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  Österreich | 3.10.2004 | 10:37   

 
 
Nicholson Baker - 'Checkpoint'
  von Marianne Lang

JAY: Hey, hey, hoho - George Bush has got to go.
BEN: Aber er geht doch auch, ganz unausweichlich, er wird einen Nachfolger haben.
JAY: Jetzt. Er muss jetzt weg.


Kein amerikanischer Präsident wurde wohl je öffentlich so kritisiert wie George W. Bush. Seit den Folgen des 11. September 2001 machen die Intellektuellen Amerikas in künstlerischer und dokumentarischer Form Jagd auf die US-Regierung. Am lautesten war bis jetzt wohl der Autor und Dokumentarfilmer Michael Moore. Oder hat irgendwer von euch noch nichts von 'Bowling For Columbine' oder 'Fahrenheit 9/11' gehört? Eben.

Der amerikanische Autor Nicholson Baker ruft jetzt in ähnlicher Lautstärke. Er hat vor kurzem ein Buch veröffentlicht, das vor allem in Amerika für heftige Diskussionen gesorgt hat. Denn sein Protagonist will George W. Bush ermorden, 'dieses Arschloch, diesen nicht gewählten betrunkenen ÖLMANN'.
 
 
 
Eigentlich kein Roman, sondern ein langer Dialog
  In einem Hotelzimmer in Washington D.C. sitzen zwei alte Schulfreunde, Jay und Ben, und reden. 144 Seiten lang reden sie über die Ermordung des Präsidenten, über Hunde und Hobbyfotografie, über Abtreibung und über die böse Walmart-Kette. Über den Hintergrund der Hauptfiguren erfährt man in den Dialogen recht wenig. Ben ist Lehrer, er fotografiert gern und hat Familie. Er ist eher der konservative Typ (der amerikanische Durchschnitts-Intellektuelle?), der Jay von seinem Mord-Plan abzubringen versucht, aber dennoch auch Kritik an der US-Regierung übt. Einmal entkommt ihm sogar ein irritierendes 'Wir'.

JAY: Hast du noch nie daran gedacht, einen umzubringen? Nein?
BEN: Schon... das heißt, nein, nein. Aber doch, schon.
JAY: Na gut.
BEN: Und Dick Cheney? Bringen wir den auch um?
[...]
JAY: Was meinst du denn mit "wir"? Du hast gesagt: "Bringen wir den auch um?"
BEN: Ja, na ja, mit "wir" meine ich "du".
JAY: Aha.


Jay ist arbeitslos, lebt von seiner Frau und den Kindern getrennt und scheint ziemlich am Sand zu sein. Rasch merkt man, dass sein Vorhaben den Präsidenten zu ermorden nicht wirklich ernst zu nehmen ist. Er phantasiert über fliegende Kreissägen in CD-Größe und Kugeln aus angereichertem Uran, die George Bush zerquetschen sollen. Er will ein amerikanischer Märtyrer sein, um seinem Leben einen Sinn zu geben.

JAY: [...] Ich glaube, ich will, dass mein Leben eine Bedeutung hat.

 Nicholson Baker
 
 
Anstiftung zum Mord?
  Als Anstiftung zum Mord, wie das konservative Amerika schimpft, kann 'Checkpoint' wohl kaum gesehen werden. Eher als eine ungewöhnliche Auseinandersetzung mit der aktuellen amerikanischen Politik. Die Tatsache, dass ein renommierter, bisher eher unpolitischer Schriftsteller wie Nicholson Baker auf so radikale Weise versucht seiner Sorge Ausdruck zu verleihen ist das Bestechendste an diesem Buch.

Um Missverständnissen gleich vorzubeugen, sagt der Autor im Klappentext selbst, was es mit seinem neuen Werk auf sich hat:

Ich schrieb dieses Buch, weil eine Menge Leute hilflosen Zorn empfanden, als Bush das Land in den Krieg führte. Ich wollte diese Stimmung vermitteln und analysieren. "Checkpoint" ist ein Buch gegen Gewalt, nicht dafür.

Literarische Qualitäten sind in 'Checkpoint' leider kaum zu finden. Das Gespräch zwischen Jay und Ben wirkt zwar authentisch, mit 'Ahas' und sonstigen in Gesprächen üblichen Ausrufern, doch scheint es, als wäre die Geschichte zu hastig niedergeschrieben worden. Literarisch also eher ein Quickie, aber thematisch ein durchaus interessantes Vorspiel, für eine hoffentlich noch langandauernde Buch-Diskussion (rechtzeitig zum US-Präsidentschaftswahlkampf).
 
 
 
  Nicholson Baker wurde 1957 geboren und lebt in Maine/USA. Er hat bisher sechs Romane und drei Sachbücher veröffentlicht. Am bekanntesten ist wahrscheinlich sein Roman 'Vox', der 1992 erschienen ist und auch in Dialogform verfasst ist. Telefonsex ist darin das Thema.

Sein aktuellstes Buch 'Checkpoint' ist im August zeitgleich im amerikanischen Original und auf deutsch, im Rowohlt Verlag in der Übersetzung von Eike Schönfeld erschienen.

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