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  Österreich | 11.1.2005 | 05:00   

 
 
FM4 Hausbesuch von Mathias Zsutty #2/10
  Susanne Kirchmayr aka Electric Indigo: Dj, Produzentin, Labelbetreiberin

Ort: Susannes Küche in Wien-Landstraße
Zeit: 28. Dezember 2004

"Der Alexander Hirschenhauser (Pionier der Wiener Clubkultur, Anm.) hat zu mir gesagt "das ist seelenlose deutsche Faschistenmusik". Das bringt ziemlich genau auf den Punkt, wie das Ansehen von Techno Anfang '90 in Wien war"
 Electric Indigo
 
 
Susanne beim Zusammensuchen der Platten für die Sendung
 
 
Die Anfänge
  Ende der 80'er Jahre spielt ihr DJ Geb-el im Blackmarket eine Platte des Chicagoer Electronicpioniers DJ Rush vor, die anderen Kunden beschweren sich über den Lärm, Susannes Leben hingegen hat sich soeben verändert: sie hat sich in Techno verliebt.

Zu dieser Zeit legt sie regelmäßig im Wiener Lokal Trabant Jazz und Funkplatten auf. Die Clubszene ist in Wien damals defacto inexistent, ihre neue Leidenschaft "Techno" stößt auch nicht auf Gegenliebe, und als sie DJ Hell kennenlernt verlässt sie das verstaubte, fade Wien und zieht, anfang der 90'er, nach Berlin.

 Wohnzimmer=Büro=Studio
 
 
 
 
Big in Berlin
  Im Epizentrum und DEM Treffpunkt der pulsiereneden Technoszene, dem Hardwax Plattenladen bekommt sie einen Job, anfangs im Versand, dann im Verkauf, später ist sie auch für den Einkauf zuständig und beeinflusst somit indirekt, was landauf landab so aufgelegt wird. Parallel dazu werden Loveparade und Mayday zu immer riesigeren, inhaltsleeren Techno-Großveranstaltungen, Protagonisten wie Westbam oder Marusha geben Techno einen Kommerzdrall und die Medien stürtzen sich auf geile Ecstasy-Geschichten. Susanne bleibt bei ihren minimaleren, vertrackteren Technoplatten und erspielt sich als DJ Electric Indigo bei weltweiten Gigs einen ausgezeichneten Ruf.

 
 
  1996 geht sie zurück nach Wien, baut ihr Heimstudio und das Label/die Internetplattform indigo:inc auf. Bis heute muss sie sich von Typen Ansagen wie "du legst aber gut auf für eine Frau" gefallen lassen. Nachdem bei Diskussionen immer wieder das Argument kommt: "aber es gibt ja auch fast keine Frauen die auflegen" entsteht der Wunsch aufzuzeigen, wieviele Frauen wirklich im Bereich elektronischer Tanzmusik tätig sind. Susanne ruft female pressure ins Leben, anfangs eine reine Namensliste, ist female pressure heute eine internationale Datenbank mit übersichtlicher Suchfunktion und über 600 eingetragenen Künstlerinnen (Djs, Graphikerinnen, Produzentinnen)
 
 
 
"Die Platte besitz ich nicht einmal" Electric Indigo auf die Frage ob sie jemals (auch nur aus Spaß) "Marushas -somewhere over the rainbow" aufgelegt hat
 
 
  Mathias Zsutty: Female Pressure, gibt es inzwischen auch schon seit sieben Jahren. Was hat sich in den sieben Jahren getan?

Electric Indigo: Es sind viel mehr geworden, also es ist ganz schön gewachsen. Mittlerweile sind etwa 660 Künstlerinnen da gelistet. Und im Moment arbeiten wir gerade an einem Sound-Projekt namens "open sounds". Da soll initiert werden, dass die Frauen sich musikalisch austauschen, also eigene Sounds zur Verfügung stellen, möglicherweise sogar ganze Tracks, die dann von anderen geremixt werden. Oder die einzelnen Sounds werden in etwas ganz anderes verarbeitet, das einerseits online gestellt wird, und wieder zur weiteren Verarbeitung verfügbar gemacht wird, und andererseits sollte es am Ende einer Laufzeit, also wahrscheinlich Mitte nächsten Jahres, dann eine CD mit den daraus entstandenen Tracks zu verschenken geben.

 Electric Indigo
 
 
  Mathias Zsutty: War das Internet ein Gebiet, das dich sofort interessiert hat?

Electric Indigo: Naja, so kann man das nicht sagen. Als ich noch im Hardwax gearbeitet hab, da ist das Thema schon irgendwie groß geworden... das wird '94 gewesen sein, vielleicht sogar noch ein bisschen früher. Ich weiß noch, der Mark Ernestus (Hardwax Chef), der hatte Internet, und das hab ich mir dann auch einmal angeschaut. Aber ich kann nicht behaupten, dass ich da sofort Feuer und Flamme dafür gewesen wäre, also dass ich gedacht hätte, das brauch ich jetzt auch unbedingt. Das hat dann noch ein paar Jährchen gedauert, bis ich davon überzeugt war, dass das jetzt echt wichtig ist.
 
 
 

Warum sie es wichtig findet, Frauen im DJ-Bereich zu fördern, was von der Soundpolitisierung der Widerstandsbewegung gegen Schwarz-Blau übrig geblieben ist und wie sie sich die DJ Pension vorstellt, erzählt Electric Indigo ab 19.00 im FM4 Hausbesuch.
 
 Playlist FM4 Hausbesuch #2 
 
artist title
 Dj RushLucious Lon Pt.1
 Green Velvet Flash
 MarushaSomewhere Over The Rainbow
 Thomas Brinkmann Ulla
 URElectronic Warefare
 DrexciyaWater Walker
 Electric Indigo Traum (steril & acid maria rmx)
   
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  indigo-inc.at
Electric Indigos Universum (female pressure/Label/ DJ)
   
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