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Wien | 9.1.2003 | 03:23 
Bits, Beats and Breaks.

Gerlinde, Glashuettner, Trishes

 
 
Prime Cuts: Sam Ragga Band
  "Loktown Hi-Life" ist das erste Album der Sam Ragga Band, aber nicht ihre erste gemeinsame Arbeit: bekannt geworden sind die Hamburger durch ihre Livegigs und Albumproduktionen mit Jan Delay. Das Debüt der Band featuret auch ebendiesen, sowie viele andere berühmte Gäste: Sam Semilia (besser bekannt als Samy Deluxe), Flowin Immo (früher mit Ferris MC bei F.A.B.) oder Jessica McIntyre. Am beeindruckendsten ist das Gastspiel des aus London stammenden Sängers Seanie T. Mit seiner Stimme schafft er es, dem Album einen magischen Touch zu verleihen.

 
audio
 
title: Prime Cuts
artist: Sam Ragga Band
length: 0:53
WMA
   
 
 
  Produzent und Komponist Marc Wilkes weist gerne darauf hin, dass Sam Ragga nur die Idee des Reggae aufgreifen, aber dann etwas Eigenes daraus machen. Das wird vielleicht bei den Songs mit One Jiru am deutlichsten. Ihr Gesang ist nicht Reggae und schon gar nicht Dancehall, doch er fügt sich mit den Roots-beeinflussten Instrumentals der Band tadellos zusammen, und die beiden seltsam verschiedenen Teile werden zu einem Ganzen, genannt Pop - und zwar im besten Sinne des Wortes. Pop als Botschaft, Pop als Erklärungsmodell. Zwar hat irgendwie Rebellion selten so gefällig geklungen wie hier, aber trotzdem: Pop als Qualitätsmerkmal.
 
 
 
 
 
  Reggae aus dem hohen Norden, genauer gesagt aus Hamburg: nur scheinbar ein Widerspruch, wenn man sich die Geschichte der Hamburger Alternative Szene anschaut. Punk, beeinflusst von Bands wie The Clash, und Reggae haben hier eine starke gemeinsame Vergangenheit, und Soundsystems wie Silly Walks oder Irie sind auch jenseits der Grenzen Deutschlands bekannte Größen. Die Sam Ragga Band kannten wir bisher als Liveband von Jan Delay. Marc Wilkes, Gitarrist und Komponist der Band, kommt aus der Alternative- und Punk-Szene Hamburgs, und hat auch schon in diversen Jazz- und Drum'n'Bass-Projekten federführend mitgewirkt.

Die Vielseitigkeit von "Loktown Hi-Life" kommt also nicht von ungefähr. Nach den Erfolgen von Seed, Gentleman und Patrice dürfte die Sam Ragga Band das nächste Highlight deutscher Reggae-Kultur werden.
 
 
 
  Auch so manche kleine Überraschung verbirgt sich auf der Platte, so hat etwa MC Sam Semilia in seinem Song 'Ich will doch bloß mein Lied singen' keine einzige Zeile gerappt, sondern nur gesungen. Das hat man von ihm noch nicht gehört.
Marc Wilkes, Gitarrist und Komponist der Sam Ragga Band, ist ja einer der 'wichtigen' Leute der Eimsbush Familie, einer der bedeutenden Einrichtungen norddeutschen HipHop-Lebens. Die meisten der gefeatureten Artists auf diesem Album der Woche rekrutieren sich auch von Eimsbush, zum Beispiel Jessica McIntyre. Die Musiker kennen einander seit vielen Jahren, von diversen Studioprojekten und sie waren auch zusammen auf diversen Tourneen.

Obwohl sechs Gast-SängerInnen auf dem Album zu hören sind, ist die Platte kein Feature-Album. Die Basics stammen von der Band, die Songs entstanden in zahlreichen Studio- und Proberaumsessions. Erst dann wurden die Sängerinnen und Sänger eingeladen - die hatten dann allerdings auch völlig freie Hand bei der Wahl ihrer Texte. 'Loktown Hi-Life', das ist irgendwie Musik zum Runterkommen nach einer durchgefeierten Nacht. Oder für virtuelle Strandpartys im Wohnzimmer, wie auch immer die aussehen mögen.
 
fm4 links
  samragga.de
   
 
 
Tipp:
  Sam Ragga Band feat. Seanie T. + Jessica McIntyre & others, am Sonntag, 12.1. im WUK in Wien und am 15.1. im Posthof in Linz. Und es könnte auch sein, dass ein Überraschungsgast namens Jan vorbeischaut...
 
 
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