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New York | 26.3.2007 | 10:27 
Süß/saure Geschichten aus dem Big Apple

Rotifer, Matthews, Ondrusova

 
 
Der beste Song aller Zeiten
  Warum es ihn gibt, woran man ihn erkennt und wie er sich anfühlt. Oder: Malajube I
 
 
 
I
  Freitag, 23.03.07, Magnet Club ca. Mitternacht

Ich stehe im besten Song aller Zeiten. Malajube spielen 'Casse-Cou' - ohrenbetäubend, betörend. Ich kenne dieses Stück schon länger, doch jeder beste Song aller Zeiten braucht den richtigen Ort, den richtigen Augenblick und eine gewisse Aufnahmebereitschaft, um aus dem Dickicht der Meterware hervorzutreten und sich zu entfalten. Ich stehe also im besten Song aller Zeiten und bin erst einmal weg. Zweifel ausgeschlossen, das ist er.

Jeder von uns erkennt ihn, immer wieder, den besten Song aller Zeiten, und ich meine nicht den biografisch bedingten besten Song aller Zeiten, oder jenen, den die Auskenner als solchen in eine Ewigenliste ganz nach oben schreiben, sondern den besten Song aller Zeiten, der in diesem Sinn frei von persönlicher Nostalgie und pophistorischer Relevanz ist.


 
 
II
  Wenn dich der beste Song aller Zeiten überfällt, gibt es ohnehin keine Geschichte, kein gestern oder morgen. Dann ist alles JETZT.

An diesem JETZT sollst Du ihn erkennen, den besten Song aller Zeiten, denn die Zeiten, sie kommen in diesem Moment, in dem ihr euch trefft, zusammen und sie bringen ihre Freunde mit: das Fühlen, das Erkennen, die Gewissheit und auch die Liebe.

Der beste Song aller Zeiten muss sich nicht beweisen, verfolgt keine Ziele, ist einfach da und kommt in den unmöglichsten Momenten auf dich zu. Das vor allem hat er mit der Liebe gemein, der beste Song aller Zeiten überfällt dich und ehe du noch ein Sportgetränk bestellen kannst, bist du ihm verfallen. Flucht ausgeschlossen. Gegen den besten Song aller Zeiten kann man sich nämlich gar nicht wehren - auch das hat er mit der Liebe gemein.

 
 
III
  Es ist gar nicht so einfach zu beschreiben, warum ausgerechnet jener Song der beste aller Zeiten ist in diesem Moment, schließlich hat er dich gerade gepackt, dummgeküsst, durchgeschüttelt, den Schlüssel angesetzt, dein Herz geöffnet, ist bis in die äußersten Bahnen deines Nervensystems vorgedrungen und hat dich auf eine Weise berührt, wie nur Musik es kann, ohne dass sich notwendigerweise Worte bilden müssen oder ein Sinn daraus ergibt. Da ist einfach diese Gewissheit, die sich sofort einstellt, sobald sich der beste Song aller Zeiten vorstellt. Das alles ist wahr. Kein Zweifel.

 
 
IV
  So steh ich also in diesem ohrenbetäubenden und -betörenden Lärm des besten Songs aller Zeiten, der in diesem Augenblick 'Casse-Cou' ist, und ahne schon die dramatischen Umstände, die zu seiner Entstehung geführt haben, obwohl ich kein Wort des frankokanadischen Kauderwelsch verstehe, hole mir am nächsten Tag beim Interview mit Malajube Sänger Julien die Bestätigung dieser Vorahnung und damit auch gleich die der unglaublichen Empathie und Genialität dieser Band ab, worüber hier aber ohnehin in einigen Wochen zum offiziellen Europa-Release des zweiten Malajube-Albums 'Trompe l'oeil' noch sehr ausführlich zu lesen sein wird.

Einstweilen will ich mich gar nicht mit weiteren Erklärungsversuchen abmühen. Wir sind gerade verliebt, der beste Song aller Zeiten und ich. Ihr versteht und kennt das ja aus eigener Erfahrung - oder?

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