Die geheimen Headliner dieses Festivals sind unbestritten 'Wir sind Helden'.
Nach Tomte spielen sie als zweite Band auf der Hauptbühne und füllen den Platz mit sovielen Menschen, wie Tags zuvor nur bei Travis zu sehen waren.
Judith Holofernes und ihre drei männlichen Mitstreiter sind nicht nur überaus charmant, sondern besitzen zusätzlich hellseherische Fähigkeiten: "Beim übernächsten Song kommt immer was durch die Wolken. Manchmal ist es Sonne, manchmal Regen."
Unser Pech: Seit der letzten Nummer ihres Auftritts regnet es tatsächlich in Strömen.
Der Regen und die Tatsache, dass der Fotograben im Alternative Tent gesperrt werden musste, sind auch der Grund dafür, dass wir hier fototechnisch nicht alle Bands wahrnehmen können (die gutausehenden Grandaddys fehlen; sie werden beim 2 Days a Week nachgereicht!) und die Auswahl eine feine, aber begrenzte ist.
Tomte sind jetzt zu viert und rocken daher auch wesentlich stabiler. Toller Auftakt-Auftritt.
Die Hits kommen präzis, der Sound ist dicht, Thees macht Witze; lässig (und vor allem: alles noch bei Sonnenschein!). Jaja, die Liebe zur Musik...
Judith Holofernes, mitsamt den anderen Helden gleich der erste echte Reißer: alle singen mit und lassen sich von der natürlichen Offenheit der Band mitreißen.
Der Regen beginnt erst bei "Müssen nur wollen", ihrer Schlussnummer.
The audience: nicht unterzukriegen, trotz aller Regengüsse am Abfeiern der Bands.
Applaus für alle, die ausharren.
Der kleine Misston: die 'Alien Ant Farm' kann es nicht lassen und beschimpft einen Zwischenrufer als "faggot" (Schwuler). Dann gibt's vor ihrem Michael Jackson-Cover auch noch eine wenig schlaue diesbezügliche Bemerkung.
Das finden wir echt Scheiße.
Herr Oberst, der Mann hinter dem Mikrofon und hinter Bright Eyes, ist ein wenig nervös.
Zum einen, weil er unter doch recht schlechten Bedingungen (Regen, Regen, Regen) antreten muss und zum anderen, weil er in einer Ansage ironisch-vollmundig Lars Ulrich zum Duell gefordert hat; ein Spaß, den die erste Reihe, die bereits am Nachmittag von Metallica-Fans besetzt war, nicht so lustig fand.
Wenn Oberst die Leibwächter-Hünen-Cornettos gesehen hätte, die zeitgleich mit Ulrich und den anderen aus den vier angerauschten Benz-Limos gestiegen sind (für jeden Donnergott eine), dann hätte er sich's wohl anders überlegt.
Dann hat der Wettergott ein Einsehen: Vor dem Notwist-Auftritt stoppt der Regen, die Sonne strahlt durch und macht die waschelnassen Festival-Besucher wieder trocken. Blöd für Grandaddy und Bright Eyes, aber gut für alle anderen.
So kehrt mit dem Beginn des Notwist-Konzerts wieder die sonnige Festival-Stimmung zurück. Die Brüder verlieren sich in herrlichen Instrumentalteilen und Gretschmann, der später noch im Zelt mit Console auftritt, britzelt und fritzelt, dass es eine Freude ist.
Im Zelt ist nach dem Regen auch wieder mehr Luft und tolle Stimmung. International Pony spielen ihre beiden großen Stärken aus: enormen Witz und hohe Musikalität.
Zeugen berichten von einem aufregenden Gig der Goldenen Zitronen. Im Bild, kaum wiederzuerkennen: Schorsch Kamerun im Abendkleid.
Und dann war da der Auftritt der Sportfreunde Stiller, fast ein Heimspiel.
Sänger Peter hatte sich ja schon gestern ganz locker unters Publikum gemengt und dort nette Gespräche geführt, was heute auch von Helden-Judith und Tomte-Thees zu sehen war.
... und das sind die Freunde der Sportfreunde, begnadete Crowdsurfer vor dem Herrn...
Danach spielte sich Beck samt Band mit einem famosen All-Time-Hit-Programm wie das Abendrot in die Dämmerung. Vor allem die Zugabe in den weißen reflektierenden Overalls - ein Gedicht; leider nur für die Zuschauer vorort - Fotografen durften wie immer nur die ersten Stücke in den Graben.
Placebo lieferten dann das Bravourstück des Abends: sie übertauchten etwas, was andere Bands in den Irrsinn treiben würde, nämlich einen 7-minütigen Total-Ausfall der Anlage. Und zwar mit engem Publikums-Kontakt und einem Song, der dann zwar nur für die ersten Reihen hörbar war, aber den Spiel-Willen der Band bestens dokumentierte.
Das Set war dann groß und großartig, Placebo eben, mit aller Wucht und Intensität, zu denen ein Act, der wirkliche Gefühle auch wirklich darstellen kann, eben fähig ist.
Und dann ruft der Master of Puppets, Metallicas James Hetfield, und die fast 40.000, die sich dieses Spektakel geben, werden von der Wucht dieses Sound-Walls niedergeblasen.
Großes Kino, Breitwand-Pyro-Show, sehr bass- und bassdrum-lastig heute.
Wie sagt der Opa so richtig: "Guat is ganga, nix is gschehn!". Und das größte österreichische Festival dieses Jahres wird auch in den nächsten Tagen einiges an Stoff zum Erzählen und Debattieren hergeben.