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New York | 19.10.2005 | 11:15 
Süß/saure Geschichten aus dem Big Apple

Rotifer, Matthews, Ondrusova

 
 
Schluss mit Bobo! Her mit Über-
  Ein transatlantischer Vorschlag, um ein Missverständnis mit einem Blödsinn auszutreiben.
 
 
 
  "In New York hat man es mit der Welt zu tun, in Österreich mit Österreich".

Diese arrogante Feststellung (in NY hat man es nicht mit der ganzen Welt zu tun), war meine Antwort auf die Frage eines Freundes, was denn nun meiner Meinung nach der größte Unterschied zwischen dem Leben in Österreich und dem in New York wäre.

Wenn jetzt die ersten Steine fliegen, versteh ich das gut, nehme aber kein Wort zurück.

(Verstehen kann ich das deshalb, weil es mir unlängst wegen einer ähnlichen Sache kurzfristig die Zornesröte ins Gesicht getrieben hat. Man lässt sich bestimmte Dinge nämlich nicht gern reinsagen. Vor allem dann, wenn man weiß, dass der Anwurf stimmt. Und wenn dieser gar von jemand Außenstehenden kommt - Hut ab, Helm auf! Lange Schreibe kurzer Sinn: Ich habe in einer der letzten Ausgaben des Time Out Magazine New York gelesen, dass das Beste an einem kürzlich in Tribeca eröffneten östereichischen Restaurant der Umstand ist, dass dort keine österreichische Küche aufgetischt wird. Dann setzte der Autor noch einen blöden Schnitzel-Witz unter die Review und ich verwandelte mich in einen rot/weiß/roten Hulk - wenn auch nur für einen kurzen Moment. Also werft ruhig Eure Steine, zwischen uns liegt momentan ohnehin ein ganzer Atlantik ... hehehe).

 Bobo (laut Google - Bildersuche)
 
 
  Die Obsession der Österreicher mit Österreich bedarf keiner näheren Erläuterung und wurde schon von vielen klugen Köpfen historisch, politisch und kulturell aufgedröselt. Nur eine Sache sei hier kurz erwähnt. Als einer der Gründe für die (auch von Kritikern) genüsslich bis zum Magengeschwür gepflegte Nabelschau wird die territoriale und infrastrukturelle Begrenztheit des Landes genannt. Österreich ist klein. So klein, dass man beim regelmäßigen Konsum heimischer Medien mit der Zeit das Gefühl bekommt, es würden einem immer die gleichen fünf Typen erzählen wollen, wo's lang geht. Im kleinen Land gibt es also nur wenig Auswahlmöglichkeiten, da für bestimmte Interessensgruppen nur jeweils wenige österreichischen Medien zur Verfügung stehen. Und genau dieser Umstand treibt bisweilen seltsame Blüten, die woanders nie gedeihen würden, hierzulande aber solange diskutiert werden, bis aus Gänseblümchen in den grauen Himmel wachsende Bohnenranken werden.

Und genau dieser Umstand ist meiner bescheidenen Beobachtung von Außen nach auch für die große Bobo-Misere mitverantwortlich, die - wie es scheint - das überschaubare junge und urbane Völkchen in Österreich seit langem in Bann hält.

Was ein Bobo ist, kann, soll, wählt, säuft, kauft, trägt, hört, isst, wurde nicht nur hier im Forum weidlich diskutiert. Auch wer denn jetzt dazugehören würde und wer nicht. Und dass die, die nicht dazugehören wollen, genau deshalb dazugehören, weil sie nicht dazugehören wollen. Nur ein Bobo ist schließlich imstande, den Gipfel der Definitionsmacht zu erklimmen, sich selbst in Frage zu stellen.

 Bobo (laut Google - Bildersuche)
 
 
  Das alles wegen eines Falter-Artikels mit genialem Titel, aber einer soziologisch verwässerten und schon bei Erscheinen vor etwas über einem Jahr längst gegessenen Kategorisierung von Menschen, die vor allem eines sind: Falter-Leser (und weiter FM4-Hörerchens, Der Standard Studenten Abonnenten, bisschen Ö1, manchmal Datum usw.).

Nun denn und somit zu meiner Arroganz. Da, wo ich gerade lebe, ist der Bobo mittlerweile unbekannt. Er ist spätestens mit dem Platzen der IT-Seifenblase ausgestorben und das ist schon ein Weilchen her.
Das soll aber nicht heißen, dass es in den USA an neuartigem Blödsinn dieser Art mangeln würde.
Und deshalb möchte ich euch hier offiziell etwas Ähnliches vorstellen, ein "Phänomen", das das mediale Amiland in der letzten Woche über die Gebühren beschäftigte. Ich werfe es hiermit den Bobo-Fanatics vor die Füße, um den alten Unfug mit einem neuen Blödsinn austreiben.
Let me introduce to u, das Konzept des:

Ü.B.E.R.S.E.X.U.A.L.

Manche von Euch mögen jetzt einwenden, dass der Übersexual ja in Wahrheit der (il)legitime Nachfolger vom Metrosexual sein müsse (was er auch ist) und ausschließlich die neumodischen Verhaltensweisen der Spezies "Männlein" beschreiben würde. Dass dieser Vergleich also hinkt wie Captain Ahab auf den Planken der Pequod.

Ich sage nur: Egal!

Alles was das Bobo-Gespenst austreibt ist nicht nur billig sondern auch recht.

Und wer von mir eine Erklärung erwartet, was denn nun ein Übersexual sei: keine Ahnung! Interessiert mich auch gar nicht, der Blödsinn.

 Bobo (laut Google - Bildersuche)
 
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