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  Österreich | 17.2.2006 | 12:23   

 
 
16 Filme statt Turin [8]
  Fummeln statt tummeln. Ehrgeizig sind nur die Filmdialoge, für die "Zur Sache Schätzchen" als einziger deutscher Film mit dem Bundesfilmpreis für Dialoge ausgezeichnet wurde.
 
 
 
Zur Sache Schätzchen (1968)
  von Anna Katharina Laggner

1968 - Revolte der Intelligenzija, Aufstand der Studenten, Polizei-Bashing. "Zur Sache Schätzchen" hat damit nichts zu tun und ist doch am Zahn der Zeit. Martin (Werner Enke) beobachtet nachts aus seiner versifften Bude einen Einbruch. Zieht die Vorhänge zu, drückt auf einen Tipkick-Fußballer und legt sich ins Bett.
 
 
 
Es wird böse enden
  Martins Freund Henry zwingt ihn, seine Beobachtungen der Polizei mitzuteilen und lässt ihm generell keine Ruhe: Martin solle ihm die Haare schneiden und sich endlich verloben, außerdem wartet ein gewisser Block auf Songtexte, und überhaupt, nicht so viel im Bett herumgammeln. All das quittiert Martin mit einer nonchalanten Handbewegung und einem der geflügelten Worte des Films: "Es wird böse enden." Und ist fortan, mit einer Pistole in der Tasche, auf der Flucht.
 
 
 
Was einem grad einfällt statt Political Correctness
  Weil sich Martin nicht normal verhält, wird er von der Polizei als der Einbrecher verdächtigt. Gefragt nach einer Vorbestrafung, gibt der Mitzwanziger NS-Vergangenheit an. "Also gut, Nazi", bemerkt der dickliche Polizist. Kurz darauf springt Martin aus dem Fenster und taucht im Schwimmbad unter, wo er Barbara (Uschi Glas) trifft, die sich bei der nächsten Polizeibefragung das Kleidchen auszieht. Vorher im Bus hat das unschuldige Wohlstandmädchen noch gefragt, was eigentlich fummeln bedeute, in der Polizeistation steht sie im Mieder da und versucht, lasziv zu schauen. Tatsächlich lächelt sie leicht dümmlich. "Zur Sache Schätzchen" hat den erotischen Wert der "Sendung mit der Maus".
 
 
 
 
 
Komödien statt Heimatfilme
  "Zur Sache Schätzchen" war 1968 der Überraschungserfolg des Jungen Deutschen Films und scherte sich gleichzeitig einen Dreck um hehre Erneuerungsbestrebungen. Regisseurin May Spils und ihr Ehemann Werner Enke, beide auch Drehbuchautoren des Films, wollten keine Aussage, sondern einfach nur Spaß. Obwohl die "Nouvelle Vague" dem Jungen Deutschen Film als Vorbild diente.

Wie in "A bout de souffle" ist ein junges Pärchen vor der Polizei auf der Flucht, wälzt sich im Bett herum und irgendwann wird die Freiheit des Sommers ein Ende haben. Doch "Zur Sache Schätzchen" ist Schabernack und nimmt sich viel weniger wichtig als sein französisches Vorbild. Martin ist nicht wirklich Verbrecher, die Waffe nicht geladen und am Ende stirbt niemand. Künstlerische und cineastische Prätention gehen außen vor, "Ich möchte nur kein verstaubtes Kino machen.", sagte May Spils.
 
 
 
Nichts erreichen, einfach nur ein bisschen sein
  Die deutsche Zeitschrift "Stern" hat sich im Jahr 2001 gefragt "Was macht eigentlich Werner Enke?" und ihn in Schwabing besucht. "Ich habe keine sehr große kommerzielle Energie" war die Antwort. Werner Enke und sein filmisches Alter Ego Martin sind höchst sympathische Rebellen, deren größte Errungenschaft die Gleichgültigkeit gegenüber der eigenen Rebellion ist.

Auf einer Fahrt in den Zoo dichtet Martin doch noch den Text für den Block: "Alter Junge, zieh kein Gesicht, geh still in die Koje und frage dich nicht, nach diesem und jenem und was es auch sei, am Ende ist doch alles einerlei."
 
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