fm4.ORF.at ORF.at login
StreamPodcastsMail an FM4
zurück zur TitelseiteSOUNDPARK - Your Place for Homegrown MusicSTATION - alles rund um den RadiosendernotesCHAT
Wien | 2.10.2002 | 14:07 
Bits, Beats and Breaks.

Gerlinde, Glashuettner, Trishes

 
 
Kopierschutz pfui?
  Viele von euch kennen das: ihr kauft euch eine Musik-CD, schiebt sie ins Computer-Laufwerk um sie anzuhören, und nichts geht. Der Rechner verweigert, die eben erstandene CD abzuspielen, weil sie kopiergeschützt ist. Zwar kann man jeden Kopierschutz irgendwie knacken, dennoch nervt das ganze. Jetzt hat die IFPI, das ist der Internationale Verband der Musikwirtschaft, ein neues Logo vorgestellt. Es soll auf allen kopiergeschützten CDs aufscheinen, damit man in Zukunft schon vor dem Kauf weiß: Aha, die CD hat irgendeine Form von Kopierschutz und kann möglicherweise nicht am Computer angehört werden.
 
 
Verkaufszahlen adé
  20 Millionen verkauften CDs in Österreich stehen heuer ebensoviele selbstgebrannte gegenüber. Die Albumverkäufe sind im letzten Jahr um 10% zurückgegangen, bei den Singles sind es sogar um die 25%. Künstler verlieren ihre Plattenverträge, die Labels bauen ein Viertel der Arbeitsplätze ab.
Deshalb das neue Kopierschutz-Logo: Die IFPI hat es entworfen und stellt es Plattenfirmen zur Vergfügung, die es frei - zur Information der Kunden - verwenden dürfen. Und ermutigt die Plattenfirmen damit, mehr und öfter Copy Protection einzusetzen.

 Dieses Logo werden wir schon bald auf vielen CDs sehen.
 
 
Kauf mich nicht
  Fragt sich natürlich, ob der Schuß nicht nach hinten losgeht. Werden die als kopiergeschützt gekennzeichneten CDs in Zukunft zu Ladenhütern? Wird der neu vorgestellte grafische IFPI-Hinweis in Wirklichkeit zum "Kauf mich nicht"-Logo? Thomas Böhm von der IFPI Austria bezweifelt das. "Ich denke nicht, daß die Kunden damit verärgert werden. Es gibt ja bei vielen anderen Produkten Kopierschutz, und da wird es auch akzeptiert: Software, Computerspiele, E-Books, ja sogar die VHS-Kassette ist kopiergeschützt."
 
 
 
CDs zu teuer?
  Schätzt Thomas Böhm die Lage richtig ein? Ich bin in ein Plattengeschäft gegangen und habe CD-Käufer um ihre Meinungen gefragt. Und wurde überrascht. Zwar finden alle die CDs zu teuer, aber viele stehen dem Thema Kopierschutz positiv gegenüber! Gibt es da einen Bewußtseinswandel beim Musikfan? Thomas Böhm: "Autoren, Komponisten, Interpreten und Händler stecken was rein, da muß man klar sehen, dass Musik auch etwas wert ist. Das Argument, ein Rohling koste nur 50 Cent, aber die bespielte CD so viel, stimmt einfach nicht - denn das wertvolle an einer Musik-CD ist ja nicht die Plastikscheibe an sich, sondern das, was drauf ist. Und die Musikproduktion ist nicht unbedingt billiger geworden. Hi-Tech-Studios kosten sehr viel Geld."

 Burn Baby Burn
 
 
Auch Tauschbörsen zocken ab
  Die CD-Verkäufe sind im letzten Jahr drastisch zurückgegangen - das Angebot an Musik dagegen ist stark angestiegen. Es gibt viel mehr Bands als früher und mehr verschiedene Stilrichtungen. Am meisten kopiert wird bei Tauschbörsen im Internet. Daran wird auch das Kopierschutz-Logo der IFPI nichts ändern. Thomas Böhm weist aber auf ein wichtiges Detail hin: die Tauschbörsen selbst verdienen durch ihre Aktivitäten oft Geld! "Die Leute, die KaZaA oder andere Tauschbörsen betreiben, machen das ja nicht aus karitativen Gründen. Sie versehen ihre Programme mit Spyware, sie kassieren für Werbebanners, und so weiter. Sie machen Kohle auf dem Rücken der Musiker, die sie um ihr Geld bringen."
 
 
 
Warum CDs?
  Die Spyware und Werbebanners der Tauschprogramme stören die Musik-Hörer kaum. Anscheinend akzeptieren aber auch die meisten Musikfans, dass die Plattenfirmen ihre CDs vor illegalen Kopien schützen. Aber welche CDs kaufen sich die Menschen nun im Zeitalter des Internet und der CD-Brenner? In den Plattenläden gaben die meisten als Grund für den Kauf an: das Booklet, die abgedruckten Texte, sowie den Wunsch, das ganze Album so zu besitzen, wie es sich der Künstler vorstellt.

 Oh Baby I like it raw
 
 
Der erhobene Zeigefinger
  Bisher werden nur wenige CDs tatsächlich mit fiesen Kopierschutzmethoden versehen. Das wird sich aber ändern, und das neue Logo der IFPI wird uns in Zukunft von vielen CDs entegegenschauen. Wie sich der Musikmarkt entwickeln wird, werden wir sehen. Eines jedoch ist klar, auch wenn es der erhobene Zeigefinger ist: Kopieren bleibt illegal, und verschenkt werden die CDs auch in Zukunft sicher nicht. Spannend wird, ab wann und in welcher Form die Plattenfirmen eigene Downloadserver betreiben werden, welche Formate sie benutzen werden und wie dann die Preisgestaltung aussehen wird.

 Die gute alte Platte konnte man halt nicht so leicht kopieren.
fm4 links
  ifpi.at

ifpi.org
   
 
back
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick