Ort: Christophs WG Zimmer, Wien Margareten
Zeit: 3. Jänner 2005
"Humor ist ja nicht etwas, das man an oder abstellen kann, sondern ist Teil unseres Lebens, unserer Gesellschaft. Wenn der auf einmal aus Pietätsgründen ausgeblendet wird, dann hat das für mich was krankes. Keine Witze über Rollstuhlfahrer zu machen, keine Witze über Blinde? Das muss natürlich alles möglich sein."
Christoph Grissemann
Die Anfänge
Der in Innsbruck geborene Sohn der Radiolegende Ernst "The Voice" Grissemann probiert sich mitte der 80'er, (nach der Matura in Mödling) glücklos im Publizistikstudium. Von 16 Scheinen, die er auf der Uni macht, sind drei negativ. Das letzte Zeugnis zerreißt er frustriert im Votivpark und wendet sich hilfesuchend an seinen Vater, damals Hörfunkintendant, dieser verweist auf die Zick Zack Redaktion. Christoph Grissemann gestaltet dort sozialkritische Reportagen und Porträts (z.B. über Felix Mitterer) in der Redaktion lernt er Dirk Stermann kennen. Gemeinsam arbeiten sie an Beiträgen, richten vor allem aber die Kollegenschaft aus und erkennen bald ihre humoristische Ader.
Wo sich jetzt die Küche befindet, war in der ehemaligen Arztpraxis der Anmeldebereich
1990 geht erstmals der "Salon Helga" on air, den die beiden damals noch als die Kunstfiguren Hans Herbert und Hans Christoph moderierten. Eine satirische Oase in einer ansonsten "humorfreien Zone wo lauter kleine Erwachsene arbeiteten und moderierten", wie Grissemann die Zick Zack-Redaktion beschreibt.
Über die Jahre entwickelt das Duo seinen unverwechselbaren Stil, eine Mischung aus Absurdem, Literarischem und bewusst gesetzten plumpen Kalauern. In der Humorehe Stermann & Grissemann ist Christoph der prügelnde Ehemann, Dirk die geschundene Frau, die immer wieder die Backe hinhält. Das Spiel mit dieser Rollenaufteilung wird ein Markenzeichen der beiden.
Ab 1995 findet der Salon Helga im FM4 Sendeschema seinen fixen Sendeplatz, jeden Freitag um 20.15 Uhr. Außerdem präsentiert das Duo einige Jahre die FM4 Kuppelshow "Radio Blume", die als "Blech oder Blume" auch im Fernsehen umgesetzt wird, sowie immer wieder die sonntägliche Phone-in Sendung FM4 Doppelzimmer. Seit 1998 gibt es sie auch jeden Sonntag in Berlin zu hören, mit der Show Royal auf Radio Eins.
"Es hat schon etwas groteskes wenn 2 Freunde sich in einer Interviewsituation begegnen. Eigentlich müssten wir uns jetzt siezen"
In den 90'ern sind Stermann und Grissemann immer wieder mit verschiedene Formaten im ORF Fernsehen zu sehen (Suite 16, die schöne Show, Frau Pepi und die Buben,...), reisen mit drei Bühnenprogrammen durch Österreich, Deutschland und die Schweiz (Für "Die Karawane des Grauens" erhalten sie 2002 den Salzburger Stier), veröffentlichen CDs und schreiben Bücher.
Von 1995 bis 2002 kommentierten Stermann und Grissemann auf FM4 den alljährlichen Eurovisions Song Contest. Der krönende Abschluss dieser Tradition wäre die Teilnahme beim Song Contest 2002 in Tallinn gewesen, sie landen bei der Österreichischen Vorausscheidung mit ihrem "Schönsten Ding der Welt" aber knapp hinter Manuel Ortega auf dem 2. Platz. Auch ihr Weltrekordversuch (gleichzeitig die Vorausscheidung zu kommentieren und dabei aufzutreten) findet nicht einzug ins "Guinness Buch der Rekorde".
Mathias Zsutty: Gab's eigentlich Vorgaben von euch selbst, was ihr mit dem "Salon Helga" wollt?
Christoph Grissemann: Das war damals nicht viel anders als heute, dass man einfach irgendwie eine Stunde - damals war's eine halbe Stunde - in einem Radiostudio verbringt; allererst, um sich selbst einen Gefallen zu machen. Weil wir immer schon der Meinung waren, dass nur wenn es dir 100%ig gefällt, überträgt sich das auch. Es kommt, glaub ich, unglaublich auf das "Wie" an und nicht so sehr auf das "Was". Wenn man merkt, dass ein Mensch mit Leidenschaft und Enthusiasmus und wenn's Humor ist, dann auch eben mit eigenem Gelächter über die blödesten Witze zu Werke ist, dann überträgt sich das. Und das war immer die Vorgabe, also nie ans Publikum denken.
Wir lachen auch jetzt noch relativ viel über die eigenen Witze. Ich find das ja immer sympathisch, gibt ja viel Leute, die finden das furchtbar, wenn Leute, die Witze machen, über die eigenen Witze lachen. Ich find das ja gut. Mir gefällt das, wenn jemand sich selbst gefällt - außer es ist unerträglich eitel. Dirk und ich lachen ja meistens dann, wenn wir selbst grad einen unwürdigen oder katastrophalen Moment haben. Wenn wir uns entsetzlich versprechen oder einen furchtbar schlechten Witz machen. Dann lach ich, wenn ich den schlechten Witz gemacht hab, weil ich mich selbst auslach, weil ich mir nicht zu gut bin, diesen Witz zu machen und Dirk lacht dann auch drüber.
"Ich habe kein Problem mehr mit Begriffen wie Kabarett oder Comedy"
Wie weit Humor gehen darf, welchen Medienskandal er bei der Song '02 Sendung eigentlich produzieren wollte und ob er zum 20-jährigen Maturtreffen geht erzählt Christoph Grissemann ab 19.00 im FM4 Hausbesuch.