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  Österreich | 1.4.2006 | 12:15   

 
 
Überraschungsgast in Graz
  Arthur Einöder

Es gibt wenige Dinge, die undankbarer sind, als an einem 1. April über ein Ereignis zu berichten, das gemeinhin als ziemlich unwahrscheinlich gilt.

Ja, Pete Doherty, Sänger der Babyshambles und Ex-Frontmann der Libertines ist auf einen spontanen Abstecher nach Österreich gekommen. Und ja, Pete Doherty hat im Grazer Nonstop-Kino ein kurzes Live-Set gespielt.
 
 
 
 
 
  Eine akustische Gitarre, eine Mundharmonika und seine unverwechselbare Stimme: mehr brauchte der Songwriter nicht, um sieben seiner Songs auf einem Barhocker sitzend zu performen. Von der ersten Libertines-Single "What A Waster" bis zum stark Reggae-beeinflussten "Pentonville" im Duett mit Babyshambles-Kollegen General Santana.

Rein äußerlich machte Pete Doherty einen ziemlich angeschlagenen Eindruck, wirkte müde und erschöpft. "Als ob er gleich vom Stuhl kippen würde", wie ein Fan meinte. Musikalisch aber gab es Doherty pur. Bis aufs Äußerste reduziert, direkt und fast unangenehm intim präsentierten sich seine Songs. Die Strophen waren teilweise radikal gekürzt, die Texte an einigen Stellen gegenüber den Albumversionen verändert. Im eklatanten Gegensatz zu seinem ramponierten Auftreten standen die Ansagen zwischen den Liedern: denn die waren charmant und voller Humor, den manche "britisch" nennen würden. Auf einen ungeduldigen Zuruf aus dem Publikum antwortete der Sänger mit einem: "Oh, really? Then let me say you, that it's nice to be here. In Switzerland."
 
 
 
 
 
Das Phänomen Doherty
  Pete Dohertys Gig in Graz ist wie jeder seiner Auftritte vor allem losgelöst vom Musiker Doherty zu sehen. Der junge Mann aus East London hat in seiner öffentlichen Wahrnehmung einen Status erreicht, der mit seinem ursprünglichen Talent gar nichts mehr gemein hat. Dieser Status wird von einer Eigendynamik angetrieben, die schon längst außer Kontrolle geraten ist.

(Google liefert für die Suchbegriffe doherty kate moss fast doppelt so viel Resultate wie für doherty libertines und doherty babyshambles zusammen.)

Als Reporter für die Morning Show war ich auf zig Konzerten, um nach dem Auftritt der jeweiligen Band das Publikum nach der Meinung zu fragen. "Wie wars? Was war denn das besondere am Konzert heute?" Noch nie zuvor habe ich da die Antwort bekommen: "Es ist ein Wahnsinn! Band XY war tatsächlich da! Und ich war auch dabei!" Nicht bei Placebo, Mando Diao oder Velvet Revolver. Nach dem Doherty-Set im Nonstop Kino waren es zirka vier aus fünf, die so geantwortet haben.

Das ist einerseits natürlich "no na, eh klar" bei einem, der sich so rar macht und reihenweise Auftritte platzen lässt wie Doherty. Andererseits natürlich eine noch nie dagewesene Wörthersee "GTI-Treffen-isierung" eines bedeutenden Musikers. "Ich war dabei!"
 
 
 
 
 
Scheitern in der Öffentlichkeit
  Dohertys Scheitern, in aller Öffentlichkeit ausgebreitet, ist vor allem eine wunderbare Projektionsfläche für den Beobachter. Und es erfüllt wichtige sozialhygienische Aufgaben.

Es gibt dem Beobachter moralische Überlegenheit und dadurch Selbstbewusstsein. Bietet Platz für romantische Verklärung. Ist ein Ventil für den Dummschwanz- und Besserwisser-Reflex.

Und ist vor allem Gesprächsstoff. "Der Pete", über den man spricht als sei er ein enger Freund, ein guter Bekannter. Aber "den Pete", den kennt wahrscheinlich nicht einmal Doherty selbst.

Er bleibt eine Figur, oder mehr noch, ein Watschenmann, der sein Gesicht im Auge des Betrachters ändern kann: der einmal die "bösen Medien" oder den "dumpfen Mainstream" darstellt, ein anderes Mal den dummen Buben verkörpert, der keine Verantwortung kennt. Und letztlich doch gesichtslos bleibt.
 
 
 
 
 
 
 
Zweite Session
  Auch am 1. April, also heute, ist für 22 Uhr eine Session mit Pete Doherty im Grazer Nonstopkino angekündigt. Es gibt keine Vorkaufstickets, Karten werden an der Abendkassa für 30 Euro erhältlich sein. Das erste Konzert hat übrigens mit zwei Stunden Verspätung erst gegen Mitternacht begonnen.

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www.nonstop.at
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