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  Österreich | 13.6.2003 | 15:36   

 
 
So macht Bier trinken Sinn
  von Claudia Unterweger
 
 
 
  Ein Dach überm Kopf, eine Mahlzeit pro Tag, medizinische Grundversorgung - für viele Flüchtlinge hierzulande keine Selbstverständlichkeit. Wer nicht das Glück hat und für die Dauer seines Asylverfahrens in Bundesbetreuung aufgenommen wird, landet schnell auf der Strasse.
Um diese Menschen kümmert sich Ute Bock. Die pensionierte Heimleiterin und Sozialarbeiterin mietet Wohnungen für obdachlose Asylwerber an. Über 130 Menschen versorgt sie zur Zeit mit dem Notwendigsten. Bezahlt hat sie das alles bisher von ihrer Rente, ihren Ersparnissen und Spenden. Doch jetzt steht "Mama Bock", wie sie von vielen Asylwerbern genannt wird, vor dem finanziellen Aus.

 
 
  Helfen soll nun die Aktion "Bock auf Bier". Mit jedem Bier, das ihr ab heute bis Ende des Sommers in einem von rund 50 Lokalen in Wien, Linz und Graz kauft, spendet ihr zugleich 10 Cent an das Flüchtlings-Wohnprojekt der Ute Bock.
 
 
 
Ein Augenzeugenbericht...
  Ein ehemaliges Wohnheim für Krankenschwestern, am Stadtrand von Wien. 10 Uhr vomittag. Ute Bock nimmt mich mit auf Besuch zu einer Gruppe afrikanischer Asylwerber. Sie leben in einer der Wohnungen, die Ute Bock finanziert.

Wir treten ein. Dreißig Quadratmeter: ein Zimmer, Küche, einfach eingerichtet. Perfektes Kämmerchen für einen Studenten, denk ich mir. Doch hier: überall Decken am Boden. Sieben junge Männer übernachten hier auf engstem Raum.

"Das ist ja schon ein Flüchtlingslager, Klein-Traiskirchen", hör ich Ute Bock grummeln, ganz im Stil einer gestrengen Hausherrin. Denn offiziell gemeldet sind in dieser WG lediglich drei afrikanische Asylwerber. Doch die Mieter quartieren immer wieder auch andere afrikanische Flüchtlinge bei sich ein - Menschen, die sonst auf der Straße schlafen müssen, erklärt uns Barry, 24, aus Guinea: Out in the street you see Africans who have to sleep outside. You speak the same language, so they ask you: Can I spend the night at your place? You have a room. Please help me. ..You agree, of course. What else should I do?
 
 
 
  Die Lage der obdachlosen Asylwerber in Österreich ist dramatisch. Aufgrund einer Verordnung des Innenministeriums aus dem Vorjahr werden laufend Flüchtlinge ohne Einzelfallprüfung aus der staatlichen Bundesbetreuung entlassen - oder gar nicht erst aufgenommen, weil sie keine Dokumente haben oder aus dem "falschen" Land kommen. Im März 2003 waren laut SOS Mitmensch die Anträge auf Asyl von 32.000 Flüchtlingen noch unentschieden. Nur 6500 von ihnen erhalten zur Zeit Unterkunft, Krankenversicherung und Verpflegung im Rahmen der Bundesbetreuung. Die anderen stehen auf der Straße, ohne jegliche
Existenzsicherung. Ein Fehler mit Folgen - meint Ute Bock:

Das muss man sich mal vorstellen: der kommt nach Österreich, steht dann hier auf der Straße, spricht kein Wort Deutsch, weiß nicht, wo er hingehen soll, hat nichts zu essen, keinen Platz zum Schlafen, fürchtet sich, wird angestänkert und überall weggejagt. Natürlich wendet er sich dann an andere Afrikaner, fragt sie, ob er bei ihnen übernachten kann. Und dann heißt's manchmal: "Nein, geht leider nicht, aber du kannst diese 'Kugerl' hier verkaufen, dann kannst du dich über Wasser halten ... so läuft das."
 
 
 
  Dass Asylwerber in Österreich nicht legal arbeiten dürfen, und sich folglich auch nicht selbst erhalten können, erschwert ihre Situation noch zusätzlich.
Diejenigen, die nicht in staatliche Betreuung aufgenommen werden, sind somit auf private Hilfsorganisationen wie Caritas oder Diakonie angewiesen. Doch diese Institutionen sind mittlerweile mit der Zahl an Hilfesuchenden überfordert. Allein Ute Bock mietet derzeit für 130 junge Asylwerber 28 Wohnungen an.
 
 
 
  Auch juristische Beratung wird von Ute Bock organisiert, darüber hinaus kümmert sie sich um Krankenbetreuung und andere finanzielle Belastungen, mit denen Asylsuchende im Alltag konfrontiert werden.

Von Zeit zu Zeit schreib ich überall hin, dass die Asylwerber über keine Mittel verfügen und sie ihnen die Kosten erlassen sollen. Bei Spitalsrechnungen geht das noch relativ einfach. Beim Schwarzfahren schaut das anders aus. Bergeweise stapeln sich bei mir die Erlagscheine und die Polizeistrafen. Ich war bei den Wiener Linien, die sagen, sie können auf das Geld nicht verzichten ... Der Asylwerber kann aber seine Strafe nicht bezahlen. Am Ende holen sie ihn und er muss bis zu 36 Stunden in Polizeihaft sitzen - für einmal Schwarzfahren. Wozu das alles?

 
 
  Der größte finanzielle Brocken für Ute Bock sind aber die monatlichen Kosten für Miete, Strom und Gas. Zehntausend Euro pro Monat. Diese Summe kann die Flüchtlingshelferin allein nicht mehr aufbringen. Früher ist die MA 12 der Stadt Wien noch gelegentlich eingesprungen - das ist jetzt auch vorbei. Ute Bocks finanzielle Ressourcen sind erschöpft.

Die Bock-Bier-Aktion soll jetzt helfen. Den ganzen Sommer lang werden in rund 50 Lokalen in Wien, Linz und Graz 10 Cent auf den Bier-Preis aufgeschlagen - ein Betrag, der direkt an Ute Bocks Wohnprojekt weitergeleitet wird. 10 karitative Cent also, um die wir ab heute im Lokal mehr bezahlen. 10 Cent Investition in die Zukunft schutzsuchender Menschen. Das ist es doch wert, oder?

 

 
audio
 
title: Ute Bock Bier Aktion
length: 4:38
MP3 (3.337MB) | WMA
   
 
 
  Ab heute (13.6.) gibt's Bier zugunsten von Ute Bock in diesen Lokalen:

AFRIKAHAUS GRAZ :: AMACORD :: AMERLINGBEISL :: ARENA :: B.A.C.H. :: B72 :: CAFE BRATISLAVA :: CAFE CARINA :: CAFE KULTUR :: CAFE LEOPOLD :: CHELSEA :: C.I. CLUB INTERNATIONAL :: DELI :: EUROPA :: EXPEDIT :: FEUERSTEIN :: FLEX :: FRAUENCAFE :: FUTUREGARDEN :: GELBES KROKODIL :: GINA'S WEIBAR :: DIE GROSSMUTTER KOCHT :: HALLE :: HAWIDERE :: HATAM :: GASTHAUS HORVATH :: IL MUSEO :: KANDINSKY :: KIM KOCHT :: KOLAR PSY :: KUKU :: KULISSE :: KUNSTHALLE WIEN :: LA CERVEZA :: MA PITOM :: DAS MÖBEL :: NIL :: ORLANDO :: ORPHEUM :: PALMENHAUS :: PILOTBAR :: PORGY & BESS :: PULSE :: REIGEN :: REPUBLIC :: RHIZ :: SCALA :: SCHIKANEDER :: SIEBENSTERN :: ST. ART :: TIN-TAN :: TUNNEL :: TÜWI :: UNA :: WIRR :: WUK

 
 
  Wer darüber hinaus spenden möchte:
Verein Ute Bock
Hypo Bank Tirol
Konto Nr. 520 110 174 99
Bankleitzahl 57 000
Kennwort "Ute Bocks Wohnprojekt"
 
 
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