Mehr als das FM4-Album der Woche: 'Desperate Youth, Blood thirsty Babes' von TV on the Radio.
Die Sache mit dem Hype
Es gibt Bands, die verdienen keinen Hype. Nicht, weil sie (gecastete) Kunstprodukte mit viel Hülle und wenig Fülle wären oder etwa bereit sind, ihre Leidenschaft den gängigen Bedürfnissen des Marktes anzupassen und gerade deshalb nie etwas Leidenschaftliches zustande bringen werden - trotz Rotz (Jets) oder Operntimbre (Beyoncé). Im Gegenteil: die Bands, die ich meine, sind viel zu gut für das unbarmherzige Hinaufloben und Runtermachen-Spiel notgeiler Trendmedien. Und diese Bands sind dünn gesät, wie in den Chroniken der Zukunft nachzulesen sein wird. Eine Truppe wie TV on the Radio lässt sich eben nicht am Reißbrett entwerfen.
Men on Fire: David Andrew Sitek (Music/Guitar), Tunde Adebimpe (Vocals, Loops) und Kyp Malone (Vocals/Guitars/Loops); die "Stammmanschaft" von "TV on the Radio" aus Brooklyn/NY ...
Glaubet und höret
TV on the Radio verdienen keinen Hype. Und trotzdem würde ich am liebsten mit einer brennenden Fackel nackert durch die Stadt laufen und in dunkle Staßen plärren: "Höret und glaubet: 'Desperate Youth, Blood Thirsty Babes' (Touch and Go/4AD) ist das stärkste und beste Debutalbum seit vielen langen Jahren!"
Höret und glaubet
Das Album ist so gut, so unique, so ungewöhnlich, und so nah dran an ALLEM, dass es mir noch heute eine Gänsehaut aufzieht, wenn ich Songs wie "Dreams", "King Eternal" und "Staring at the Sun" höre. Und die CD rotiert immerhin seit Ende Jänner schön regelmäßig in meinem Laptop. Zusammengetönt wurde das Album in weirden, nächtelangen Sessions in einer Künstler-WG in Williamsburg; aufgenommen in einem von den "Spezi-Bands" Yeah Yeah Yeahs, den Liars und TV on the Radio zusammengebastelten Studio in der Einöde von New Jersey.
... neuerdings erweitert um Drummer und Tänzer Jaleel Bunton und Bassisten Gerard Smith.
"Desperate Youth, Blood thirsty Babes" ist ein Abgesang auf den amerikanischen (Alp)traum, der Gospel, Noise, Soul, LoFi-Beats, Doowops, Distortion, Psychedelic und Boogie Woogie zu einer unwiderstehlichen Kakophonie verschneidet, dass am Ende Baumwollfelder im Probekeller wachsen, die Everglades zufrieren und ein Blizzard durch die Wüste Arizonas wirbelt.
Gold aus heißen Kehlen
Dabei strahlt diese Musik eine verstimmte, zornige Schönheit aus, an die sich das Ohr erst einmal gewöhnen muss. Aber so ist es doch immer mit wirklich neuen Tonkombinationen. War bei Bob Dylan, den Velvets oder auch Sonic Youth nicht anders. Und wenn TV on the Radio nicht durch ihre unglaubliche Leidenschaft zerissen werden, dann könnte es durchaus sein, dass sie auf den Olymp der Altvorderen kraxeln und aus heissen Kehlen Gold auf die Menschheit keuchen: "Oh fucking eternal!".
Mehr von Allem
TV on the Radio Interview morgen Sonntag im FM4-Sumpf ab 21 Uhr.
Nächste Woche in diesem Log: TV on The Radio Sänger Tunde über die neuen Formen des Rassismus in den USA.
All men condemmned by men to die ...
... damned by blind bitch in hallowed halls ...
... cover your balls cuz we swing kung fu (King Eternal).
All your dreams are over now ...
... and all your wings have fallen down (Dreams).
Woke up in a magic nigger movie ...
... served on little severed bloody brown hands (The Wrong Way).
Bomb your country ...
Oh shed no tears ...
... final fantasy (Bomb Yourself).
I will be your accident ...
... if you will be my ambulance (Ambulance).
title: Desperate Youth, Bloodthirsty Babes artist: TV on the Radio length: 1:22 MP3 (1.315MB) | WMA