Nur um da keine Legendenbildung aufkommen zu lassen - auch wenn das populärer wäre: bei der eben miterlebten Niederlage gegen Kroatien handelte es sich nicht um ein mit Pech oder durch Außeneinflüsse wie böse Schiris oder Gegner verursachtes Resultat und auch nicht um eine unglückliche Niederlage wie die gestrige der letztlich doch unbelohnten Schweiz.
In unserem Fall handelt es sich um das Resultat einer Spielanlage, die Josef Hickersberger, den ÖFB, die Liga und auch wichtige Spieler so widerspiegelt wie sie sind: kleinmütig.
Wer mit einer derartigen Schisser-Aufstellung in ein Spiel geht und erst als es schon viel zu spät ist, auf Offensive umstellt und auch (zu spät) Spieler bringt, die das können, wer an sich mutige Kicker im Vorfeld durch Defensiv-Auflagen ängstlich macht, der verliert zurecht.
Durch eigene Schuld.
Durch Kleinmut eben.
Und da läßt sich an keiner Legende stricken, die anderen den Schwarzen Peter zuschiebt. Das ist hausgemacht.
Und das ist gerade beim ersten, dem wichtigsten Spiel dieses Turniers, des wichtigsten zu Lebzeiten aller Beteiligten, beschämend.
Alles klappt nur halb.
Aufhauser, der durch sein dummes Einsteigen das Tor verbockt, hat sonst eine für seine Verhältnisse gute Partie. Schuld ist nicht er, sondern ein Teamchef der in Kauf nimmt, dass sein Lieblingsspieler in der ersten halben Stunde immer für Rot gut ist und dumme Fouls begeht.
Andererseits ist der Teamchef nicht schuld daran, dass der an sich verläßliche Pogatetz durchdreht und nur unter äußersten Gnaden nicht vom Platz fliegt - bei einer Nicht-Heim-EM hätte Österreich ab der 30. Minute zu zehnt gespielt.
Auch für Stranzls schwache Vorstellung kann der Teamchef nichts. Da aber gerade diese beiden und der bislang so sichere Jürgen Säumel im Spiel die schlimmsten Ausfälle sind, bricht das Vorsichts-Konzept erst recht in sich zusammen, denn es baut auf selbstsicheren Aufbauern auf. Und da war - bis auf den mutigen Prödl - nichts zu sehen.
Standfest, der wie immer eine matte Leistung brachte, ist auch nicht schuld. Und Gercaliu, der ein Horrorspiel erlebte, kann auch nichts dafür. Nicht einmal Macho ist für seine katastrophal schlechten Ausschüsse wirklich verantwortlich.
Alles klappt nur halb, weil das Konzept nicht passt, weil es sich vor der Realität versteckt, wie ein Vogel-Strauß.
Das 3-4-3 Konzept von Hickersberger war zwar überraschend für den Gegner, der Ivanschitz zentral und nicht als linken Flügel in einer Dreier-Angriffs-Formation erwartet hatte - wenn weder Ivanschitz noch der zentrale Linz und schon gar nicht Martin Harnik rechts in der 1. Halbzeit auch nur einen guten Ball kriegen, dann bricht dieses Konstrukt (das nichts als eine Projektion auf gute Formkurven ist) aber in sich zusammen.
Schuld ist der Teamchef erst wieder in der Pause.
Denn da nimmt er keinen Wechsel vor, er wartet eine quälende Viertelstunde, in der die Kroaten den Vorsprung lässig, fast höscherlnd, verwalten, ehe er reagiert.
Und bringt dann Vastic, damit der den Mittelkreis bewacht anstatt ihn vor zu beordern.
Gut, der Ivo strotzt derzeit vor Selbstvertrauen und brachte deshalb ein paar Pässe an - aber in einer solchen Phase braucht man keinen Beruhiger, sondern einen Beschleuniger, und das war er dann wahrlich nicht.
Dieser Ruck der Beschleunigung ging erst durchs Team als Ümit Korkmaz reinkam und man auf ein 4-2-4 umstellte, mit Harnik und Ümit als reinen Flügeln und Ivanschitz im Zentrum hinter Linz, später dann (dem etwas besseren) Kienast.
Und erst dann, ab der 75sten, als im WUK die Rapid-Viertelstunde eingeklatscht wurde, ging dann was nach vorne.
Zu spät.
Jetzt nicht sagen, das hat man vorher nicht wissen können - alles war vorher allen klar: Kroatien spielte exakt wie angekündigt, alle wußten, dass man diesen Gegner nur mit Mut besiegen würde können, wie man ihn in den beiden ersten Tests des Jahres gegen Deutschland/Holland gesehen hatte.
Mut.
Und den ließ Hicke diesmal nur in seiner Zwergen-Variante von der Leine: als Kleinmut. Das ist, mit Verlaub, unverzeihlich.
Im übrigen ist auch Vastic nicht schuld
an irgendwas - er erfüllte eine falsche Rolle in einem nicht passenden System.
Und auch Ümit ist nicht der Heilsbringer, als der er in den morgigen Blättern sicher verkauft werden wird. In der Angsthasen-Abteilung, die bis zur 70. das Dogma der Österreicher war, hätte er genausoviel gebracht wie der dann auch aufgefrischte Martin Harnik in der 1. Halbzeit: null.
Und nicht einmal die Was-wäre-wenn-Variante mit dem Spiel "tausche Scharner gegen Aufhauser" brächte Befriedigung. Innerhalb des Hasenfuss-Systems von Hickersberger hätte das nämlich auch keine Rolle gespielt.
Diese Erkenntnis, dass es nämlich in Wahrheit nichts gibt, worauf man sich ausreden oder abputzen kann, keine Spieler, kein Umfeld, keine Einzelentscheidung, das macht den bitteren Nachgeschmack des Abends aus.
Dass man nämlich nur aufgrund der Tatsache zum falschen Zeitpunkt plötzlich Angst bekommen zu haben, auf die Schnauze fällt. Sehenden Auges auf die Schnauze fällt - denn die Schisser-Vergangenheit bei den letzten WM-Turnieren (unter Hickes Mitverantwortung) war hier und sonstwo (man erinnere sich an die ebenso erfolglosen Schisser-Partien von Hickes Rapid in der Champions League) ja Thema und bekannt.
Man ist ÖFB-seits im klaren Bewusstsein, dass nur Risiko-Nehmen einen Erfolg bringen kann, den feigen und risikomeidenden Weg gegangen - wohl wissend, dass der nur mittels unendlich glücklicher Zufälle zum Erfolg führen kann.
Man hat sich ÖFB-seits zu einem mathematischen Unding entschlossen: anstatt Risiko zu nehmen und so eine 10%-Chance zu haben, war man kleinmütig und feig - im klaren (historisch belegten und durch aktuelle Interviews auch angesprochenen und teamintern bekannten) Bewusstsein, damit allerdings zu 99% abserviert zu werden.