehrung. Und auf der anderen Seite ist ein Mann wie Andreas Ibertsberger, der seit Jahren im fernen Westen und jetzt gar im fernen Deutschland spielt und bei einem dezenten Management daheim ist, dann eben kein Thema.
Ich kann mir aber gut vorstellen, dass die Entscheidung zwischen ihm und Katzer trotzdem korrekt gefallen ist.
bye, fränkie...
Die "schwierige Entscheidung im Angriff"
war deshalb schwierig, weil sie von der falschen Prämisse der Notwendigkeit eines 5. Innenverteidigers ausgegangen war. "Es gab Diskussionen darüber", meinte der Teamchef. Er sprach auch von selbst festgelegten Selektions-Kriterien, an die man sich gehalten habe.
Gut, dass man sich beim ÖFB-Trainerteam wenigstens theoretisch an logische Kriterien hält, wenn das schon bei den Wechseln am Platz nicht klappt.
Dass sich dabei die vorsichtige Fraktion durchgesetzt hat, lässt für die Euro-Aufstellungen nichts guten ahnen.
Ansonsten hätte tatsächlich noch einer der Langen (und dabei hab ich im Fall Janko oder Maierhofer keine Präferenzen) mitgenommen werden können.
Der Rest ergab sich logisch: Durch die Minderzahl von echten Mittelfeldspielern war nach Weissenbergers Ausfall alles klar; und Kienast harmoniert ebenso wie Harnik einfach gut mit der Nummer 1 im Angriff, Herrn Linz - das war bereits in den letzten Spielen klar zu sehen.
Leider weiterhin völlig unhinterfragt im Kader (abseits von Hiden und Patocka): der immer noch völlig jenseits spielende Rene Aufhauser, das Dauer-Gefahrenmoment Standfest und der sinnlose Vastic. Zumindest einer davon leider auch in der Stammformation.
So sehr ich mich daran auch gewöhnen mag - es will mir nicht gelingen. Es steht zuviel auf dem Spiel bei dieser einzigen Heim-Euro zu unseren Lebzeiten, um sich dabei mit offensichtlichem Mittelmaß zufriedenzugeben.