Jeder ist schon mal in Wiesen gewesen oder kennt zumindest Geschichten von den wahnwitzig genialen Konzerten dort. Die fast schon mythische "Wiesen Stimmung", die zur Entspannung eindladenen Hängematten gepaart mit praktikabler Infrastuktur und eben der Musik- spricht ja alles für einen Besuch.
Freitag abend, der Premierenabend des heurigen Jazzfests war endlich auch meine Premiere in Wiesen. Mein erster Besuch entpuppte sich als ein Abend mit großartigen Bands, schrägen Erscheinungen, allürenbeladenen Popstars und mit Musik von genial bis bemüht. Und relativ wenig Publikum - im Vergleich zu früheren Jahren, hab ich mir sagen lassen.
Die letzten Akkorde von Deladap sind gerade verklungen als wir die Festivaltore passieren. Mehr als nur ein Trostpflaster: Polar Bear- die etwas andere Jazzpartie aus GB, vor kurzem für den Mercury Music Prize nominiert wurde, gemeinsam mit Coldplay, Antony and the Johnsons und anderen.
2x Sax, 1x Kontrabass,1x Drums und Leafcutter John am Playstationcontroller für die elektronischen Einwürfe.
Sebastian Rochford, Drummer von Polar Bear, der Mann mit den vielen Haaren verzückt neben seinem grandios-groovigem Getrommle auch mit seinen schüchtern-charmanten Ansagen das Publikum und mich beim anschliessenden Interview.
Absoulte CD Anhörempfehlung!
Amos Lee. Ein Fall für sich. Diesem jungen Mann durfte man sich mit der Kamera nicht nähern. Anweisung vom Management. Die dreifach Projection seiner - ach so hübschen - Visage gemischt mit seinen wenig emotionalen Ansagen geben ein etwas unterkühltes Bild eines Shootingstars ab.
Die Schöne, die Wunderhübsche, die ausserordentliche Musikerin - zumindest die enorme Anzahl der Fotografen am Bühnenrad guttieren diese Aussagen mit heftigem Geklicke.
Rebekka und die roten Stiefel
Jazzig am Pop orientiert präsentiert sie ein Set, das musikalisch einwandfrei ist. Professionelle Musiker, eine routinierte Sängerin und doch fehlt dem Konzert das gewisse Etwas. Zweifelsohne eine großartige Stimme, doch eine norwegische Kühle dominiert. Die Songs wirken austauschbar, ihnen fehlt manchmal auch die Eindringlichkeit. Auch wenn sich's im Sitzen gemütlicher singt, der Funken will auch bei ihren Tanzversuchen nicht so richtig überspringen. Kein Wunder, denn viele sind nur wegen IHR gekommen. Die großartige Roisin Murphy, die Königin der Bühnenpräsenz kommt ja noch!
Roisin, Roisin, Roisin
Das Publikum tobt - zum ersten Mal an diesem Abend - als SIE die Bühne betritt. Charmant, lasziv und mit unglaublichem Rhythmusgefühl bestätigt sie ihre Aussage, eher eine singende Tänzerin als tanzende Sängerin zu sein. Kokett und ungeniert spielt sie mit dem Publikum.
Man kann die Live-Umsetzung von Ruby Blue als mehr als gelungen definieren.
Ms. Murphy und Ruby Blue live - ein unvergesslicher Auftritt.
Mit Band und ohne Handschuhe. Die Backgroundsinger und Musiker passen sich ihrer temporeichen Performance an.
Der Dirigent des Ganzen, Eddie an den Computern am Mischpult und den Effekten ist nur ansatzweise rechts im Bild anhand des Equipments zu erkennen.
Ohne wenn und aber setzt sie das mit Matthew Herbert produzierte Album live um. Ein Mikrophon ist nicht genug. Mit dem linken sampelt sie ihre Stimme oder das Geräusch ihrer steppenden Füße oder benutzt es einfach, um effektiert zu singen.
Ein Kostüm ist nie genug.
Mit Rosenkranz und Cape geht es in die nächste Runde.
Egal was sie trägt oder auf der Bühne tut - es wirkt einfach. Nie aufgesetzt oder bemüht. Es kommt an.
Spacecommander Murphy immer noch makellos und grandios bei Stimme.
30 Stunden Tourbusfahrt von London nach Wiesen inklusive Staustehen. Gerade mal 40 Minuten vor ihrem Auftritt trudeln sie am Gelände ein.
Dies Frau kann man nur lieben, hat man sie einmal live gesehen. Auch nach der Show beim Interview ist sie charmant, supersmart und auch aus der Nähe immer noch schön- Vielleicht ist es aber auch die Liebe zur Musik, die immer noch aus ihren Augen strahlt.
Da Ms. Murphys Auftritt nicht mehr getoppt werden kann, verabschieden wir uns bei Trio Exklusiv, dem internationalen Österreich Export von einem wunderschönen Abend im burgenländischen Wiesen.