Er rüttelt auf. Er spaltet. 'We feed the world' ist eine Doku, die viele Probleme unserer Welt am Rande der Globalisierung anspricht. Und wie der Titel schon verrät, dreht sich alles ums Essen. Manche hören auf, Nestléprodukte zu kaufen, andere bauen die Tomaten nun zu Hause am Fensterbrett an, andere verzichten auf den Verzehr von Hühnern aus Mastbetrieben. Oder alles auf einmal. Dabei: "Wir haben noch nie so gut gelebt, wir hatten noch nie so viel Geld, wir waren noch nie so gesund, wir haben alles, was wir wollen," so Peter Brabeck, Konzernchef von Nestlé.
Die Augen sind größer als der Magen
Während auf der einen Seite der Erde die Menschen hungern, schwimmt die westliche Welt im Überfluss. Das ist allgemein bekannt. Doch was passiert eigentlich mit all den Broten, der Milch, dem Gemüse und den anderen übrig gebliebenen Waren? Auch hier in Österreich leben Menschen unter der Armutsgrenze, auch hier gibt es Umverteilungsprobleme, vor allem aber: genau hier muss man schauen, wie man das Zeug wieder los wird, das niemand will, damit es nicht ungenützt verrottet.
Die Entsorgungsbranche ist eine Zunft mit Zukunft. Tonnenweise werden die Essensreste täglich entsorgt. Es handelt sich dabei aber nicht nur um Abfälle aus Restaurants und Großketten, ganze LKW Ladungen mit unausgepackten Lebensmitteln aus Supermärkten werden in Betrieben wie " Die Saubermacher" in Wien zu Biogas oder Kompost umgewandelt.
Die Augen sind tatsächlich größer als der Magen
2,5 Millionen, 800.000, 3,7 Millionen. Es sind nicht die je nach Quelle variierenden Zahlen, die schockieren: im westafrikanischen Sahel- Staat Niger sterben jedes Jahr viele Menschen am Hunger. Sehr viele. Doch in diesem Jahr ist das Hungerfass zum Überlaufen gekommen. Allerdings hat es knapp ein Jahr gedauert - von ersten Warnungen letzten Oktober bis zu 'sterbende Kinder'-Bildern im Juli dieses Jahres - bis tatsächlich massive Hilfslieferungen in den Niger geliefert wurden. Kurz haben die Medien daraufhin aufgeheult, sich die verschiedenen Hilfsorganisationen gegenseitig Vorwürfe gemacht, und jetzt wirds wieder ruhig um den Niger. Doch: der Hunger ist nicht nur im Niger ein strukturelles Problem und keine momentane Katastrophe.
"Die Internationale Gemeinschaft hat durch Indifferenz und Indolenz und Wegschauen den Tod von Tausenden und Tausenden Menschen auf dem Gewissen", so Jean Ziegler, UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, zum Hunger in Niger.
Öko-Food im Vormarsch
Bio ist längst nicht mehr nur der Spleen der Birkenstockträger. Immer mehr Menschen besinnen sich auf eine naturgemäße Ernährung. Biosupermärkte sprießen in den Ballungszentren aus dem Boden. Es gibt auch Möglichkeiten, sich das Obst und Gemüse quasi direkt vom Feld vor die Haustür liefern zu lassen, in Form des Biokistl. Von der Single-Variante bis zur Familienkiste, die 3-4 Personen einen Woche lang mit frischem Obst und Gemüse versorgt, reicht die Palette. Ein guter Ansatz um der doch immer noch weit verbreiteten Meinung, dass Essen aus Packerln im Supermarkt kommt, entgegen zu wirken.
Öl der Zukunft
Der erwachsene Mensch besteht aus bis zu 70% aus Wasser. Um diesen Prozentsatz zu halten, muss das blaue Gold auch immer wieder in ausreichender Menge zugeführt werden. Kein Problem in Österreich. Das Leitungswasser hat höchste Qualität und kann unbedenklich genossen werden. Doch Wasser ist nicht mehr Allgemeingut. Die Diskussionen um die Liberalisierung des Wassermarkts schlagen hohe Wellen. Wasser ist zwar ein Menschrecht, aber auch ein Bedürfnis und damit Handelsware. Die GATS Verhandlungen, in denen eine weltweite Liberalisierung der Dienstleistungen verhandelt wird, schließen Wasser nach wie vor nicht aus. Handel mit Wasser, das klingt furchteinflößend. Länder, deren Wasserversorgung knapp ist, könnten mit Schuldenerlässen erpresst werden, sich den GATS Verträgen zu beugen.
Die Großkonzerne wie Nestlé und Danone, Marktführer im Bereich der abgefüllten Wässer, betonen zwar immer wieder, dass sie lieber Brunnen bauen und den Menschen strukturell unter die Arme greifen, doch natürlich wollen sie unter marktwirtschaftlichen, gewinnorientierten Bedingungen im weltweiten Spiel der Globalisierung an erster Stelle stehen.