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Wien | 6.6.2008 | 12:54 
Bits, Beats and Breaks.

Gerlinde, Glashuettner, Trishes

 
 
Onlinewelten, VIII: Google Earth, und dann..?
  Als Google im Jahr 2004 den Onlineservice "Earth Viewer" kaufte, wurde das wenig beachtet. Zwei Jahre später, 2006, erwarb der Konzern auch das 3D-Konstruktionstool "Sketchup", und zumindest Intensivnutzer virtueller Welten und Metaversums-Futuristen wurden hellhörig. Wieder zwei Jahre später stellt Google eine Version der simulierten Erde vor, die als Plugin im Webbrowser läuft, und es mehren sich Anzeichen: Der Konzern will eine 3D-Onlinewelt veröffentlichen, die über den Funktionsumfang eines geographischen Informationssystems hinausgeht. Und das mit großer Wahrscheinlichkeit noch heuer.
 Dresden
 
 
Second Google Earth Life?
  Zuletzt wurde die Gerüchteküche durch Emails an Studierende der Arizona State University angeheizt. Eine "global agierende Internetfirma" suche Studenten, die sich am Test einer "neuen Plattform beteiligen wollen, die noch heuer veröffentlicht werden soll". Die Testpersonen mögen doch bitte Erfahrung sowohl mit sozialen Netzwerken, als auch mit virtuellen Avataren mitbringen. Die Arizona State University war in der Vergangenheit schon mehrmals in Projekte mit Google eingebunden.
Einige Monate zuvor hatte Google eine Kooperation mit Multiverse, kommerziellem Anbieter eines Baukastensystems für Virtuelle Welten ähnlich "Second Life", bekanntgegeben: Geographische Daten der Google Earth können nun mit geringem Aufwand in die "Multiverse"-Welten importiert werden. Ein paar Wolkenkratzer gefällig? Die dafür nötigen 3D-Modelle werden seit vielen Monaten ohnehin von der wachsenden Google-Userbasis selbst erstellt - mit Sketchup, einem Gratis-Tool, das dem Konzern somit auch die Gratisarbeit Tausender User beschert. Und Google gelingt es sogar, seine kreativen Nutzer zu motivieren, die angefertigten Konstruktionen der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen - im "Google 3D Warehouse".

 Wengen
 
 
Der Avatar als Interface
  Auch wenn sich hier ein Puzzle zusammenzufügen scheint: Ganz so einfach ist es nicht. Der "Google Earth" Avatare hinzuzufügen führt nicht automatisch zu einer konsensual erlebbaren 3D-Welt, in der User einander einander sehen, miteinander kommunizieren und gemeinsam agieren können. Die Systemarchitektur der Google Earth ist für eine solche virtuelle Welt nicht geeignet, denn sie müsste dafür weit mehr dynamischen Inhalt unterstützen. Dem sehr dynamischen und detailverliebten Second Life wiederum müsste man einige Millionen Simulatoren (das sind die Server des SL-Clusters) hinzufügen, damit es den ganzen Planeten simulieren kann. Beides ist in naher Zukunft nicht realistisch.

 Wartburg
 
 
Worauf es hinausläuft
  Als wahrscheinlich gilt dieses Szenario: Googles virtuelle Welt, deren Arbeitstitel derzeit als "My World" kolportiert wird, kombiniert das Funktionsprinzip der zum Konzern gehörenden Social Networking Plattform "Orkut" mit Avataren sowie mit Elementen der "Google Earth" und des "3D Warehouse". Die vor kurzem erfolgte Veröffentlichung eines Browser-Plugins der "Google Earth" deutet darauf hin, dass auch "My World" ins Web integriert sein könnte - sozusagen eine Art "Orkut 3D" im Browser. Und dass Google mit der Veröffentlichung des Browserplugins auch dessen API einer weltweiten Community von programmierenden Kids zur Verfügung stellt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass G.E. zu einem Standard für 3D-Applikationen wird. Wir werden sehr viel mehr im Web sehen, als den Google-Flugsimulator: Virtuelle Touren und Reiseführer, wissenschaftliche Visualisierungen, Simulationen, Bildungsprojekte, Scriptsprachen auf Basis des Google Earth API... Das Google Metaversum ist schon da, verwunderlich ist eigentlich nur das Schweigen darüber.

 Europa. Von oben.
 
 
Simulation und Spiel
  Für Google könnte der Start ins virtual World Business auch den Schritt in ein Segment bedeuten, das der Konzern bislang eher ignoriert hat: Games. Wie zum Beispiel dieses hier: "Monster Milk Truck" ist das erste Spieleprojekt, das die Google Earth API benützt, und wohl nicht das letzte. Virtuelle Welten und soziale Web-Plattformen werden zunehmend auch zum Spielen im weitesten Sinn benutzt: Rollenspiel-Legende Raph Koster veröffentlicht demnächst seinen MMO-Baukasten "Metaplace", Will Wrights Evolutions-Simulation "Spore" wird die Grenzen zwischen Spiel und Virtual World sprengen, und in "Second Life" gibt es trotz des Fehlens von Quests und Levels mehr Roleplaying als in vielen MMORPGs. Auch Google hat erkannt, dass sich Onlineaktivitäten in weiterer Zukunft mehr und mehr in selbst gemachten 3D-Räumen abspielen, die gleichermaßen als soziales Netzwerk, als Spieleplattform, als Betätigungsfeld für Künstler wie auch als Plattform für Simulation und Weiterbildung dienen können. Und während die "Google Earth" auch über einen integrierten Flugsimulator (inklusive physikalisch korrekt berechneter Flugzeugmodelle) verfügt, geht Konkurrent Microsoft den umgekehrten Weg und bietet die aufwändige Grafikengine des "Flight Simulator X" im Rahmen eines Simulations-Paketes für industrielle Projekte an. Und mit der "Microsoft Virtual Earth" und Technolgien wie "Photosynth" gibt es auch in Redmond Pläne, wie das Metaversum einmal aussehen könnte. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

 Irgendwo. Im Flugzeug.
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  Onlinewelten, I: Entropia Universe

Onlinewelten, II: Active Worlds, There

Onlinewelten, III: EVE Online

Onlinewelten, IV: Dofus

Onlinewelten, V: Open Simulator

Onlinewelten, VI: Anarchy Online

Onlinewelten, VII: Kingdom Of Loathing

Onlinewelten, VIII: Google Earth

Onlinewelten, IX: Power of Politics

Onlinewelten, X: Warhammer
   
 
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