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New York | 29.7.2004 | 11:49 
Süß/saure Geschichten aus dem Big Apple

Rotifer, Matthews, Ondrusova

 
 
Fahrenheit 9/11
  Über den neuen Film von Michael Moore zur 'FM4- und DER STANDARD Preview' im Wiener Urania Kino am 4. August.
 
 
 
Kopf ab?
  Ob man in 'Fahrenheit 9/11' denn auch eine Enthauptung zu sehen bekommt, hat mich ein Kameramann des TV-Networks NBC nach der US-Premiere in New York gefragt.

"Aber sicher doch!", lautete meine Antwort, "wenn auch nicht so, wie man sich das vielleicht erwartet." Und dann hab ich dem NBC-Mitarbeiter von der blutrünstigen Exekution eines Verurteilten duch saudi-arabische Henker erzählt. Die symbolische Enthauptung des amerikanischen Präsidenten musste ich nicht extra erwähnen. Ist ja schließlich ein Michael Moore-Film.

 
 
Polemische Tour de Force
  'Fahrenheit 9/11' ist eine polemische "Tour de Force" gegen George W. Bush und seine Vertrauten. Moore zeigt eine US-Administration, die aus egoistischen Gründen und einem fehlgeleiteten Weltbild die Wahrheit schminkt und sowohl die eigene Bevölkerung als auch die internationale Gemeinschaft über Vorspielung falscher Tatsachen in Krieg und Zwietracht verwickelt.

Moore begleitet seinen Erzfeind Bush von der "gefakten" Präsidentenwahl im November 2000 über die Ereignisse am 11. September 2001 bis hin zum "War on Terror", der direkt zu den Feldzügen in Afghanistan und dem Irak führt. Darüber hinaus beschäftig er sich mit den Folgen des Irakkrieges für Land und Leute in den USA und dem Zwischenstromland. Mittels Montage von reichlich Archivmaterial, Entertainment-Tools (ca. 3 Compilations voll bekannter Rockklassiker) und den berüchtigten Live-Konfrontationen hat Michael Moore mit 'Fahrenheit 9/11' eine ganz persönliche Abrechnung mit dem amtierenden US-Präsidenten gebastelt. Dabei schreckt er nicht vor drastischen Darstellungsmitteln zurück. Eindringlich bis sozialpornografisch sind die Szenen, in denen irakische und amerikanische Familien den Tod ihrer Verwandten beweinen. Der Regisseur hält direkt drauf - wie Soldaten im Nahkampf.

 Friends will be Friends?
 
 
Alte Bekannte
  In 'Fahrenheit 9/11' treffen wir auch wieder auf Altbekannte im Moore'schen Filmschaffen. Das Städtchen Flint in Michigan dient einmal mehr als Vorzeige-Ort "echter" amerikanischer Verhältnisse (hier als Army-Rekrutierungsposten für arbeitslose Jugendliche). Und auch andere Ingredenzien aus vorangegangenen Filmen und Büchern dürfen nicht fehlen. Die Militarisierung des Alltags durch die US-Administration wird ebenso thematisiert, wie das Schüren von Panik durch die US-Regierung, um im Austausch mit der Terrorangst die Freiheitsrechte der Bürger mittels Gesetzen wie dem 'Patriot Act' einzuschränken.

 Laut Moore geht es der derzeitigen US-Regierung nur um...
 
 
"Ich bin hier der Patriot"
  Was 'Fahrenheit 9/11' so gefährlich für den derzeitigen Amtsinhaber macht, ist Michael Moore's perfektes Spiel auf dem Klavier des Patriotismus. Während die meisten "linken" Intellektuellen, Filmemacher und Autoren jede Form der ausgestellten Heimatverbundeheit liebend gern den Konservativen überlassen, besetzt der Polemiker Moore dieses Feld mit einer Selbstverständlichkeit, die sogar moderate Bush-Anhänger zu überzeugen vermag.

 Michael setzt auf Patriotismus aus dem Setzkasten.
 
 
Rekordfilm
  Entgegen der ersten Prognosen zum Filmstart spricht 'Fahrenheit 9/11' nicht nur jene Amerikaner an, die ohnehin schon vorher gegen die Regierung und die Intervention im Irak waren. Sogar der ultrakonservative Sender Fox, der Moore schon mal als "Goebbels" der Filmindustrie beschimpft, hat in den Fox-News 'Fahrenheit 9/11' als patriotischen Film bezeichnet, den jeder Amerikaner gesehen haben sollte.

Fahrenheit 9/11' läuft auch abseits der Metropolen hervorragend und hat am letzten Wochenende die Einspielmarke von 100 Millionen Dollar überschritten. Das ist absoluter Rekord für eine "Dokumentation". Doch selbst Moore weiß, dass dieses Etikett mit all seinen journalistischen Implikationen nicht wirklich zu seinen Filmen passt. Lieber bezeichnet er sie da schon etwas unverbindlicher als "Non Fiction".

 Mit über 100 Millionen Dollar schon jetzt die erfolgreichste "Doku" aller Zeiten.
 
 
  Alles wie gehabt. Alles Michael Moore. Aber zuviel möchte ich über den Film noch nicht verraten. Schaut ihn euch an und urteilt selbst.
 
 
 
"FM4- DER STANDARD Preview"
  FM4 und DER STANDARD laden zur Preview von FAHRENHEIT 9/11 (OmU) am Mi 04. August 2004 um 20.00 Uhr im Urania Kino (Uraniastr. 1, 1010 Wien).
 
 
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