Eine dilettantische Schmierenkomödie mit Clap Your Hands Say Yeah, den Cold War Kids, Decemberists, Hot Club De Paris, The Rakes, Brett Anderson, Malajube und Elvis Perkins.
Clap Your Hands Say Yeah
Liebe Leute. Wahrscheinlich ist das hier das bis dato dilettantischste Update in diesem Hostbereich. Wie die Webpage der Cold War Kids streue auch ich Euch eine Collage aus Fotos, Zitaten und vielleicht ein/zwei Gedanken zu den dargestellten Personen, ihren Liveanstrengungen und aktuellen Albumveröffentlichungen in die Augen.
Schuld an dieser Hast ist Berlin, das mich die letzten paar Tage mit einer leckeren Reihe von Interviews und Konzerten gefüttert hat, die ich hier einzeln nicht abhandeln konnte. Ganz dicke.
Berlinale? Keine Zeit - leider. BerlinerInnen? Auch nicht! Dafür hab ich Elvis getroffen und musste nicht einmal in den Himmel steigen.
Aber alles der Reihe nach: Vorhang auf für den ersten Darsteller dieser dilettantischen Schmierenkomödie.
Vorhang auf für Alec Ounsworth, den egozentrischen Frontmann von Clap Your Hands Say Yeah, deren neues Album 'Some Loud Thunder' im heutigen FM4-Connected (ab 14 Uhr) in einer Listening Session + Interview vorgestellt wird und die vor genau einer Woche ein unglaublich scharfes und gutes Konzert im Fritzclub am Ostbahnhof spielten (die CYHSY Gigs, die ich bis dahin in New York gesehen habe, waren eher lahm).
Alec Ounsworth
Berlin im dicken Februar 2007
"He, he, he. Many critics moan my new songs are not so good as my old ones but i wrote them all at the same time and i simply don´t care anyway...he, he, he."
Die Kinder des Kalten Krieges
Clap Your Hands Say Yeah spielten diesen Gig im Ostbahnhof gemeinsam mit Elvis Perkins und den Cold War Kids. Von letztern war ich auch dieses Mal so wenig beeindruckt wie schon beim CMJ-Music Marathon in New York. Die Band rund um Nathan Willet dudelt und jamt so lange an ihren Songs herum (vorwiegend vom aktuellen Longplayer 'Robbers & Cowards'), bis auch das letzte Stückchen Restwertseele entwichen ist. Merke: was in der WG nach drei lustigen Zigaretten 20 Minuten lang funktioniert, nämlich bei anderen Dröselköpfen mit drei Riffs und Freihandschlagzeugimpro für offene Münder zu sorgen, verpufft in der Weite des Konzertsaals wie das kreativen Schaffen bei Rückkehr nüchterner Zustände.
Die Platte ist trotzdem toll.
Pump up the Jam: Die Cold War Kids im Fritzclub am Ostbahnhof.
Der King und sein Schatten
Vorher im Backstage-Bereich treffe ich dann tatsächlich auf einen Typen, der Elvis Perkins heißt und Singer/Songwriter aus New York ist. Der Name soll keine ironische Anspielung sein, sondern legt Zeugnis von einer Rock & Rolligen Leidenschaft der Eltern ab. Elvis Perkins heißt tatsächlich Elvis Perkins. Das ist insofern eine brisante Mischung, weil der (nichtverwandte) Perkins mit Vornamen Carl der Urheber eines Songs namens Blues Suede Shoes ist, der aber erst aus der goldenen Kehle von Elvis (mit dem Nachnamen Presley) in den Fifties so richtig weltberühmt wurde. Carl Perkins erlitt währendessen einen schweren Autounfall, verfiel dem Alkohol und beschuldigte später Elvis, ihm seine Karriere gestohlen zu haben. Perkins avancierte in Folge immerhin zu einem beachteten Rockabilly Star und spielte auch in der Johnny Cash Band mit (mein erstes Tattoo trägt ihm zu Ehren den Namen 'A southern rocking wolve named Carl', aber das ist eine andere Geschichte...).
Das Elvis Perkins Album 'Ash Wednesday' ist in Europa noch nicht erschienen, aber der nette Kerl hat gemeinsam mit den Cold War Kids ein Ständchen für uns ins Mikro geträllert (den Country Klassiker 'Sweet Roseanne', original vom Bright Light Quartett), der nicht nur weiter unten auf dieser Seite zu hören, sondern auch auf der Website der Cold War Kids zu sehen ist...
Elvis feierte an diesem denkwürdigen Konzertabend in Berlin Geburtstag und wurde vom Chor, bestehend aus den Mitgliedern von Clap Your Hand Say Yeah und den Cold War Kids, sowie dem Berliner Publikum, mit dem obligatorischen Ständchen bedacht. Sweet.
Die Gitarre von Elvis
title: Elvis Perkins feat Cold War Kids Ständchen für FM4 length: 3:45 MP3 (3.605MB) | WMA
Steno mit Club de Paris und The Rakes
Weiter in die schwitzenden Katakomben des White Trash an der Schönhauser Allee zu Hot Club De Paris. Das Trio aus Liverpool ist ein Trio des Wahnsinns, der Breaks und Zweiundsiebzigstel Rhythmen (wenn es die gäben würde) Singen wir "Fun", springen wir "Punk" und denken dabei an nichts und dann doch an viel, nämlich an Black Flag, die Toy Dolls, Green Day, Helmet, die Specials, The Seconds, NOFX, The Coke Dares und Margret Thatcher mit Baseball Kappe.
Die Katakomben schwitzten und M, extra für ein Konzertwochenende nach Berlin gekommen (u.a. wegen The Good, The Bad and The Queen, laut M. gut aber dann doch etwas sehr professionell), grinste übers ganze Gesicht. Mensch! Da is wat los!
Uff - nur noch wenig Zeit für diese dilettantische Schmierenkomödie hier, also weiter zu The Rakes aus London. Die waren da, um der Presse ein neues Album vorzustellen. 'The New Message' klingt beim ersten schnellen hinhören wie eines dieser prinzipiell guten Alben, die man aber nicht unbedingt braucht. Und wenn man das Ding dann einige male rotieren lässt, dann wird man in eine kleine, wunderbare Welt voller pfiffiger Geschichten gesaugt, deren Gast man auch etwas länger bleiben will. Und wieder einmal die erschöpfende Erkenntnis: es gibt nicht zu wenig gute Bands, es gibt viel zu viele davon.
Frage: Wer ist dieser Styler?
Zum Frühstück nahm er schwarzen Tee ohne Milch und Zucker und anwortete auf die Frage, welche zeitgenössischen Philosophen er lesen würde, mit "Sartre"...
Hot Club De Paris im White Trash: 'Hello, I Wrote A Song For You Called "Welcome To The Jungle"'
Zeitreisen mit den Decemberists
Seit dem Decemberists Gig am vergangenen Mittwoch (wieder im Fritzclub am Ostbahnhof) hat das Wort "Interaktion" für mich eine zusätzliche Bedeutung gewonnen (dazu aber an anderer Stelle mehr). Nur soviel sei verraten: wer ein Instrument beherrscht und mit den Decemberists spielen will, sollte sich am kommenden Montag im Wiener Flex ganz nah zur Bühne begeben. Ich weiß ja nicht, ob das bei den Folkrockern aus Portland Methode hat, aber in Berlin wurden am Ende der Show Leute auf die Bühne gebeten, um mit der Band Gitarre zu spielen (die Instrumente stellt die Band zur Verfügung)
Wahnsinns Konzert übrigens. Frontmann Colin Meloy hat eindrucksvoll gezeigt, dass er nicht nur den mürrischen Captain Baines drauf hat, sondern auch den "Elvis 1956" UND den "Elvis 1975".
Unsere französisch/deutsche/israelische und österreichische Besuchergemeinschaft war begeistert.
Beim epischen 'The Island' übten sich sogar einige alte und junge Progrocker im Publikum in der Sportart des Folkbangings. Und bei meinem Favourite 'The Engine Driver' fuhr ich dann endgültig mit meiner Spielzeuglok raus aus dem Ostbahnhof direkt ins 19 Jahrhundert.
Die Decemberists live im Wiener Flex am Montag, 19.02.2007
Die Ziges zu Hause lassen, es herrscht Rauchverbot.
Die Extrem-Hippie Frau von der Vorgruppe LAVENDER DIAMOND schwebte so lange entrückt über die Bühne, bis sie bei der Zugabe der Decemberists schließlich über ihre eigenen Beine stolperte und fürchterlich zu Boden krachte.
Elvis - äh - Colin has left the building.
Malajube
Was hat das alles mit der frankokanadischen Band Malajube zu tun, werden sich die werten Leser jetzt fragen. Ganz einfach: reinhören und wissen. Album kommt im Frühjahr auch endlich in Europa offiziell heraus.