Temp~eratursturz - die Badehose bleibt im Rucksack, die Tanzschuhe bleiben an.
Auf das temp~ festival fährt man normalerweise mit Zelt und Bademode, denn es findet in Greifenstein neben dem zum See umfunktionierten Donaualtarm statt.
Der gestrige Wetterumschwung hat zwar den Badespaß getrübt, nicht aber den Genuss elektronischer Musik abseits des Mainstreams. Besonders auf dem Indoor-Floor dominiert heuer ganz allgemein sehr basslastige Musik um die 135 BPM die Subwoofers - eine Musik, in der so ziemlich alles gesampelt, zerhackt und verwurstet werden darf, was die elektronische Musik bisher ausgemacht hat. Sozusagen die Digitalisierung des Digitalen.
icz
Izc, der das Plattenlabel und Webportal Dubsquare betreibt, hat letzte Nacht beim temp~ einen Labelshowcase präsentiert. "Ich bin sonst ja nicht so der Fan von Festivals, mit den vielen Sponsoren, den wahnsinnigen Preisen, dem Business. Aber hier ist das halt überhaupt nicht so. Eigentlich dürfte es das temp~ ja gar nicht geben - es bekommt niemand etwas bezahlt, es ist aber ein schönes Treffen und ein jährlicher Austausch, wo man viele Bekannte, und auch viele Unbekannte sieht. Es ist einfach großartig."
Von icz eingeladen wurde auch Sigha, Dubstep-DJ aus London. Wenn er nicht an den Plattentellern steht, arbeitet er im legendären Plattenladen Black Market. "Der Laden ist ein fantastisches Umfeld. So viele Producer und DJs. Und Dubstep ist für mich derzeit das Genre, in dem die meiste Innovation stattfindet. Es erlaubt dir sowohl als Producer, wie auch als DJ, eine breite Palette an Stilen zu vermischen."
Beschallt wurde der Floor in den frühen Morgenstunden auch vom Grazer Duo El Rakkas, deren erste Vinylscheibe im Herbst auf Izc' Dubsquare Label erscheinen soll. "Wir haben viele Tunes produziert, werden für die Platte aber wahrscheinlich noch etwas Neues zusammenbasteln".
ca.tter & me
Schon viele Veröffentlichungen - unter ständig wechselnden Namen - kennt man von Catarina Pratter, derzeit als ca.tter zusammen mit Partner mstep auf den Bühnen: "Es macht extrem viel Spaß! Dubstep hat so etwas Freies auf einmal. In den letzten Jahren ist vieles so formelhaft geworden. Und Dubstep, da kann man so viel Blödsinn machen, da kann man ganz eigenartige Melodien verwenden, komische Samples. Diese Reduzierung - eben nicht Catherina Pratter, das war ja mit Gesang, war sehr melancholisch, sehr düster. Als ca.tter erhebe ich mich so ein bisschen und schau mir das von oben an, wie ich so bin, ohne soviel von mir preiszugeben."
.mrt
Neben 30 DJs und 30 Liveacts sind es auch die 24 VisualistInnen, die das temp~Festival zu etwas Besonderem machen. Einer davon ist Martin alias .mrt, den ich beim Ausschneiden und Bemalen von Pappendeckelfiguren für Videoprojektionen sehe. Ist es nicht ein bißchen spät, während des Festivals an der Visualisierung zu arbeiten? "Nein, ich mach das eigentlich immer so, es beruhigt mich. Und es ist eine Art Live-Element für mich. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie viele von diesen Figuren ich schon zu Hause habe."
Juhu!
Gut besucht auf Grund des Regens auch der Floor im Zelt, wo neben Heinz Seidenbusch, Szely feat. Fii, Philipp Quehenberger und Migren auch zwei Herren namens Unknown Kiks Flo vs. Disjackson "gegeneinander" angetreten sind. Die bösen Mienen passten zur kantigen, aber doch äußerst stimmungsvollen Technomusik.
Grrr!
Auf dem Openair-Floor sang eine tapfere Lylit mit Laptop-Begleitung durch das Late Hour Entertainment - eine Performance, die so schön war, dass sie viele Zuschauer in den Regen gelockt hat.
Hörenswert auf dem Open Air Floor auch Patrick Pulsinger & Glow (beide nicht nur als Musiker, sondern auch als Moderatoren am Werk), Digilog oder Karl Moestl & MC Flax.
Gefeiert wurde bis Mittag. Heute (Samstag) am Abend gehts weiter, und zwar bei besserem Wetter.