14.00 Uhr: Jetzt sollte ich mich aber auf den Weg machen. Ausgestattet mit einem 10-Kilo-Trumm von Funkrucksack und einer kleinen, wendigen Digitalkamera, in die ich mich im Verlauf des Nachmittags noch verlieben sollte, steige ich in die U-Bahn. Sehe mich um. Wo sind die ganzen anderen Leute, die - in möglichst bunten Kostümen und möglichst guter Laune - zur Regenbogenparade fahren? Ahja. Am anderen Ende des Wagens sitzt ein junger Mann mit kahlrasiertem Schopf und Ohrring. Naja. That will have to do, for the beginning.
Stubentor.
Kurz nach 14.00 Uhr. Ich steige aus der U-Bahn, begierig, meine Kamera endlich einzusetzen, um die tobende und tanzende Menge abzulichten.
Die Ringstraße ist, nun, nicht gerade menschenleer, aber nach mehr als zwei Busladungen Touristen sieht das nicht aus. Falscher Tag? Falscher Ort? Falsches Jahr? Nein, da tröpfeln sie ja ein, die Spruchbandträger, Organisierer und Fußgruppenleiter, und allmählich schlendert auch der eine oder andere bunte Vogel herbei.
Anpfiff!
Kurz vor 15.00 Uhr. Endlich treffen die ersten Wägen ein.
Buntgeschmückte Lastwägen, Federboas, Pailletten, Bodypainting, ABBA, Tonnen von Make-up, Rüschenkleider, Corsagen, Transparente, Tanzende, Stöckelschuhe, alle Klischees auf einen Haufen und außerdem ein Haufen gute Laune brechen plötzlich über die altehrwürdige Ringstraße herein. Die Kamera macht sich an die Arbeit.
Feiern! Und Demonstrieren!
Die Regenbogenparade ist wohlgemerkt eine Demonstration. Und wie jede gute Demonstration hat sie auch ihre Ziele, die da lauten:
- Schaffung eines Antidiskriminierungsparagraphen
- Die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften mit denen Heterosexueller
und
- die Abschaffung des §207b (Nachfolger des §209)
Die Leute lassen sich die seltsamsten Kostümierungen einfallen.
Das Resümee
Laut HOSI-Obmann Christian Högl waren es "um die 200.000 Menschen", die an der Regenbogenparade 2003 teilgenommen haben. Ich schieße mit meiner wunderbaren ausgeborgten Digitalkamera noch ein paar schöne Fotos(über einen Mangel an Motiven kann ich mich nicht beklagen), und lasse die sicher tolle Abschlusskundgebung im Museumsquartier sausen, um ebendiesen Artikel zu verfassen. Schön war's! Nächstes Jahr wieder.