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Wien | 29.11.2006 | 21:15 
Bits, Beats and Breaks.

Gerlinde, Glashuettner, Trishes

 
 
And yes it's art
  Ein Bleistiftmännchen, zerrissene Fotos und 360 Grad. Was braucht ein Computerspiel (oder eine Bakkalaureatsarbeit) schon mehr.
 
 
 
 
 
  "Dreh die Wand nach links, dann kannst du auf dem Stalaktiten rüberlaufen", sagt Freundin S. Ich widerspreche energisch: "Nix, die Höhlendecke müssen wir nach unten drehen und als Fußboden nehmen!" - "Krtsch" sagt das Bleistiftmännchen und zerspringt in ein halbes Dutzend Teile. Die Reinkarnation erfolgt sogleich, der Pappkamerad verfügt über ewiges Leben.
Seine vier Schöpfer heissen Christoph Binder, Felix Bohatsch, Jan Hackl und Peter Vorlaufer. Sie bezeichnen "And Yet It Moves" als Mischung aus Jump'n'Run und Puzzlespiel. Viel beeindruckender als dieser Versuch einer Einordnung ist die visuelle Ästhetik des Spiels: Zerrissene Bilder scrollen durch verschiedene Ebenen; der Einsatz von Fotos ohne den Anspruch, fotorealistisch zu wirken, erzeugt eine Welt von bizarrer Schönheit. "And Yet It Moves" wirkt auf die Augen wie "Paper Mario" ohne Knuddeligkeit; den verspielten Geist fordert es wie "Locoroco" in einer extremen 360-Grad-Variante.
Als Inspiration sehen die vier jungen Spieleentwickler beide Titel nicht. Felix Bohatsch nennt stattdessen den Filmemacher Virgil Widrich, sowie den Comiczeichner und Cartoonisten Don Hertzfeldt. Daß sein eigener Vater, der Maler Erwin Bohatsch, ihn unbewusst auch beeinflußt haben könnte, schließt er zumindest nicht aus.

 
 
 
 
  Mit minimalstischen Vokaleffekten und einem entfernt an Bauchklang erinnernden Musikloop hat Christoph Binder den Sound des Spiels maßgeblich bestimmt. "Wir haben vorher digitale Sounds ausprobiert, aber die waren einfach zu ... digital." Die Klänge des Lippenorchesters entsprechen der Papier- und Bleistift-Ästhetik der visuellen Präsentation - und haben auch noch Geld gespart.
So erstaunlich wie die ungewöhnliche Gestaltung dieses Spiele-Kleinods ist auch seine Entsehungsgeschichte: "And Yet It Moves" ist die Bakkalaureatsarbeit der vier Studenten. Zwar gibt es in Österreich noch keine eigene Studienrichtung, die ganz der Gestaltung von Computer- und Videospielen widmet. Doch das an der TU Wien beheimatete "Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung Arbeitsbereich Human Computer Interaction" - oder etwas weniger sperrig IGW - bietet das Studium Medieninformatik an und ermöglichte es zwei Gruppen von Studenten, dem Thema Computerspiel mehr Zeit zu widmen. Das Game als Abschlußarbeit. Wer es sich herunterlädt, sei gewarnt: der Schwierigkeitsgrad ist hoch angesetzt. "Wir sind unter Zeitdruck gestanden, auch weil wir es bei einem internationalen Wettbewerb eingereicht haben. Deshalb hat das Spiel nur zwei Levels. Der zweite ist eigentlich das, was normalerweise Level acht wäre." Auch okay. Aber jetzt gebt uns mehr.

 
 
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  www.andyetitmoves.at
   
 
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