Nach den spaßigen Subbass-Melodien der ersten Nacht servierte temp~ in der zweiten viel Atonales.
"Der Ansatz, den Leuten Schräges vorzusetzen und dann zu schauen, wieviele am Ende der Show noch da sind, ist geblieben", sagt Martin Stepanek von Burn Those Idle Cycles augenzwinkernd. Die Band betreibt er zusammen mit Christoph Kummerer, der schon vor Mitte der Neunziger durch eines der weltweit ersten GameBoy-Musikprojekte, (Game Boy Pocket Noise) international aufgefallen ist. "Das temp~ Festival ist für mich ein Beispiel für eine Veranstaltung, wo Künstler und Publikum aneinander lernen. Es ist wunderschön, jedes Jahr zu sehen, wie sich das weiterentwickelt." Tatsächlich ist das ein Teil des Charmes der Veranstaltung: Jeder zweite Besucher, den ich anspreche, ist selbst Musiker, DJ oder Visual Artist. Stepanek: "Das ist total super. Elektronische Musik ist ein bisschen eine Art neue Volksmusik geworden - insofern, dass sie so barrierefrei ist."
Schräg auch der Auftritt von Laminadyz mit Stephan Sperlich: Ein Laptop, ein Schlagzeug und ein analoges
Roland-Keyboard für den Bass. Schwer verdaulich, aber interessant.
laminadyz mit stephan sperlich
Umbaupausen lassen sich bei Festivals kaum vermeiden. Bei temp~ wurden sie heuer verkürzt durch die sogenannte Umbaupoesie. Mieze Medusa hat sie zum Besten gegeben, gewürzt mit charmanten Balletteinlagen. Passenderweise waren die Gedichte dann auch als "Posen ohne sonderliche Anmut" betitelt.
Angenehm: Beim temp~ festival gibt es Sofas vor der Hauptbühne.
Imperomon - neuestens ohne Livegesang - gab eine Stunde Techno mit deutlichem Hang zum Videogame-Sound zum Besten. Der Name des Projekts ist eine Kombination der Worte Imperium und Pokémon, und der videospielaffine Künstler ist gleichzeitig auch einer der Gründer und Veranstalter des temp~ Festivals. Selbst fünf Minuten vor seinem Auftritt läuft er noch mit einem Funkgerät herum, aus dem es ständig quäkt. "Ein bisschen stressig, weil dauernd jemand etwas will. Aber es gehört dazu, man macht beides, weil man halt auch Musiker ist und sich etwas Gutes tun will, also vor einem größeren Publikum stehen will." Und das ist auch ein Teil des Erfolgsrezeptes: Weil die Veranstalter des temp~ selbst die Szene so gut kennen, entdecken sie ständig neue Künstler, die niemand vorher gesehen bzw. gehört hat. "Vor sechs Jahren haben wir begonnen, eine
Geburtstagsparty zu planen, für meine damalige Freundin Patricia (Irradiation). Dabei haben wir bemerkt, wieviele Musiker wir eigentlich kennen, die wahnsinnig gut sind, aber so gut wie nie spielen. Es gibt die Clubs nicht, es gibt die Spielstätten nicht, es gibt die Veranstalter nicht, die heimische Elektronikmusiker buchen."
imperomon
Um 30 Liveacts und 30 DJs zu hören, muss man als temp~ Besucher viel zwischen den drei Floors laufen - und lange aufbleiben. Electric Indigo & Irradiation, Didi Bruckmayr oder Dan Lodig & Dextro beehrten das Publikum nach Mitternacht, und auf dem Clubfloor ging es tradtionell noch am Vormittag rund.
Während einige schon schlafen...
...sitzen andere noch vor dem Eingang: "Wir dürfen die Sektflasche nicht mit reinnehmen *glugg glugg*"
Immer parat: Die Frische Mode Männer
Heute (Sonntag) Nachmittag gibt es auch noch eine offizielle Afterhour des temp~ Festivals - die findet allerdings nicht in Greifenstein statt, sondern im Wiener Fluc.