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  Österreich | 3.9.2003 | 12:07   

 
 
Schwarzbuch der Markenfirmen #2
  von Veronika Weidinger

Adidas, Nike oder Puma, von welcher Marke dein Turnschuh stammt ist relativ egal - auch wo du tankst, Esso oder Shell. Denn so ziemlich alle großen Konzerne haben Dreck am Stecken, so das Fazit vom Schwarzbuch der Markenfirmen, das dieser Tage in Neuauflage erscheint.
Und so hält Klaus Werner, Co-Autor vom Schwarzbuch, den persönlichen Konsumboykott nicht unbedingt für die beste Methode, um als David gegen Goliath - also die korrupten Global Players - mobil zu machen.
Sinnvoller wäre da schon eine konzertierte Boykottaktion - und so was ist passiert, nachdem vor zwei Jahren das Schwarzbuch der Markenfirmen zum ersten Mal erschienen ist: Beschwerden und Proteste von KonsumentInnen haben bewirkt, dass sich der Schweizer Wäschehersteller Triumph aus der Kooperation mit dem Militärregime in Burma zurückgezogen hat. Und die OMV unterhält sich jetzt zumindest mit Menschrechtsorganisationen.

LeserInnen-Reaktionen, Anfragen nach Updates, der sich ständig ändernde Markt hat der Journalist Klaus Werner und Hans Weiss dazu bewogen, ihr Schwarzbuch neu aufzulegen - und neben Updates, neuen Hintergrundinformationen, und zahlreichen Firmenportraits widmet sich die das Schwarzbuch#2 mit einem eigenen Kapitel dem Thema "Korruption und Lobbying".
 
 
Profite auf Kosten der Demokratie
  Nicht nur im Süden werden die Herrschenden von Multis korrumpiert. Auch demokratische Regierungen machen heute mehr Politik für Konzerne als für die, von denen sie gewählt wurden. Schuld daran sind einflussreiche Industrielobbys, internationale Freihandelsabkommen und legale Formen der Korruption.

... transnationale Konzerne unterstützen korrupte Regimes, wie etwa im Kongo, in Nigeria oder Indonesien, weiß Klaus Werner. Ähnliches gilt für fehlende soziale, ökologische oder menschenrechtliche Standards, die von internationalen Organisationen wie dem Internationalen Währungsfond (IWF) oder der Welthandelsorganisation (WTO) eben nicht verbessert werden - sondern im Gegenteil: Hans Weiss und Klaus Werner weisen im Schwarzbuch nach, dass Beschlüsse der WTO von Industrielobbys, bzw. deren Vertreter, beeinflusst werden. Diese massive Einflussnahme auf die weltweit wichtigste Organisation nennt Hans Weiss "legale Korruption", gibt es nämlich bisher keine global gültigen Gesetze gegen diese globale Korruption.
Mit Vorwürfen haben große Unternehmen aber in den letzten Jahren umgehen gelernt, reagieren damit aber nicht auf der Ebene von Gesetzen, sondern von Firmen-Images: die sogenannte Corporate Social Responsibility, also soziale Unternehmensverantwortung stellt eine quasi Selbstverpflichtung der Firmen dar, sich an gewisse Standards zu halten, ist manchmal aber nicht mehr als ein Lippenbekenntnis.
 
 
 
Aber die Marktlogik ...
  ... gilt auch, wenn es um Menschenrechte in der Produktion geht. Denn offenbar sind Profiteinbrüche das einzig schlagkräftige Mittel, um ein Umdenken, oder besser Umlenken der Konzernstrategien zu erwirken - dann, wenn die Kosten durch Imageschäden in die Höhe getrieben werden, und damit ein betriebswirtschaftlicher Dominoeffekt ausgelöst wird. (Also lieber Arbeitsbedingungen im Betrieb in Indonesien verbessern, als in Westeuropa und den USA die Kunden zu verlieren).
Imageschädigung ist also auch ein guter Protesttipp, wie zum Beispiel Mail-Aktionen, die 'Stopp Esso' Kampagne oder die Schoko-Guerilla aus Deutschland: eine Gruppe von Jugendlichen, die Schoko-Tafeln in einigen Supermärkten mit ihrer Produktinfo versehen haben, und die lautete: der Kakao für dieses Produkt wurde von Kindersklaven geerntet.
 
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