'This is what it is all about, maybe', raunen wir uns zu, immer noch unentschlossen und schwer diskutierend, anlässlich dieses Line- Ups.
Vieles, was die jetzige, ganze [nicht nur die sogenannte 'Alternative'] Musikszene widerspiegelt, scheint unter dem weißen Wiesenzelt vereinbar zu sein. Alte Hardcore-Heroes, die ein Publikum begeistern konnten, das großteils nach der Bandgründung geboren wurde ... Skinheadfolk ... einfallsarmer Hardcore aus Deutschland, der seinen Heyday schon übeschritten hat, aber wegen 'Druck' immer noch überschwänglich funktioniert ... dünne Männer in dunkler Kleidung, die etwas 'kosmisches' herstellen, und Manche an Christopher Cross erinnern ... sentimentale Geburtstagsfrauen in Pocahontas-Teppich-Outfit und ein Headliner, der dermaßen zwischen Kommerz und Coolness laviert, dass er sich selber nicht auskennt...
Wir von FM4 standen, manchmal staunend, manchmal Schnute ziehend, dazwischen und ich habe lange nicht mehr soviel über "Alternative" diskutiert und ob das nicht alles ein Etikettenschwindel sei, und mehr einer Realität entspricht, die wir lieber so hätten, als der tatsächlichen 'Szene'...
... aber, wie hieß es bei 'Brassed Off': 'I thought music mattered. But does it, bollocks. Not compared to how people matter.'
... und die hatten ihren guten, sauberen Spaß.
... aber es war schöner, weil vielfältiger als gestern, denke ich mir ...
'Echophonic sind schon beim Soundcheck sehr beklatscht worden und dann haben sie sich umgezogen und die Sängerin hatte eine Shakira- Lederhose an' ... so spricht Grrrrlinde Lang, die strenge Beobachterin.
Stuart Freeman [FM4 Morningshow] ist extra wegen ihnen angereist und hat mehrere Stunden Stau über sich ergehen lassen ... zu seinem Unglück hat er es nicht rechtzeitig geschafft und war darob zerknirscht.
NoMeansNo hat Kollege Hosea nicht gekannt. Ich habe ihm kurz erzählen dürfen, dass die Band älter ist als er und sowas wie die Erfinder von allem, womit in der Post-Hardcore Gemeinde heute Dollarmillionen verschoben werden... Er war dann ebenso begeistert wie Gerlinde Lang... Der lustigste, weil zugleich dichteste und selbstironischste Gig des ganzen Festivals. Mögen sie noch viele Platten verkaufen. Zumal Daddy D. und ich mit Bassist Rob Wright ein interessantes Gespräch über Hingabe, Feeling, Musik und Politik geführt hatten und er feixend erzählte, wie wurscht ihm die Dollarmillionen sind ... vielleicht bin ich voreingenommen, aber ich hab das echt geliebt.
Mercury Rev: Solche brrrrrrreiten Bands müssen bei Sonnenuntergang, oder zumindest bei Mondaufgang spielen - "einerseits ausufernde und raumfüllende kosmische Bühnenpräsenz, andererseits familiäre Wärme und Reisen im Kopf... nicht zuletzt war das Lächeln von Jonathan ein schiefes und zustimmendes Lächeln, eines der schönsten Lächeln jemals", so spricht Albert Farkas, der devoted Fan. Hier hat uns die Tageszeit um den Headliner gebracht, aber schön wars trotzdem... Gut, dass wir das im Radio abends gespielt haben ...
Die Dropkick Murphys sind nur ein bisschen Iren, weil aus Boston, wo aber viele Iren wohnen, so D., der Irischamerikaner. Ihre Show war Mist, find ich, dümmstes Punkgebretter. Man hat wegen des Soundbreis nicht soviel mitgekriegt, da konnten die Jungs ja nicht alles dafür, aber: Nichts gegen etwa "The Wild Rover", guter Song, das Lied ist auch durch noch so dummes Gespiele nicht totzukriegen, es hat sogar die Version der "Wildecker Herzbuben" überstanden, aber musste wirklich ein verzerrter, jodelnder Opernsänger sein?
... und plötzlich waren für meinen Geschmack zuviele pogende starke Männer mit seeehr kurzen Haaren und seeehr schweren Schuhen da, mit denen ich [wegen Lautstärke] gottlob nicht über Weltanschauliches sprechen musste ... mit denen möchte ich einfach lieber nichts zu tun haben, schon wenige ruinieren meine Party, sorry....
H- Blockx sind so alt wie das ganze Forestglade und sozusagen eine 'Bank'. Immer wenn ihr Stop'n'Go Crossover loslegt, legt sich die Menge krumm und verausgabt sich total. Schön anzusehen, wenn man schwitzende Jungmännerleiber gut fndet [was ja einige tun] ... zu ihrer Musik fällt mir wieder nichts ein, aber als Crowdpleaser haben sie bisher den Hauptpokal davongetragen.
Shane, Shane, Shane, Shane! Es war klar, dass das Konzert nur entweder eine fröhliche Erinnerung an die einst beste Band der Welt, oder aber ein mitleiderreigender Schatten derselben werden würde.... die Band waren nicht die Pogues, 'hired Guns' könnte man sie nennen, sie spielten sich irgendwie zu rockig durch die Songs des Mannes mit Blähbauch, kaputter Hüfte und Karies, den ich eh irgendwie erwartet hatte. Die Menschen, die die Pogues nicht gekannt hatten, sagten: 'guter Gig', und im 'Moshpit' sah man weniger Pogo und Slamdance als Jigging, Reeling und Studentenpolka. Und im Gegensatz zum Dropkick Murphy Konzert waren hier auch folkliebende Frauen anwesend.
'One of the finest Songwriters of the century', hat Joe Strummer einmal über Shane MacGowan gesagt - weil ich getanzt habe und die Songs so toll sind, hatte ich vorerst keine Tränen im Auge. beim Interviewversuch haben Albert und ich dann das ganze Ausmaß seines bemitleidenswerten Zustands sehen können.
Tut mir Leid, dass mir zur Musik von Heather Nova nichts einfällt, ich habe nichts dagegen, für mich ist das aber zu klischeehaft 'feminin', eine Mädchenzimmertapete, tut mir leid.
Die Fans mochten ihre Songs und ihre elegante Präsenz im schönen Licht. Sie feierte tatsächlich Geburtstag und alle hatten eine gute Zeit. Herzlichen Glückwunsch, Heather!
Ich nenne das jetzt mal 'Industrial, Light and Magic'.
Das Konzept von Faithless, Dancemusik von einer Funkband spielen zu lassen, dazu mächtige Keyboardläufe zu spielen, die immer an Ravehallen und Ibiza House erinnern und das Ganze mit einem sanften, ausladenden MC zu krönen, setzt die Band irgendwie zwischen die Credibility- Stühle. Das ist voller Stadionkommerz und man hat doch den Eindruck, das sei auf spezielle Art nur einem selber zugänglich, für einen selber gemacht ... auf CD mag ich das nicht sonderlich, aber live: Sie sind Cool, Sister Bliss und ihre wuchtigen Build Ups, der tonlose Predigt- Rap von Maxi Jazz. Dazu durften Johanna, Hosea und ich Ibiza-mäßig abtanzen, ein schöner Abschluss
... und, Gavin Rossdale Fans bitte weghören, dieser Mann ist der 'sexiest man' des Festivals, soviel ist sicher ...
Am letzten Tag interessieren mich nur mehr zwei Bands wirklich: Cake und John Spencer. Auch Dover sollen live gut sein und bei den Hosen wird es wieder abgehen.
Dann sollen meine FM4-Kollegen was zum Festival sagen...