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  Österreich | 9.3.2004 | 11:54   

 
 
The Simple Zero7 Thing
  von Andreas Gstettner
 
 
 
  Vor drei Jahren überschlug sich die englische Musikpresse mit Superlativen. Das Debutalbum der zwei englischen Produzenten Sam Hardaker und Henry Binns aka Zero7, das sie schlicht und ergreifend 'Simple Things' nannten, rettete uns vor den langweiligen, schnöden, ausgelutschten Lounge-ChillOut-Acts. Mit viel Feingefühl für Melodien, Arrangements und einer cinemascope-artigen, perfekten Produktion überraschten die teils instrumentalen, teils vocalen Songs und hackten sich schon beim ersten Hören fest.
Kurzum: die Erwartungshaltungen waren groß.

Jetzt ist es soweit...

Henry Binns von Zero7 rollt für uns ihre Entstehung nochmals auf, kommentiert die Zeit zwischen ihren beiden Releases, die Entstehung von 'When it falls' und besticht durch seine charmante Freundlichkeit.
 
 
 
Zero1
  FM4: Auch wenn du die Frage schon oft beantworten musstest, wie Zero7 eigentlich angefangen hat, kannst du uns vielleicht einen kurzen geschichtlichen Abriss eurer Entstehung liefern?

Henry: Ja. Kurz, sehr, sehr kurz. (lacht) Als Sam und ich die Schlue abgeschlossen hatten, wussten wir noch nicht genau, was wir machen sollten. Also sind wir auf ein Tontechnik-College gegangen und haben dort gelernt, auf viele Knöpfe zu drücken. (schmunzelt) Dann traf ich zufällig meinen alten Freund Nigel [Godrich, Anm.], der in London ein Studio hatte. Er verschaffte mir einen Job, ich brachte Sam einfach mit und ziemlich schnell haben wir dort dann für alle Tee gekocht. Als Nigel dann Radiohead produzierte, bekamen wir die Möglichkeit, einen Track für Radiohead zu remixen. Gilles Peterson hat ihn im Radio auf und ab gespielt, und immer mehr Remixangebote trudelten herein. Aus einigen Teilen haben wir begonnen, eigene Tracks zu machen. Es entstanden 2 EPs, die wir dann zusammen als unser Debut 'Simple Things' veröffentlicht haben.

 
 
Zero2
  FM4: Und euer Erstlingswerk ist ja wirklich eingeschlagen, Lobeshymnen, unzählige Artikel und gute Verkaufszahlen. Habt ihr das eigentlich erwartet?

Henry: Um ehrlich zu sein hatte ich überhaupt keine Erwartungen. Ich meine, ich wusste schon als das Album fertig war, dass es eine gute Platte geworden ist und sie gefiel mir auch sehr. Es war dann irgendwie lächerlich, dass man uns in diese Pop-Arena gesteckt hat, in der wir uns überhaupt nicht wohl fühlen. (lacht) Wir versuchen eigentlich auch heute noch damit zurecht zu kommen, aber natürlich war ich froh, dass die Leute 'Simple Things' so liebten. Nichts desto trotz fühlen Sam und ich uns nicht wirklich wohl im Popbussines, in dem es eigentlich immer um einzelne Persönlichkeiten geht. Bei Oasis sind es die Gallagher Brüder, die das ganze Ding vorantreiben. Die Persönlichkeit von Zero7 hingegen ist die CD, wenn man das so sagen kann. Für uns war das immer schon eine sehr unbehagliche Situation, plötzlich neben Popbands zu stehen.

 
 
Zero3
  FM4: Euer Debut 'Simple Things' ist jetzt schon drei Jahre alt. Warum hat es so lange gedauert, bis ihr euer zweites Album vorlegen konntet?

Henry: Wir sind einfach sehr... sehr... langsam. (lacht) Nein, nein. Wir hatten die Möglichkeit, lange durch Amerika zu touren. Wir haben nie gedacht, dass wir das einmal machen können. Und die Konzertangebote haben einfach nicht aufgehört. Man holte uns noch zwei Mal nach Amerika, bis wir das Gefühl hatten, die Gastfreundschaft überzustrapazieren. Außerdem war es an der Zeit, wieder an unseren eigenen Songs zu arbeiten.
Schließlich waren wir erst letztes Jahr im Spätsommer wieder in London. Also haben wir dann acht oder neun Monate für 'When it falls' gebraucht, was lange genug war. Drei Jahre waren es allerdings nicht.

 
 
Zero4
  FM4: Das zweite Album ist ja bekanntlich das schwierigste. Habt ihr eigentlich viel Druck verspürt, als ihr an 'When it falls' gearbeitet habt?

Henry: Das fragen mich viele Leute immer wieder. Ja, natürlich habe ich auch einen Erfolgsdruck verspürt. Ich weiß allerdings nicht, warum. Wahrscheinlich, weil alle unser erstes Album so hoch gelobt haben. Und da denkt man sich: 'Oh mein Gott, jetzt muss ich echt wieder eine gute Platte machen.' Dann wiederum gibt es Leute wie Frank Zappa, der wahrscheinlich gesagt hätte: 'Ach, mir ist das scheißegal. Ich mache einfach, was mir gefällt. Und wenn das die Leute nicht mögen ... to hell with them!'
Ich jedoch habe mir gedacht: 'Okay, mit welchem Akkord fange ich jetzt an?'. (lacht) Man braucht eine Zeit, da drüber zu kommen, aber dann ist es recht zügig voran gegangen.

 
 
Zero5
  FM4: Als ich 'When it falls' zum ersten Mal durchhörte, war ich etwas überrascht, dass es gar so langsam, downtempo geworden ist. Es klingt auch irgendwie ernsthafter...

Henry: Ich glaube das kommt daher, dass wir einfach sehr, sehr depressive Menschen sind. (lacht) Nein, äh ... es stimmt schon. Es ist generell ein sehr reflektierendes Album. Es handelt davon, was zu dieser Zeit in unserem Leben und um uns herum passiert ist. Ich denke, jeder von uns war damals sehr aufgewühlt und hat viele Höhe und Tiefen durchlebt. Das ist auch irgendwie ein Zeichen unserer Zeit. Und es tobte auch ein Krieg, den wir zwar nicht direkt mitbekommen haben, eingeschlossen in unserem Studio, aber man merkte es natürlich an der Stimmung rundherum. Das hat sich schon sehr seltsam und bedrohlich angefühlt.
Und sonst geht es auf dem Album um ganz gewöhnliche, langweilige Dinge, wie unerfüllte Liebe und so weiter. (lacht)

 
 
Zero6
  FM4: Auch auf 'When it falls' kommen wieder die psychedelische Soul-Stimme von Mozez und die zarten Vocals von Sia Furler und Sophie Barker zum Einsatz. Neu dabei ist Tina Dico, die ihre Stimme der Single 'Home' geliehen hat. Wie habt ihr generell diesmal mit den Gastvocalist/inn/en gearbeitet?

Henry: Diesmal ist es anders abgelaufen. Wir haben uns einfach im Studio zusammen hingesetzt und ich habe ein paar Akkorde am Piano gespielt, die Sänger haben dazuprobiert und so kamen wir dann auf die Melodien und die Songs. Das ist eigentlich mehr der klassische Ansatz des Songwritings. Bei dem Vorgänger 'Simple Things' waren zuerst diese kleinen Loops und Teile da, die ich und Sam liebten. Dann haben wir rundherum immer mehr Linien und Melodien aufgebaut und übereinandergelegt. Im Endeffekt wurden die Songs so dicht und überfrachtet, dass ein Sänger hereinkam und uns fragte: 'Was soll ich damit anfangen? Da ist ist so viel, dass ich gar nicht weiß, was ich dazusingen soll...' Diesesmal waren wir uns diesem Problem mehr bewusst, also sind wir den umgekehrten Weg gegangen.
Aber es ist schon seltsam: Einige sagen uns, 'Oh, euer Album ist diesmal aber sehr dicht und komplex geworden. Was habt ihr euch dabei gedacht?', andere wiederum meinen, es hat weniger Melodieflächen und ist viel reduzierter. Ich weiß auch nicht, wir haben einfach das produziert was wir fühlten und wollten auch mal etwas anderes probieren.

 Mozez
 
 
Zero7
  FM4: Du hast es eigentlich schon angesprochen: Beim ersten Durchlauf denkt man sich schnell seinen Teil, in welche Richtung auch immer. Nach mehrmaligem Hören wird das Album jedoch immer besser, intensiver und man merkt die detailierten Feinheiten...

Henry: Ja, ich glaube auch, dass es kein Album ist, dass sehr unmittelbar daherkommt. Es braucht schon einige Durchläufe beim Hören. Wahrscheinlich sollte man heutzutage solche Platten nicht mehr machen, wir haben uns aber dazu entschlossen. Für mich funktioniert 'When it falls' ja eigentlich schon von Beginn an. Vielleicht weil wir an dem Opener 'Warm sounds' wirklich sehr lang und hart gearbeitet haben. Man sollte eigentlich nie so lange und hart an einem Track arbeiten... (lacht) Für uns war es sehr wichtig, 'Warm sounds' fertig aufs Album zu bringen. Es ist vielleicht nicht der großartigste Song, den wir je geschrieben haben, aber ich liebe einfach die Art, wie er sich entwickelt. Und so funktioniert vielleicht auch das ganze Album.

 
 
Und wenn...
  ... im Pressetext gefragt wird: "Hilft 'When it falls' in schweren Stunden? Können diese anschmiegsamen Lieder Stütze sein? Heilung durch Harmonie?", so kann ich aus tiefster, eigens erfahrener Überzeugung nur mit "Ja!" antworten.
 
 
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