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  Österreich | 4.12.2002 | 11:27   

 
 
Bowling for Columbine
  von Petra Erdmann
 
 
 
Bowling for Columbine
  Die amerikanische Verfassung besagt, dass jeder in den USA das Recht hat, Waffen zu tragen.
Und auch die ultrakonservative Waffenlobby, die National Rifle Association (kurz: NRA) mitsamt ihrem Präsidenten -Hollywood-Haudegen Charlton Heston -, propagiert nimmermüde eine mögliche gewaltsame Selbstverteidigung via Schusswaffen. Einen unbequemen Gegner hat die NRA bestimmt in Michael Moore gefunden. Moore ist einer der zynischsten und sozialkritischsten Dokumentarfilmer der USA. Seinem Ruf als kämpferischem Moralisten wird der 48jährige nun mit seiner Satire 'Bowling for Columbine' gerecht. Ausgestattet mit einer eigenen lebenslangen Mitgliedschaft bei der NRA und dem Champion-Titel als ehemaliger Junior-Scharfschütze hat Moore über die Jahre einige Thesen zusammengetragen, warum im Land der unbegrenzten Möglichkeiten Waffenwahn, Paranoia und die damit verbundene Bigotterie regieren. Ausgangspunkt ist das Massaker an der Columbine High School in Littleton. Im April 1999 erschossen zwei Schüler 12 ihrer Kameraden, einen Lehrer und zuletzt sich selbst.

 
 
Bowling oder Marilyn Manson?
  'Bowling for Columbine' könnte eine Benefizveranstaltung für die Opfer des Amoklaufs heißen. Doch Michael Moore wäre nicht das gewohnt humoristische Zünglein auf der Anti-US-Regierungs-Waage, meinte er den Titel seiner Dokumentation nicht ironisch: Die jugendlichen High School-Killer von Littleton hätten vor ihrer Wahnsinnstat eine Bowling-Partie geschoben. Warum also sollte nicht der populäre Volksport Grund für den blutigen Auszucker gewesen sein? Wäre doch denkbar. Ist doch eine mindest ebenso legitime Argumentation, wie sich das US-Volk, die Behörden, Psychologen und Medien über die teuflischen Gewalt-Inspirationsquellen wie Rock-Musik, Videogames und Filmkultur einig sind. Marilyn Manson war eines der Verleumdungsopfer und packt im Gepräch mit Michael Moore die Gelegenheit beim Schopf und lenkt die Verschwörungstheorien um.

 
 
  Der damalige Präsident Clinton griff am Tag des blutigen Columbine-Zwischenfalls mit Waffengewalt im Kosovo-Krieg ein.

Marilyn Manson: "The president was shooting bombs overseas, yet I'm a bad guy, because I sing some rock'n'roll songs. And who's the bigger influence: the president or Marilyn Manson? I'd like to think me, but I'm gonna go with the president."
Michael Moore: "Did you know that the day Columbine happened, the United States dropped more bombs on Kosovo than any other time during that war?"
M. Manson: "I do know that, and I think that's really ironic that nobody said: Wow, the president had any influence on this violent behaviour."


 
 
  Köstlich, wie sich der sanftmütig wirkende, dicke Regisseur und Baseballkappenträger Moore mit dem 'Pop-Satan' Marilyn Manson, der im kompletten Bühnen-Makeup in der engen Künstlergarderobe dahockt, verbündet. Beeindruckend, wie präzise der bekennende George W. Bush-Anhänger Manson die Ideologie-Hirnwaschmaschine der Wirtschaft und Politik ins 'out' schleudert: "That's how the media wants to take it and spin it and turn it into fear because then you are watching television, you're watching the news, you're being pumped full of fear, there are floods, there is AIDS, there is murder. Cut. The Commercial: buy the Colgate, if you have bad breath, the girls are not gonna fuck you, they're not gonna talk to you, if you've got pimples. It's a campaign of fear and consumption, and that's what I think: it's all based on the whole idea that keeps everyone afraid and they'll consume and that's the symbol it can be pulled down to."
 
 
 
Are we a nation of gun nuts or are we just nuts?
  In den USA sterben pro Jahr rund 11.000 Menschen durch Schusswaffengebrauch. Man bekommt Gewehre als Willkommensgeschenk bei Eröffnung eines Bankkontos oder Patronen als Zugabe zum Haarschnitt beim Friseur. Momentan kursieren rund 250 Millionen Schusswaffen in den Vereinigten Staaten. Michael Moore fängt sein Publikum am besten mit Absurdität und Lachern zu einem bierernsten Thema ein. Moore liefert Montagen: Interviews mit passionierten Waffennarren, Polizeivideos, die die offizielle Sicherheitsparanoia nur unterstreichen, bis hin zu den Real Crime Shows, die Sodom und Gomorrha suggerieren. Michael Moore arbeitet in 'Bowling for Columbine' etwa mit Zusammenschnitten altmodischer, gewaltversessener Cartoons, er lässt 'South Park'-Macher einen sarkastischen Abriss der amerikanischen Geschichte anbringen, oder Michael Moore persönlicher marschiert guerillamäßig gegen Supermarkt-Ketten wie 'Walmart', die die Verwendung von Waffen unterstützen. Zusammen mit zwei Überlebenden des Columbine-Massakers, deren Körper übersät mit Schuss- und Operationsnarben sind, protestiert Moore gewohnt lästig bis in die obersten Chefetagen gegen die Sorglosigkeit der Konzerne.

 Michael Moore bei der Eröffnung eines Bankkontos mit dem freundlichen Werbegeschenk der Bank.
 
 
  Freuen darf man sich auf mehrere Auftritte des 'Ben-Hur'-Veteranen und NRA-Präsidenten Charlton Heston, den Michael Moore, mit einem Foto eines Schusswaffenopfers bewaffnet, löchert und versucht, rhetorisch in die Enge zu treiben. Dieser Versuch ist ebenso aussichtslos wie
Moores naive Miene zum bösen Spiel den Unterhaltungsfaktor des Film rapide steigert. Michael Moore, Talk-Show-Betreiber, Buchautor, Filmemacher - das (ego)manische schlechte Gewissen der angeblich zivilisiertesten Nation der Welt hat wieder zugeschlagen. Mit 'Bowling for Columbine' hat der ungemütliche Zeitgenosse Moore einen scharfen und starken Angriff gegen die heuchlerische US-Politik und die gesteuerte Panikmache geschaffen.

 "From my cold dead hands!" - Charlton Heston, Präsident der NRA
 
 
FM4 lädt ein zur Premiere von "Bowling for Columbine"
  Wir verlosen 10x2 Karten unter allen, die folgende Gewinnfrage richtig beantworten:
Wer ist Roger in Michael Moores berüchtigter Dokumentation "Roger and me"?

Das Gewinnspiel ist beendet, die Gewinner wurden schon verständigt. Richtige Antwort: Roger B. Smith, CEO von General Mortors.

Die FM4-Premiere findet am Donnerstag, 5.12., im Wiener Votiv Kino statt. (Karten sind bis 19 Uhr 30 abzuholen, Filmbeginn 20 Uhr).
 
 
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