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Wien | 7.4.2003 | 17:49 
Bits, Beats and Breaks.

Gerlinde, Glashuettner, Trishes

 
 
Die Un-CDs
  Eine kopiergeschützte CD im FM4-Härtetest: Sie lässt sich auf 6 von 7 Geräten nicht fehlerfrei abspielen. Immer mehr Musik-CDs entsprechen nicht mehr dem 'Red Book'. Eine Bestandsaufnahme.
 
 
ASD
  Da flattert mir letzte Woche etwa das neue Album von ASD ins Haus. Ich lege die Scheibe in meine Sony HiFi-Anlage: die CD springt, schon beim Intro. Ich wechsle zur Playstation2: die CD springt. Versuch Nummer Drei auf der Xbox: die CD spielt ohne Sprünge, aber sie knackst laut. Vierter Versuch: das DVD Laufwerk meines Computers: es erkennt die CD nicht. Versuch Nummer Fünf mit dem CD-Brenner desselben Computers: der PC versucht, einen Player zu installieren und hängt sich nach einigen Sekunden auf. Ich gehe frustriert runter auf die Straße und setze mich ins Auto. Das Autoradio sagt "Disc Error". Zurück in die Wohnung. Versuch Nummer Sieben funktioniert endlich, mein Sony Discman kann die CD fehlerlos abspielen. Ein Gerät von sieben.
 
 
 
Un-CDs
  Vor ca. einem halben Jahr habe ich hier darüber berichtet, dass die IFPI - das ist der Verband der österreichischen Musikwirtschaft - gemeinsam mit internationalen Partnern ein Kopierschutz-Logo entworfen hatte, mit dem künftige kopiergeschützte CDs gekennzeichnet werden sollten. Was ist jetzt mit diesem Logo passiert und wieviele Musik-CDs werden heute wirklich kopiergeschützt? Sven Hansen, Kopierschutz-Experte beim Computermagazin c't, hat die zehn Alben der aktuellen deutschen Charts hergenommen und festgestellt, dass sieben davon mit fiesen Kopierschutzmechanismen versehen sind. Zwei weitere sind Multimedia-CDs, bleibt eine, die dem vom CD-Erfinder Philips eingeführten 'Red Book' entspricht. CDs mit Kopierschutz entsprechen diesem Standard nicht, denn sie haben künstliche Lesefehler, verschobene Statusbits, falsche TOC-Einträge, ungültige Modus-Informationen und ähnliches auf ihrer Oberfläche - sie sind somit eigentlich keine "Compact Disc Digital Audio" mehr: Sie verletzen den 20 Jahre lang selbstverständlichen 'RedBook-Standard' für Audio-CDs.
Und das bringt viele Probleme mit sich, wenn man sich so eine CD einfach nur Anhören möchte.

 
 
Hochstmögliche Abspielbarkeit?
  "Mit dem verwendeten Kopierschutzverfahren wird eine höchstmögliche Abspielbarkeit auf CD- und DVD-Laufwerken gewährleistet" - das ist auf dem ASD-Album und vielen anderen CDs zu lesen. Strengenommen sind die Kopierschutzverfahren auf CDs Abspielsperren: Sie sollen verhindern, dass ein Computer-Laufwerk die CD abspielen kann. Doch auch in vielen HiFi Geräten werden heute Computerlaufwerke und DVD-Player verwendet - entweder, weil es technisch sinnvoll ist (zB in der Xbox oder in der PS2), oder weil Computer-Laufwerke einfach billiger sind (zB in günstigen Autoradios).

Diese CDs tragen das vertraute Logo mit dem Schriftzug "Compact Disc Digital Audio" nicht mehr, und mit solchen Geräten gibt es dann beim Abspielen der kopiergeschützten CDs fast immer Probleme.

Der technische Hintergrund: ein "normaler" Audio-CD-Player ignoriert den Daten-Teil einer CD meistens. Steckt im Abspielgerät aber ein Computerlaufwerk (z.B. in einem Standalone-CD-Player, der auch mp3s spielen kann, in der Xbox oder in den meisten DVD-Playern), also ein Laufwerk, das auch Daten lesen kann, dann wird dieses Gerät durch die fehlerhaften Daten des Kopierschutzes verwirrt. Das Ergebnis sind Störgeräusche, Sprünge, keine Musik oder sogar ein Absturz des Gerätes - in letzten Fall hilft oft nur noch ein Aus- und Wiedereinschalten des CD- oder DVD-Players. (Echte Verzweiflung kommt bei einem abstürzenden Autoradio mit Computerlaufwerk auf.)

 
 
47 Kbit/s gefällig?
  20 Jahre lang war es selbstverständlich, dass eine CD in jedem dafür gedachten Wiedergabegerät anhörbar ist. Jetzt wird der Standard aufgeweicht, Philipps meldet dagegen zwar Bedenken an, doch den verärgerten Kunden bleibt derzeit nur der Gang zum Händler, der eigentlich am wenigsten für die Misere kann.

Aber auch, wenn der Computer eine CD spielt, gibt es Ärger: denn bei vielen CDs mit Abspielsperre versucht der Computer, nach dem Einlegen der CD ins PC-Laufwerk, einen eigenen Player zu installieren. Nur mit diesem Player kann die Musik gehört werden, aber in weit schlechterer Qualität, als wir das bisher bei Computern gewohnt sind. ASD quäkt mit lächerlichen 47 Kbit pro Sekunde aus den Speakers - eine unglaubliche Frechheit in Anbetracht der Tatsache, dass ja auch der Kaufpreis nicht um das entsprechende Verhältnis reduziert wurde. Und an Mac- und Linux-User hat man noch gar nicht einmal gedacht. Es stellt sich die Frage, ob die Musikindustrie mit derartigen Schikanen wirklich erreichen wird, dass Musikfans weniger kopieren und mehr CDs kaufen. Viele werden ihre nicht abspielbaren CDs beim Händler zurückgeben. Als Musiker würde ich mich bei meinen Releases mit Händen und Füßen wehren, wenn jemand einen solchen Mist auf meine CDs geben wollte. (Die Plattenfirma, bei der ich gesignt bin, ist zum Glück eine der wenigen, die bei dem Irrsinn nicht mitmachen.)

Wer sich vor dem eventuellen Kauf einer CD informieren will, ob und wie sie kopiergeschützt ist, kann das übrigens im c't CD-Register tun.
 
 
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