fm4.ORF.at ORF.at login
StreamPodcastsMail an FM4
zurück zur TitelseiteSOUNDPARK - Your Place for Homegrown MusicSTATION - alles rund um den RadiosendernotesCHAT
  Österreich | 17.11.2005 | 16:08   

 
 
dEUS: Zwischen perfektem Unfall und Westentaschenrevolution
  Text: Andreas Gstettner, Fotos: Susi Ondrusova

Es kommt immer anders, als man denkt.

So abgedroschen diese Phrase auch sein mag, sie bringt den gestrigen Konzert-Tag auf den Punkt. Und auch Tom Barman, Sänger der Belgier dEUS, dürfte dieser Gedanke bei ihrem Gig im Grazer Orpheum so manchmal durch den Kopf geschossen sein.
 
 
 
Yesterdays surprises
  12:30
Es begann schon zu Mittag. Ich hatte mein Auto vor zwei Wochen geparkt und ging es holen, um damit mit meiner Kollegin Susi Ondrusova nach Graz zum dEUS Konzert zu fahren. Als ich beim Parkplatz ankam, war es nicht mehr da. Einfach weg. Abgeschleppt. Na toll.
Man hatte nachträglich eine Parkverbotszone dort errichtet. Also musste ich es im 13. Bezirk bei der MA48 abholen. Zum Glück blieben mir die 180 Euro Abschleppkosten erspart. Wenigstens etwas.

16:00
Im Backstagebereich des Grazer Orpheums angekommen bot sich uns die zweite Überraschung: dEUS Frontman und Sänger Tom Barman - als launisch verschrien - kam mit einem Lächeln auf den Lippen zur Tür herein und zeigte sich von seiner besten, witzigsten und hyperaktivsten Seiten. Ideale Bedingungen für ein Interview.

21:15
dEUS beginnen ihr Konzert. Die Atmosphäre ist gespannt, sowohl im Publikum, als auch auf der Bühne. In blaues Licht getaucht erscheinen die Schatten der belgischen Musiker, wie sie siegessicher zu ihren Instrumenten greifen. Noch das Live-Set vom Two Days A Week 2004 in Wiesen im Ohr, erwartete ich mir eine energetische Rock-Noise-Show. Außerdem sind gerade die Songs des neuen dEUS Albums 'Pocket Revolution' prädestiniert dazu, das Konzert in einen furiosen, exaltierten Showdown gipfeln zu lassen. Doch es sollte anders kommen.
 
 
 
Willkommen in der dEUS Matrix!
 
 
 
 
 
 
  Schon nach den ersten zwei Nummern hatte ich ein Bild im Kopf, das während des ganzen Konzertes immer wieder auftauchte: Neo, die Hauptfigur in dem Film Matrix, wie er angespannt nach seinem nächsten EXIT fragt, dem Punkt, an dem er via Telefon zwischen der Realität und der virtuellen Welt, der Matrix, hin und her wechseln kann.

Denn dEUS machten es uns nicht einfach. Sehr konzentriert und wohl auch ein wenig zu kopflastig wollten alle fünf Musiker vom ersten Ton an alles. Die extrem gut zusammen gespielten Songs machten nur hin und wieder auf und boten damit sozusagen einen Einstieg in das dEUS Universum. Paradebeispiel dafür der Schlussteil von Instant Street oder die hervorragende Live-Version des Debüt Titeltracks Worst Case Szenario, bei dem der zweite Gitarrist auch sein stimmliches Können voll ausspielen konnte.
 
 
 
Are you in or out?
 
 
 
 
 
 
  Wer von diesen musikalischen exits nicht in das Konzert hineingesogen wurde, stand wohl etwas verwundert vor der Bühne. Doch im Verlaufe des Abends "coachte" Tom Barman seine Band derart gekonnt, dass die dEUS Matrix immer mehr zu bröckeln begann. Und spätestens als die Geige das Ohrwurmthema von Suds & Soda anstimmte, hatten die Belgier ihr Ziel und ihr Publikum erreicht.
 
 
 
 
 
"If you don't get want you want...
  ...you scream and shout", singt Tom Barman in dem gleichnamigen dEUS Song von 'Pocket Revolution'. So auch bei dem Garz Konzert. Obwohl Tom extrem gut gelaunt war, gilt bei einem Menschen wie ihm: Ja nicht ärgern! Das hätte sich der Mischer am Monitor-Pult zu Herzen nehmen sollen, denn sein übereifriges Nachjustieren der Lautstärke hatte nicht nur aufkommendes Feedback sondern auch wilde "turn it up!" und "turn it down!" Gesten des Fronmans zu Folge. Ein Grund, warum Tom Barman wohl nicht immer ganz so entspannt auf der Bühne stand.
 
 
 
 
 
"Its an enormous kick if you can control the unforeseen"
  Ich liebe dEUS. Ihre Songs, die sich von leisen Riffs zu enormen musikalischen Explosionen entwickeln, Tom Barmans intensive Stimme, die einen nicht mehr loslässt, die Kraft und Energie, schwierige Zeiten zu überstehen und gestärkt daraus hervorzugehen.

Was das Konzert betrifft, war es so wie die Band selber: Paradox. (Man denke an die Albumtitel "The Ideal Crash" und "Pocket Revolution", die mehr oder weniger entgegensätzliche Wortbedeutungen miteinander verbinden). Die Gefühlsachterbahn reichte von unglaublichen Höhepunkten über hypnotisierende Endlosschleifen bis zum Kippen in knisternde Zerbrechlichkeit. Das passiert vielleicht gerade dann, wenn Künstler ihr Werk in- und auswendig kennen und beginnen, es von einer höheren Ebene zu betrachten und zu verändern. Und das macht es dem Publikum manchmal schwer, zu folgen.

Aber all das hat Tom Barman in dem Interview eigentlich schon vorweggenommen. Oder es lag einfach an dem hell erstrahlenden Vollmond. Wer weiß.
 
 
 
Visuelle Stimmungs- und Interviewauszüge
 
 
 
 
 
 
  Auch in Graz wurden die für dEUS typischen ausufernden Songs gespielt.

Tom Barman: "I like long songs, because if you play them live, you have the impression that you can take it to different places and you can grow into the song. It can have different moods and start soft and ends up noisy. I would love to write three minute pop songs but every time I think I did wrote one, it turns out to be a seven minute rock inferno."

Also ist es schwer, alles in drei Minuten zu packen?

"Not if you are called David Bowie and you're a genius"
 
 
 
 
 
  Das Live-Set von dEUS in Graz zeigte keinen goßen Bogen, viel mehr war es ein "stop-and-go" Feeling. Nach jeder groovingen Nummer oder jedem Gitarrennoise-Exzess wurde heruntergebremst. Ob solch ein Set funktioniert oder nicht, hängt von vielen Sachen ab.

Tom Barman: "I can remember a gig France when somebody shouted something and I shouted back: We are no fucking machines! You know it's live and it can go wrong and you can play songs too fast or too slow. But that's also the excitement if it's going to be a good show tonight. And it's important to have improvisation in the set but it's also important to have a plan. So rehearsing is good to a certain point. Some of the bands rehearse too much, because they want to be perfect. I can imagine that Coldplay rehearse it to death. Some people like that, I would fall asleep."

Das heißt, Tom Barman würde bei einem Coldplay Konzert wirklich einschlafen?

"No, only if I would have to play with them."
 
 
 
 
 
  Wie auch schon letztes Jahr in Wiesen, wirkt der dEUS Frontman zeitweise wie ein Dirigent, der seinen Musiker durch den Lärm schreiend vorgibt, in welchem Tempo das nächste Stück beginnen soll. Darauf angesprochen meint Tom Barman:

"No, I wouldn't say that I'm a conductor. Well, I shout all the time but it's because it works and it works me up all the time. But I woudne't call it conducting, that would be pretentious. But it is definitely - äh - coaching! (laughs out loud)"
 
 
 
 
 
  Das Live-Set der Belgier dEUS gestaltete sich in Graz wie erwähnt sehr eigenwillig, unkonventionell, unglaublich hypnotisierend und psychedelisch. Was Euch bei den restlichen Österreichkonzerten erwartet, erklärt Tom Barman so:

"We play one hour and fifty minutes. So in the best case it's a rollercoaster. It goes from groovy to completely abstract to very melodic and very noisy. We play old songs, we play almost the whole new album, I think it's a lot of fun. The only thing I'm still struggling with is that the set-list right now starts almost happy and ends very dark! (another laughter)"
 
 
 
Tipp:
  dEUS stehen heute Donnerstag 17.11. im Rockhaus Salzburg auf der Bühne und morgen Freitag 18.11. beehren sie die leider schon lange ausverkaufte Arena Wien.

Außerdem könnt ihr morgen Freitag ein ausführliches Interview mit dEUS Sänger Tom Barman in Connected ab 14:00 Uhr hören.
 
 
back
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick