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New York | 31.3.2005 | 03:33 
Süß/saure Geschichten aus dem Big Apple

Rotifer, Matthews, Ondrusova

 
 
Prime Cuts: The Bravery
  Von tapferen Recken, mächtiger Minne und der Eroberung Englands.

 
 
 
  "If u wanna do it, u gotta do it!"

(Sam Endicott, The Bravery)


Es begab sich im Jahr des Herren 2004. Da ward das Königreich England von Eroberern bedroht.

Fünf tapfere Recken aus dem Westen fuhren über das große Wasser. Sie verfolgten einen kühnen Plan. Trunken vor Gier nach Wein, Weib und Gesang wollten sie mit einem Überraschungsangriff die Feste London erstürmen und die Krone Englands an sich reißen.

Die fünf Abenteurer kannten keine Furcht und nannten sich deshalb The Bravery. Ihre Waffen funkelten in der Sonne als sie auf die Küste Englands zuhielten. Der Anführer, den sie Sam Endicott riefen, wusste, dass es nun kein Zurück mehr geben würde.

Er schmeckte das Salz auf seinen Lippen, spürte den Wind in seiner nach vorn gerollten Locke, dachte an die Schande und Verschmähung in der Heimat und sprang tollkühn über die Reling auf den weichen Sandboden Englands.

Nun waren sie gelandet mit wilden Träumen und Feuer im Busen.

Keine Streitmacht, keine Hexen, keine Drachen stellten sich dem Haufen entgegen. Niemand hatte mit den Tapferen gerechnet. Die Landung blieb (vorerst) unentdeckt.

 
 
  Derweilen bereiteten die Herrscher von England, die auf den eigentümlichen Namen Franz Ferdinand hörten und von Schottland aus die Krone an sich gerissen hatten, die Thronübergabe an die streitlustigen Kaiser Chiefs vor. Selbige trugen ihren Anspruch stolz in Wappen und Namen. Nachdem sich die legitimen Majestäten der Libertines noch vor der Thronbesteigung von Franz Ferdinand durch Völler- und Festerei als unzuverlässig und ungeschickt erwiesen, schien der Weg frei für des Kaisers Chiefs.

Doch niemand hatte mit den Tapferen aus dem Westen gerechnet.

Nun trug es sich zu, dass Sam Endicott und seine Mannen zu einer List griffen, um sich Zutritt zur Feste London zu verschaffen. Sie tarnten sich als rüpelhaftes Lumpenpack und versteckten Drehleier und Dudelsack unter stinkenden Mänteln.

So passierten Sam und seine starken Männer das Tor zur Stadt und damit das Tor zu Ruhm und Ehre.

 
 
  Nun begab sich Folgendes: Anstatt sich in die erlauchte Gesellschaft des königlichen Hofs einzuschleichen und einen gewaltsamen Umsturz anzustrengen, schalmeiten sich die wackeren Helden in die Herzen des Pöbels.

The Bravery trieben sich fortan in verruchten Vorstadtspelunken herum, spielten ungefragt auf, wurden zuerst mit faulem Salat beworfen und dann vor Freude über die gar übervolle Musik mit Wein und Weib belohnt.

The Bravery spielten wilder auf als die heimischen Bänkelmusikanten. Sie gaben sich gemein und waren gemein. Sie tranken mit dem Pöbel um die Wette. Sie rauften, lachten und furzten.

Sie schmückten ihre Musik mit mehr fremden Federn als alle Minnesänger Londons zusammen.

Und das Volk lauschte, tanzte und geriet in Verzückung, weil das Volk von England wilde Männer mag.

Und die Kunde begann sich zu verbreiten und erreichte die Hofberichterstatter, die sich alsbald auf die Suche nach den verwegenen Musikanten aus der Fremde machten.

 
 
  Und lasst Euch erzählen! Die Hofberichterstatter fanden Sam Endicott und seine Horde in einer Orgie in einem der größten Gasthäuser innerhalb der Stadtmauern.

Und die Hofberichterstatter zuckten mit ihrem Tanzbein und zückten dann die Feder. Kein Dolch sollte diese Jubelkunde werden.

Darauf hin verbreitete sich die Botschaft von den wilden Recken vom Ende der Welt wie ein Lauffeuer im ganzen Königreich.

Viele Edelmänner rümpften die Nase, weil die Tapferen ihre Musik mit bunteren, fremden Federn schmückten als sie selbst. Doch einige alte Lords (Sir Elton, Duke Bono) begegneten den Tapferen mit Wohlwollen und forderten gar eine Erhebung in den Adelsstand.

Einstweilen begann das Volk von England die Lieder der Tapferen zu singen und geriet alsbald in ekstatischen Aufruhr und so manch Burgfräulein überreichte freiwillig den Schlüssel zum Keuschheitsgürtel.

Und ehe noch das Königshaus Kunde hatte von den barbarischen Invasoren, riefen die Hofberichterstatter die Tapferen kurzerhand zu den neuen Königen von England aus.

So einfach funktionierte das damals und genau so hat es sich zugetragen!

Und deshalb - liebe Leute - lasst Euch sagen:

"If u wanna do it, u gotta do it!"

(Sam Endicott, König von England (für 5 Minuten))


 
audio
 
title: Prime Cuts: The Bravery - The Bravery
length: 0:55
MP3 (882KB) | WMA
   
 
 
The Bravery 2004
 
 
Quellen
  Die tapferste Band der Welt

The Bravery ungeschminkt

The Bravery (offizielle Bandsite)
 
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