Die Gorillaz und ihre fünftägige Residency im Apollo Theater in Harlem.
Harlem Nights
Alle waren sie da!
Neneh Cherry
Bootie Brown von Pharcyde
De La Soul
Ike Turner
Roots Manuva
Martina Topley Bird
Shaun Ryder
der Children's und Harlem Gospel Choir
sogar der verstorbene Ibrahim Ferrer via Videoeinspielung
only per clip auch MF Doom
und natürlich Noodle, 2D, Murdoc und Russel
Damon Albarn, der war selbstredend auch da
und eine Band, ein kleines Orchester, Background- SängerInnen und wir, die Zuschauer, ja wir waren auch da!
Alle, die beim zweiten Gorillaz Album Demon Days mitgewirkt haben, waren auf die eine oder andere Art anwesend.
Nur Magie fehlte.
Nein nicht Maggie, MAGIE
2D & Murdoc als Waldorf & Statler (Pic by Brooklynvegan.com).
Lag es an der trüben Regenstimmung an diesem Montagabend? Oder doch an der fürchterlichen Soundabmischung im Apollo Theater? Oder daran, dass die Gorillaz in eine mickrige Leinwand gesperrt wurden und die Show dadurch den Charm eines Dia-Vortrags im Turnsaal einer Schule versprühte (am Premierensonntag funktionierten die Zuspielungen aufgrund eines technischen Gebrechens überhaupt nicht).
Oder lag es vielleicht gar daran, dass das Vorhaben, ein genial abstrahiertes Bandprojekt live auf eine Bühne zu zwingen, von Beginn an zum Scheitern verurteilt war?
Ich will ja hier nicht den "Waldorf & Statler" aus der Muppets Show geben, das haben 2D & Murdoc als Theaterpuppen ohnehin selbst erledigt, aber die Live-Aufführung von Demon Days war - bis auf einige Ausnahmen - eine enttäuschende und unrunde Angelegenheit.
Martina Topley Bird & Roots Manuva bei der Performance von 'White Light', einer der wenigen gelungenen Darbietungen des Abends. Pic by Rahav Segev/Photopass.com
Sämtliche Artists wirkten, als stünden sie sich dauernd im Wege, als wäre das alles die erste Aufführung ever, als hätte sich der Regisseur durch eine Hintertür irgendwo in einen Leuchtturm auf eine einsame Klippe verzogen. Selbiger hört auf den Namen Damon Albarn, trat zu einer schrecklichen World Music-Zither-Zugabe dann doch noch persönlich auf die Bühne und musste mit Hilfe von 2D und Murdoc am Balkon die Leute geradezu auffordern, ihre Standing-Ovations abzuliefern.
Am Publikum lag's jedenfalls nicht. Da saßen überwiegend Die-Hard Fans im Auditorium, die ein kleines Vermögen für ihre Tickets bezahlten und immer wieder versuchten Stimmung zu machen und sich selbst und die anderen zu motivieren.
Das gelang naturgemäß vor allem bei den druckvolleren Stücken 'Feel Good Inc.' (De La Soul), 'White Light' (Martina Topley Bird & Roots Manuva) und der wunderbaren Performance von Bootie Brown und dem Children's Choir ('Dirty Harry'). Da standen die Fans auf den Sitzen, um bald darauf von den sanft sicherenden Händen der Security zurück in die Sessel gewiesen zu werden.
Manchester-Rave-Grandpa Shaun Ryder ('Dare') hatte sichtlich Spaß auf der Bühne, gerade weil ihm das alles ziemlich egal zu sein schien. Und wie es aussieht, besitzt er noch immer das selbe Hemd wie im 'Kinky Afro' Video...
Booty Brown und der Children´s Choir. Pic by Rahav Segev/Photopass.com
Die langsamen Stücke gingen hingegen in einer soundtechnischen Indifferenz unter, dass zum Beispiel der Titelsong 'Demon Days' nicht einmal mehr durch den Harlem Gospel Chor zu retten war. Der dumpf dahinbröselnde Bass deckte alles Menschliche zu. Da konnte man kurz den Eindruck gewinnen, dass selbst die Cartoons am Screen Mitleid mit den fleischlichen Musikern hatten. Ratlose Gesichter im Publikum, ratlose Gesichter auf der Bühne. Das war auch mit dem Goodwill aller Beteiligten nicht mehr zu kaschieren.
Den traurigen Höhepunkt stellte der "Auftritt" von Ike Turner dar, der sich sichtlich auf einem anderen Planeten befindend zum Klavier schleppte und dermaßen daneben griff, dass die gesamte Rhythmussektion in sich zusammenfiel. Es war traurig anzusehen, dass dies niemand besser wusste, als Ike selbst. Ein verlegenes Lächeln in Richtung Band, nur zwei Minuten später torkelte er wieder zurück zum Bühnenrand.
So gern ich es täte, ich kann Euch leider nichts Bessers von der Show dieser gezeichneten Sympathieträger berichten.
Vielleicht kriegen das Albarn und seine Gorillaz irgendwann doch noch auf die Reihe. Heute, Donnerstag, geht die letzte der fünf New York Shows über die Bühne. Auf der Gorillaz Webpage wird dieses Konzert 1:1 gestreamt und die Live-DVD, aufgenommen in Manchester mit fast dem gleichen Line-Up wie in Harlem, soll ja angeblich ganz gut gelungen sein.
Ich also wieder raus in den Regen und rein in die U-Bahn. Das sich der Typ, der mir gegenüber gesessen ist, seelenruhig ein Crack-Pfeifchen angezündet hat, verstärkte nur das desperate Gefühl an diesem Abend. Demon Days and Demon Nights.